Vorwort

von Professor Matthias Kleiner, Präsident der DFG

Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner
Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner
© DFG

Wer im Bonner Stadtteil Bad Godesberg auf der Kennedyallee vom Hochkreuz in Richtung Rhein geht, erkennt nach einer Weile auf der rechten Seite drei hohe Säulen, auf denen Fragmente einer Darstellung sichtbar werden. Mit jedem weiteren Schritt fügen sich diese graphisch anmutenden Zeichen zu einem vertikal aufsteigenden Gesamtbild, das der Betrachter schließlich als das Logo der Deutschen Forschungsgemeinschaft wahrnimmt: DFG! Kein Namensschild, sondern eine von Dieter Hüsken geschaffene typographische Skulptur markiert jenen Ort, an dem die größte deutsche Förderorganisation im Bereich der Grundlagenforschung ihren Sitz hat. Wer das von Sep Ruf Mitte der fünfziger Jahren geschaffene Haus betritt, der erkennt sogleich, dass diese Skulptur weit mehr als eine Standortbestimmung ist. Das kreative Element jener drei Säulen findet in der Ausgestaltung der Foyers, der Flure und der zahlreichen Sitzungsräume seine Fortsetzung. Dieses Haus, so erkennt der Besucher, ist auch ein Haus, in dem Kunst ihren Platz hat.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Wissenschaft in Deutschland. Damit ist sie zugleich eine „kulturfördernde Einrichtung“. Dieser Begriff ist nicht mit dem landläufigen Bild einer klassischen „Behörde“ assoziiert. Bereits Rufs Entwurf ließ den Wunsch erkennen, „nicht behördenmäßig zu wirken“, wie es in alten Aufzeichnungen heißt, vielmehr solle „Künstlerischer Schmuck“ dem Besucher sagen, „er komme nicht zu Vorgesetzten, sondern zu Helfern und Freunden“ – eben der Forschungs-Gemeinschaft.

Der kreative Prozess der Forschungsförderung bedingt ein Umfeld, in dem man Kultur erleben kann. Kunst und die Auseinandersetzung mit ihr fördern die Phantasie und geben damit der Kreativität Raum. Die Kunst vermittelt uns eine „andere Sicht der Dinge“. Doch wenn Wissenschaft Wissen schafft, was schafft dann das Wissen? Dass die Antwort auch „Kunst“ heißen kann, war Ausgangspunkt von Überlegungen im Zusammenhang mit der von den Architekten Wilfried Pilhatsch und Sepp Rößle geplanten Erweiterung und Sanierung der DFG-Geschäftsstelle in Bonn. Die im September 2000 eingeweihten neuen Räumlichkeiten bieten die Chance, nach innen wie nach außen das Bild jener „kulturfördernden Einrichtung“ zu vermitteln.

Freilich, Kunst im Haus war auch damals schon nichts Neues für die DFG. Das sich über eine ganze Etage erstreckende, in Acryl gefasste Künstlerbuch „Aquamarin, das versteinerte Meer“ von Helmut Dirnaichner, die im Jahr 1967 entstandene Skulptur „Albert Einstein“ aus dem Zyklus „Köpfe von Zeitgenossen“ des russischen Bildhauers Vadim Sidur, die Stelen von Michael Croissant, die Installation von Lutz Fritsch im größten Sitzungssaal oder die Keramiken aus der Hermann Güterbock-Sammlung haben bereits einen Eindruck von dem gegeben, was einmal entstehen sollte. Der angrenzende Erweiterungsbau bot dank einer über vier Stockwerke führenden fensterlosen Stirnwand die Chance zu einer geradezu spektakulären Gestaltung. Auf dieser Fläche verwirklichte der Kölner Künstler Michael Bleyenberg mit seinem fünf mal dreizehn Meter großen Wandbild „Augenfeuer“ das damals größte Hologramm Europas. Die angewandte Technik prismatischer Folien auf Spiegeln lässt das Großbild nicht nur scheinbar zwischen den Gebäuden schweben, je nach Betrachtungswinkel entwickelt es zudem bei Lichteinstrahlung ein anderes, von Grad zu Grad wechselndes Farbbild.

Es waren der frühere Leiter der DFG-Zentralverwaltung, der Jurist und Kunsthistoriker Axel Hubertus Zienicke sowie der Journalist und langjährige Referent für Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Dieter Hüsken, die unter dem Titel WISSENSCHAFFTKUNST eine Ausstellungsreihe entwickelt haben, die in dem neuen Bau-Ensemble, wie auch – in Verbindung mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft – im benachbarten Wissenschaftszentrum Bonn, das Werk internationaler Künstler präsentiert. An die erste große Ausstellung „ArbeitsräumeLebensräumeKunsträume“ erinnert noch heute das dauerhaft im Innenhof aufgestellte Werk „Phaeton“ von Hans Scheib. Phaeton, so heißt es in der griechischen Mythologie, bat seinen Vater, den Sonnengott Helios, für einen Tag den Sonnenwagen lenken zu dürfen – doch dabei verlor er die Gewalt über die Rosse und stürzte ab. Wer will, sieht in diesem Kunstwerk zugleich eine Mahnung: Auch dem Forscherdrang sind Grenzen gesetzt.

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