Dialog an Deck

Wer zieht in die Alten-WG? – Stadtentwicklung im Zeichen des demografischen Wandels

20. Juni 2013 Diskussion zur Zukunft unserer Städte

Wie sehen unsere Städte in 20 Jahren aus? Diese Frage stellte die Moderatorin und freie Wissenschaftsjournalistin Monika Seynsche der Expertenrunde beim diesjährigen „Dialog an Deck“ in Bonn, der im Rahmen des DFG-exkurses an Bord der MS Wissenschaft stattfand.

Monika Seynsche, Prof. Dr. Claus-Christian Wiegandt, Dr. Gabriele Sturm, Prof. Dr. Caroline Kramer (v.l.)

Professor Claus-Christian Wiegand vom Geografischen Institut der Universität Bonn erklärte die Veränderung der Städte am Beispiel der sich wandelnden Arbeitswelt: „Die Menschen werden immer mobiler. Sie können schon heute von überall aus arbeiten“, so der Wissenschaftler. Dies führe dazu, dass die Nähe zum Arbeitsplatz eine untergeordnete Rolle bei der Wahl des Wohnstandorts spielt. Wichtiger werde hingegen eine gute Infrastruktur und Erreichbarkeit.

Auf einen anderen Trend in der Stadtentwicklung machte Dr. Gabriele Sturm vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn aufmerksam. Immer mehr jüngere Menschen ziehen für die Ausbildung oder den Job in die Städte, wobei besonders Frauen in der Stadt die Möglichkeit sehen, neue Lebenskonzepte auszuprobieren. „Die Städte werden deutlich weiblicher“, beschrieb Sturm die Entwicklung, die schon jetzt gerade in größeren Städten zu beobachten ist. Die Expertenrunde war sich einig, dass durch den Zuzug vieler Menschen in die Städte der Wohnraum knapper wird und die steigenden Mieten vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen, darunter auch vermehrt Seniorinnen und Senioren betreffen werden.

Generell müssten sich die Städte in ihrer Planung auf eine wachsende Zahl an Senioren einstellen, prognostizierte die Humangeografin Professorin Caroline Kramer vom Karlsruher Institut für Technologie, KIT: „Anders als in früheren Generationen bleiben Menschen im Alter künftig vermehrt in den Städten“. Neben altersgerechter Infrastruktur seien daher auch Angebote für neue Wohnformen gefragt. Schon heute könnten sich 30 Prozent der Senioren vorstellen, in einer Senioren-WG zu leben. In einer lebhaften Diskussion mit dem Publikum zeigte sich, dass viele Anwesende bereits Erfahrungen mit alternativen Wohnformen gesammelt haben oder sich dafür interessieren.

Andrea Fink