Aus der DFG

Ansporn durch Anerkennung

3. Mai 2017 Vierzigstes Jubiläum des Heinz Maier-Leibnitz-Preises

Anlässlich des vierzigsten Jubiläums des Heinz Maier-Leibnitz-Preises schilderte DFG-Präsident Peter Strohschneider die Motivation seines von 1974 bis 1979 amtierenden Vorgängers, den wichtigsten Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland einzurichten: „Während seiner Zeit als Präsident der DFG hat sich Heinz Maier-Leibnitz in unermüdlicher Weise um die Förderung von Personen verdient gemacht, da wo wir heute wie selbstverständlich von Personenförderung im Gegensatz zur Projektförderung sprechen“, sagte Strohschneider.

Gruppenbild zum Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2017

„Diese Unterscheidung beginnt aber für die DFG gewissermaßen erst mit Maier-Leibnitz, indem er die Förderung von Einzelpersonen allererst zum Thema machte. Dazu gehörte auch, der Förderung durch Preisvergabe den Weg zu ebnen, das heißt letztlich: durch eine auf Vertrauen beruhende Förderung, die der potenziellen Verengung des Förderungswürdigen durch bürokratische Engstirnigkeit widersprach.“Von Vertrauen und Freiheit war bei der Festveranstaltung am Abend des 3. Mai 2017 in der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin immer wieder die Rede. „Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis steht für die Chancen und Freiheiten des deutschen Wissenschaftssystems“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka vor rund zweihundert versammelten Gästen, darunter aktuelle und ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wissenschaftsmanagement und den Medien. „Sein Ziel ist es, herausragend talentierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der frühen Phase ihrer Karriere zu würdigen und damit zu motivieren“, so Wanka weiter über den mit 20.000 Euro dotierten Preis, für den das Bundesforschungsministerium der DFG seit 1977 fast vier Millionen Euro bereitgestellt hat. Als Beispiel für die Leistungskraft des Preises nannte die Ministerin den Immunologen und späteren Nobelpreisträger Georges Köhler, der den Preis als einer der ersten erhalten hatte. Die Tatsache, dass seine Arbeit mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis erstmals öffentlich anerkannt wurde, habe ihm „innere Sicherheit“ gegeben und ihn „zum Durchhalten“ angespornt, zitierte Wanka den Preisträger.

Publikum im Leibniz-Saal

Dass der Heinz Maier-Leibnitz-Preis als Katalysator für wissenschaftliche Karrieren wirkt, spiegelte sich auch in einem Film, der im Rahmen der Festveranstaltung gezeigt wurde und der neben dem Namensgeber des Preises erfolgreiche Preisträgerinnen und Preisträger verschiedener Fachgebiete in den Mittelpunkt stellte. So sagte Gisela Lanza, Preisträgerin aus dem Jahr 2009 und Professorin für Produktionssysteme und Qualitätsmanagement am Karlsruher Institut für Technologie, im Film: „Der Preis schafft absolute Sichtbarkeit, auch über das eigene Fach hinaus.“ Der Preis sei zudem ausschlaggebend für ihre Laufbahnentscheidung zwischen Industrie und Wissenschaft gewesen, da er ihr Vertrauen in die Qualität der eigenen wissenschaftlichen Arbeit bestärkt habe, so Lanza.

Im Anschluss an die Filmvorführung fand ein von Anna-Lena Scholz, Redakteurin im Chancen-Ressort DIE ZEIT, moderiertes Podiumsgespräch mit zwei Ausgezeichneten unterschiedlicher Jahrgänge statt: Friedrich Wilkening, emeritierter Professor für Kognitive und Entwicklungspsychologie der Universität Zürich, erhielt den Leibnitz-Preis 1979. Jessica Burgner-Kahrs hingegen wurde 2015 ausgezeichnet, sie ist Professorin für Kontinuumsrobotik an der Leibniz Universität Hannover. Nach den Rahmenbedingungen des Preises früher und heute befragt, wurden durchaus Unterschiede deutlich: „Sie werden nicht glauben, wie wenig wir leisten mussten für den Heinz Maier-Leibnitz-Preis“, sagte Wilkening, „wir mussten nur eine eigenständige Publikation einreichen“. Im Vergleich dazu seien der Leistungsdruck und Wettbewerb stark gestiegen.

Podiumsdiskussion

Bei der Frage nach der Bedeutung des Preises für die eigene wissenschaftliche Laufbahn herrschte jedoch Einigkeit. „Der Preis hat mich bestärkt, den Weg weiter zu gehen – denn wenn das positive Feedback aus der Wissenschaft kommt, dann ist man auf dem richtigen Weg“, sagte Burgner-Kahrs. Wilkening nannte zudem ein „stärkeres Bewusstsein für den wissenschaftlichen Nachwuchs“ als eine wichtige Auswirkung des Preises. Das bestätigte Burgner-Kahrs: „Meine Leidenschaft an junge Wissenschaftler zu vermitteln ist mir ein Anliegen, man möchte weitergeben, wie gute wissenschaftliche Arbeit auszusehen hat.“ Nicht zuletzt erlaube der Leibnitz-Preis, sich für die Verbesserung des Wissenschaftssystems insgesamt zu engagieren. „Den Heinz Maier-Leibnitz-Preis nutze ich auch, um mich für den Nachwuchs und bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen“, so Burgner-Kahrs.

Verbunden mit dem Festakt war auch die Auszeichnung der diesjährigen Heinz Maier-Leibnitz-Preisträgerinnen und -Preisträger. Zu ihnen sagte DFG-Präsident Strohschneider ganz im Sinne des Erfinders des Preises: „Nur weil Sie von ihrer Freiheit Gebrauch machten und machen, ihre Anlagen zu außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen zu nutzen, können auch wir heute von unserer Freiheit Gebrauch machen und Ihnen den Heinz Maier-Leibnitz Preis verleihen. Dies ist nur möglich, weil wir Ihnen vertrauen: Weil wir Ihnen vertrauen können, weil Sie selbst ein Zutrauen gefasst haben zu etwas, von dem Sie allein wissen: das Geheimnis ihrer je individuellen Schaffenskraft. Wir können Sie heute auszeichnen, aber Sie haben sich schon lange selbst ausgezeichnet. Ohne Ihr Zutrauen zu sich, wäre unser Vertrauen in Sie vergebens. Beides aber ist keineswegs selbstverständlich.“