Internationales

Forum Internationales Forschungsmarketing in Berlin

29. Mai 2018 Ideenwettbewerb

Was braucht es für gutes internationales Forschungsmarketing? Wen sollte man bei entsprechenden Aktivitäten einbeziehen? Und vor allem: Was ist eigentlich internationales Forschungsmarketing und was will es erreichen? Diese und viele weitere Fragen erörterten am 29. und 30. Mai 2018 etwa 140 Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis in Berlin.

Gruppenbild

Sie waren auf Einladung der DFG und des Verbundprojekts „Research in Germany“ im Konferenzzentrum des Bundesministeriums für Bildung und Forschung an der Spree zu einem zweitägigen „Forum Internationales Forschungsmarketing“ zusammengekommen. In verschiedenen Formaten ging es darum, voneinander zu lernen, Good Practice Beispiele kennenzulernen und sich zu vernetzen.Vor allem die Good Practice-Session, in der sieben Projekte des internationalen Forschungsmarketings in Form eines Pitchs vorgestellt wurden, verdeutlichte die ganze Bannbreite des „FoMa“, wie es kurz genannt wird – von Auftritten auf internationalen Fach- und Karrieremessen über die Organisation von Alumni-Konferenzen und dem Aufbau von Alumni-Netzwerken bis hin zur Durchführung von Multiplikatoren-Programmen, etwa einem Programm für internationale Journalisten. Wichtig sei dabei stets, so betonten es die Vortragenden, dass die Aktivitäten zum Gesamtkonzept der jeweiligen Institution passen und vorher ihre Zielregionen definiert worden seien.

DFG-Generalsekretärin verleiht die Preise

„In einer so dichten Forschungslandschaft wie der deutschen mit knapp 450 Hochschulen und mehr als 1000 öffentlichen Forschungseinrichtungen ist es für den einzelnen Standort äußerst schwierig, ein individuelles Profil zu finden, das zugleich authentisch ist und attraktiv“, fand auch DFG-Generalsekretärin Prof. Dorothee Dzwonnek in ihrer Rede anlässlich der Preisverleihung des Ideenwettbewerbs „Internationales Forschungsmarketing“, die gleich zu Beginn des Forums stattfand. „Wie sticht man also aus der Masse der Forschungseinrichtungen hervor? Wie wirbt man für einen Standort und wie findet man eine angemessene Sprache?“

Mit einem „richtigen Forschungsmarketing“, so Dzwonnek, ließen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt für deutsche Standorte gewinnen – wenn das Marketing eingängig sei und vor allem die lokalen Stärken hervorgehoben würden. Zwei Hochschulen, einem Forschungszentrum und einem Universitätsverbund ist dies mit ihren Forschungsmarketingkonzepten besonders gut gelungen, sie wurden deshalb im Rahmen der Preisverleihung des Ideenwettbewerbs von der Generalsekretärin der DFG und Schirmherrin des Wettbewerbs ausgezeichnet.

Das Forschungszentrum Jülich überzeugte die Jury mit seinem Konzept „The Pan-African Soil Challenge“ zum Aufbau einer Wissens- und Technologietransferbrücke zwischen Deutschland und Afrika. Das Konzept zeichne sich, so Dzwonnek in ihrer Laudatio, durch Verantwortungsbewusstsein und Weitblick aus: „Es nimmt Bezug auf ein Thema von weltpolitischer Bedeutung, streicht Deutschlands Expertise hervor ohne abstrakt zu bleiben, und besticht durch Präsenz vor Ort und regionale Vernetzung.“ Die Universität Münster wurde für ihr Konzept „WiRe, Women in Research“ ausgezeichnet, ein Förderprogramm speziell für weibliche Postdocs. Dieses soll Forscherinnen aus aller Welt die Möglichkeit bieten, die Universität, ihre Forschung und ihre Angebote für Frauen und Familien kennenzulernen. „Das Münsteraner Konzept begegnet einer unausgewogenen Geschlechterentwicklung an den Hochschulen mit einer starken gesellschaftspolitischen Aussage. Münster bringt damit einen Stein ins Rollen, der etwas Größeres anzustoßen vermag“, lobte Dzwonnek. Die Universität empfehle sich damit als familienfreundliche und gendersensible Umgebung für internationale Spitzenforscherinnen.

Das Konzept der University Alliance Ruhr mit dem Titel „EXPLORE Materials Chain“ oder kurz EXMAC will junge Forscherinnen und Forscher bei der Bildung eigener internationaler Netzwerke unterstützen. Der eingeladene internationale Forschernachwuchs soll so zu weltweiten Botschaftern für den Standort Ruhr werden. Mit EXMAC werde ein Grundstein für eine Vielzahl von lebendigen Forschungsnetzwerken und Wissenschaftskarrieren gelegt und zugleich internationale Expertise in das Ruhrgebiet geholt, sagte Dzwonnek in ihrer Laudatio. Den Start-Up-Sonderpreis gewann die Deutsche Sporthochschule Köln, die parallel zur Fußball-WM einen „Science Slam World Cup 2018“ ausrufen will. „Das Instrument eignet sich in idealer Weise, um gezielt junge, kreative und kommunikationsstarke Forscherinnen und Forscher anzusprechen“, so Dzwonnek. Der Science-Slam World Cup schaffe eine breite Öffentlichkeit für das gesellschaftlich relevante Thema Sport und die dazugehörige Spitzenforschung.

Internationaler und Entertainment-Rahmen

Bei aller Fokussierung schaute das Forum aber auch über den Tellerrand des Forschungsmarketings hinaus. Sasha Baillie brachte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das „Nation Branding“ näher. Die Chefin der Luxemburgischen Agentur für Standortmarketing sprach sowohl über die Strategien und Vorgehensweisen, als auch die Schwierigkeiten bei der Vermarktung ihres Landes. In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es um Parallelen und Unterschiede zum Forschungsmarketing. An der Diskussion nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Forschungsförderung und Wirtschaft sowie der Leitungsebene einer Universität und einer Hochschule für angewandte Wissenschaften teil.

Einen ganz handfesten Tipp wiederum hatte als Überraschungsgast Gayle Tufts für die deutschen Hochschulen parat, um ihren Standort international besser vermarkten zu können. „Zeigt Fotos“, rief die deutsch-amerikanische Entertainerin, die seit 27 Jahren in Berlin lebt und die Preisverleihung mit einem Kurzprogramm zu deutschen liebenswerten Eigenarten belebte, in ihrem deutsch-amerikanischen Singsang. Es sei wunderbar, in Deutschland zu forschen, in schicken Gebäuden und doch so nah an der Natur. In den USA gelte Deutschland als „cool“.

Vielleicht kann Forschungsmarketing manchmal tatsächlich so einfach sein.