„Volltanken, bitte!“ – DFG-Exkurs-Veranstaltung zu Kraftstoffen aus Biomasse

„Dialog an Deck“ hieß es Mitte August in Bonn. Die „MS Wissenschaft“, das Ausstellungsschiff der Initiative „Wissenschaft im Dialog“, hatte mit ihren Exponaten zum „Jahr der Energie 2010“ drei Tage lang am Rheinufer festgemacht – ein ungewöhnlicher, aber genau der richtige Ort für eine Veranstaltung in der DFG-Reihe „exkurs – Einblick in die Welt der Wissenschaft“. Professor Stefan Pischinger, Leiter des Exzellenzclusters „Maßgeschneiderte Kraftstoffe aus Biomasse“ an der RWTH Aachen, und Dr. Kurt Wagemann, Geschäftsführer der DECHEMA (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.), diskutierten über die energetische Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen, die zu den Hoffnungsträgern für die nachhaltige Energieversorgung der Zukunft zählen. Im Mittelpunkt der von Armin Himmelrath (Wissenschaftsjournalist, u.a. Deutschlandfunk) moderierten Diskussion standen die Forschungsansätze und Probleme bei der Erzeugung von Kraftstoffen aus Biomasse. Eine wichtige Strategie zur Kraftstoffgewinnung aus Biomasse ist die Suche nach neuen Komponenten, die zur Herstellung und Verbrennung genutzt werden können. Sie zu finden, ist das  Ziel des Exzellenzclusters in Aachen. „Damit wollen wir eine optimale Kombination von Kraftstoffkomponenten bestimmen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hervorgeht. Dabei soll aber die Struktur der Rohstoffe möglichst erhalten bleiben“, erläuterte Stefan Pischinger. Die ersten Probleme entstehen schon beim Anbau der nachwachsenden Rohstoffe. Die Anbauflächen stehen oft in Konkurrenz zu landwirtschaftlich genutzten Flächen, die zur Gewinnung von Nahrungsmitteln dienen. Auch werden manchmal Weizen und andere Nahrungsgrundlagen zur Herstellung von Biokraftstoffen verarbeitet. Dass hier nach anderen Lösungen gesucht werden muss, darüber waren sich die beiden Experten einig. Alternativ könnten zum Beispiel Reststoffe wie Dreschmasse eingesetzt werden.

Diskussion: Exzellenzcluster-Sprecher Stefan Pischinger, Moderator Armin Himmelrath und DECHEMA-Geschäftsführer Kurt Wagemann (v.l.n.r.).
Diskussion: Exzellenzcluster-Sprecher Stefan Pischinger, Moderator Armin Himmelrath und DECHEMA-Geschäftsführer Kurt Wagemann (v.l.n.r.).
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 „In Zukunft werden auch flüssige Kraftstoffe eine wichtige Säule der Energiewende in der Mobilität sein“, meinte Dr. Kurt Wagemann. Wasserstoff werde dabei jedoch eher eine geringe Rolle spielen, da dieser aufgrund seiner geringen Energiedichte kein effizienter Energieträger sei. „Eine echte Alternative dazu ist die Verwendung von Biogas“, so Wagemann. Durch die bereits gut ausgebaute Infrastruktur im Biogas-Transport wäre dann auch das Problem der Logistik gelöst. Grundsätzlich müsse über die Verteilungs- und Transportmöglichkeiten von Kraftstoffen aus Biomasse nachgedacht werden. Denkbar wäre eine dezentrale Bearbeitung der Rohstoffe, die dann, ähnlich wie in Molkereibetrieben, an einer Stelle gesammelt und von dort aus zu den Endabnehmern gelangen würden.

Neben den aktuellen Forschungen zu den Biokraftstoffen interessierte das Publikum auf der „MS Wissenschaft“ auch die Meinung der beiden Experten zur Kernenergie und speziell zur Laufzeitverlängerung der Reaktoren in Deutschland. Pischinger und Wagemann waren sich einig, dass die Kernenergie weiterhin Teil der Energiebereitstellung bleiben wird, wenn auch eher nur als Übergangslösung. Primär solle allerdings die Förderung regenerativer Energien vorangetrieben werden, die bislang erst mit 20 Prozent zur Energiegewinnung beitragen.

Pischinger und Wagemann schauten auch in die Zukunft des Automobilverkehrs, der einer der größten Energiefresser ist. Elektroautos sind nach ihrer Meinung noch nicht marktfähig. Bivalente Fahrzeuge, also Autos mit einem zusätzlichen Erdgastank, seien aber durchaus eine umweltfreundlichere Option zum herkömmlichen Automobil. Abschließender Rat der beiden Experten: Wer sich keinen Neuwagen zulegen möchte, sollte auf jeden Fall seinen Fahrstil überprüfen, denn Fahren ohne Bleifuß reduziert den Kohlendioxidausstoß. Und wer noch mehr für sich und seine Umwelt tun möchte, solle am besten auf das Fahrrad umsteigen.

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