Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane

MS Wissenschaft 2017

21. April 2016 Das schwimmende Science Center

Im Wissenschaftsjahr 2016*2017 informiert die MS Wissenschaft über aktuelle Forschungsprojekte rund um das Thema "Meere und Ozeane". Mehrere DFG-geförderte Projekte stellen in acht Exponaten ihre Wissenschaft vor. Das schwimmende Science Center ist vom 24. April bis Anfang Oktober 2017 unterwegs.

Die MS Wissenschaft 2016*2017

Ein Meer aus Plastik

Weltweit produzieren Menschen jeden Tag etwa 3,5 Millionen Tonnen Abfall. Und die Abfallberge wachsen immer weiter. Nicht alles davon landet in Mülltonnen und wird ordnungsgemäß recycelt. Auf dem direkten Weg und über Flüsse gelangt eine große Menge auch ins Meer. Das ist mittlerweile so viel, dass sich dort große Müllwirbel gebildet haben. Einer davon, der „Great Pacific Garbage Patch“ zwischen Hawaii und Nordamerika, ist über hundert Kilometer lang. Über das Wasser sowie die Meerestiere und –pflanzen gelangen chemische Schadstoffe und kleinste Plastikpartikel wieder in den Nahrungskreislauf der Menschen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ untersuchen die Entstehung und Entwicklung der Verschmutzung von Ozeanen und arbeiten an Strategien, Müll im Meer künftig zu vermeiden.

Besucherinnen und Besucher der MS Wissenschaft können sich informieren, wie lange es dauert, bis die Natur Materialien, die typischerweise im Müll landen, im Meer abgebaut hat.

Exponat auf der MS Wissenschaft 2016*2017

Fischen oder nicht fischen

Die Fische im Meer gehören niemandem, erst ein gefangener Fisch wird zum Eigentum. Die Vermutung liegt daher nahe, dass Fischer finanziell am meisten davon haben, wenn sie in kurzer Zeit einen möglichst großen Fang machen. Bei genauerer Betrachtung aber ist das zu kurz gesprungen: Nur, wenn sich dauerhaft genügend ausgewachsene Fische im Meer tummeln, können sie für ausreichend Nachwuchs sorgen, um den Bestand zu sichern. Und nur so bleibt Fisch dauerhaft für uns verfügbar.

Der Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" erforscht, wie die Meere und Ozeane befischt werden und erarbeitet Hinweise und Pläne, wie nachhaltige Fischerei funktionieren kann.

Auf der MS Wissenschaft können sich die Gäste bei einem Spiel daran versuchen, clever und vorausschauend Fische zu fangen. Nur wer taktisch vorgeht, kann auf lange Sicht die besten Fangergebnisse erzielen.

Exponat auf der MS Wissenschaft 2016*2017

Kleine Fische, große Fische

Der überwiegende Teil aller Speisefische stammt aus den Weltmeeren – bereits ein Drittel davon ist allerdings schon heute überfischt. Gründe dafür sind zu hohe erlaubte Fangquoten oder das Fischen von zu kleinen und jungen Tieren, die sich noch nicht vermehren konnten. Für einen nachhaltigen Umgang mit den Fischbeständen ist es zum einen wichtig, dass Fischereiwirtschaft, Politik und Wissenschaft gemeinsam an Lösungswegen arbeiten. Zum anderen können wir alle zum Erhalt der Bestände beitragen, indem wir nur zertifizierte und ausgewachsene Fische konsumieren.

Forscherinnen und Forscher des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ beobachten die verschiedenen Faktoren, die zur Überfischung führen. Daraus entwickeln sie Ansätze, was auch Verbraucher selbst gegen Überfischung tun können.

Besucherinnen und Besucher können Modellfische unterschiedlicher Größe „angeln“ und mit einem computergestützten Maßband vergleichen, ob der Fisch groß genug für den Verzehr ist. Ist er zu klein, sollte er doch noch einmal zurück ins virtuelle Meer.

Exponat auf der MS Wissenschaft 2016*2017

Lawinen der Meere

Nicht nur an Land, sondern auch unter der Meeresoberfläche gibt es Erdrutsche, sogenannte „submarine Hangrutschungen“. Wie bei einer Schneelawine im Gebirge können sich große Teile unterirdischer Berge lösen und in tiefere Lagen abgleiten. Große submarine Hangrutschungen haben eine so große Wucht, dass sie Tsunamis auslösen können, die schlimmstenfalls Küstenregionen überschwemmen und zerstören. Aber auch im Meer besteht die Gefahr, dass Bohrplattformen, Pipelines und Unterseekabel beschädigt werden.

Der Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ untersucht das Phänomen der submarinen Hangrutschungen und ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

Auf der MS Wissenschaft wartet ein Globus darauf, Informationen über die Erdregionen mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten und Aufkommen von Hangrutschungen preiszugeben.

Exponat auf der MS Wissenschaft 2016*2017

Gebirge unter Normalnull

Welches ist das größte Gebirge der Welt? Die Anden oder vielleicht die Rocky Mountains? Bei dieser Frage denkt nicht jeder auch an Gebirgssysteme unter Wasser. Das größte Gebirge der Welt ist nämlich der Mittelozeanische Rücken. Mit seinen 60.000 Kilometern Länge zieht er sich über den gesamten Erdball. Dynamische Prozesse im Erdinneren haben nicht nur ihn geschaffen, sie prägen auch die gesamte Struktur unserer Erde.

Am Exzellenzcluster „Der Ozean im Erdsystem“ am MARUM erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese dynamischen Prozesse um sie noch besser zu verstehen und treffendere Vorhersagen über künftige Ereignisse machen zu können.

Das Exponat auf dem Schiff zeigt die Tiefseegräben und Unterwassergebirge auf der ganzen Welt.

Exponat auf der MS Wissenschaft 2016*2017

Baumeister der Dunkelheit

Kaltwasserkorallen – nicht zu verwechseln mit tropischen Korallen, die die Wärme flacherer Meeresregionen lieben – leben in Wassertiefen von etwa tausend Metern und in absoluter Dunkelheit. Dort bilden sie enorme Riffe und bieten zahlreichen Tierarten wie Weichkorallen, Fischen und Schwämmen einen Lebensraum. Doch trotz ihres scheinbar zurückgezogenen Lebens in der Dunkelheit des Meeres sind auch sie durch Klimawandel und Schleppnetzfischerei gefährdet.

Das MARUM entschlüsselt die Rolle der Kaltwasserkorallen im tiefen Ozean und erforscht die Faktoren, die ihren Lebensraum bedrohen oder auch erhalten.

Besucherinnen und Besucher können sich auf der MS Wissenschaft echte Kaltwasserkorallen aus der Nähe ansehen.

Exponat auf der MS Wissenschaft 2016*2017

Tiefsee-Begegnungen

Neben den Kaltwasserkorallen und ihren Lebensgemeinschaften gibt es unzählige weitere Meeresbewohner in der Dunkelheit der Tiefsee. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begeben sich mit Tauchrobotern auf deren Spur. Von "außergewöhnlichen Wesen" bis hin zu sehr "bizarren Gestalten" hält die Unterwasserwelt immer wieder neue Entdeckungen bereit.

Am MARUM erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Lebensraum Tiefsee. Dafür schicken sie weltweit zum Beispiel den Tauchroboter MARUM QUEST auf Reisen und werten danach die Bild-, Video- und Messdaten sowie Proben aus.

In der Ausstellung auf der MS Wissenschaft bieten Videoaufnahmen die Möglichkeit, solche Roboter auf ihrer Erkundungstour zu begleiten und in die geheimnisvolle Welt der Tiefsee einzutauchen.

Exponat auf der MS Wissenschaft 2016*2017

Mit dem Strom

Ozeane spielen eine bedeutende Rolle für das Weltklima. Die Meeresströmungen beeinflussen mit ihren warmen oder kalten Wassermassen die Temperaturen aller Erdregionen, in die sie vordringen. Ein Beispiel dafür ist der Golfstrom, der in Südengland dafür sorgt, dass dort Palmen wachsen und gedeihen. Ohne ihn wäre die Nordsee monatelang vereist.

Der Exzellenzcluster CliSAP an der Universität Hamburg erforscht die Zusammenhänge zwischen den Meeresströmungen und dem Klima. Die neuen Informationen ermöglichen immer bessere Vorhersagen und geben Hinweise auf Lösungen für Klimaprobleme. 

Ein Multitouch-Tisch auf der MS Wissenschaft veranschaulicht auf einer großen, digitalen Weltkarte die Meeresströmungen der Erde und zeigt, welche Auswirkungen sie an verschiedenen Orten haben. Strömungen mancher Knotenpunkte haben nämlich besonders weitreichende Folgen.

Tauchroboter MARUM Quest

Die Mediathek "DFG bewegt" bietet Videos vom Tauchroboter MARUM Quest im Einsatz für DFG-geförderte Projekte.

Trailer zur MS Wissenschaft