Wissenschaftsjahr 2015 - Zukunftsstadt

MS Wissenschaft 2015

4. September 2015 Das schwimmende Science Center

Der Zukunftsstadt widmet sich in diesem Jahr auch das schwimmende Ausstellungsschiff MS Wissenschaft. Die in den Ausstellungsstücken repräsentierte Forschung versucht Antworten zu finden auf Fragen wie „Was macht eine Stadt aus?“, „Wie funktioniert eine Stadt?“ und „Wie machen wir unsere Städte zukunftsfähig?“. In der Ausstellung stellen auch einige DFG-geförderte Projekte ihre Arbeit vor. Die MS Wissenschaft ist vom 15. April bis 13. September 2015 auf Tour durch deutsche und österreichische Gewässer.

Bild von der MS Wissenschaft 2015

Leben in der Megastadt

Städte erhalten die Vorsilbe „Mega“, wenn sie mehr als zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohner haben. Doch sind diese Städte einfach nur riesengroß oder haben sie weitere besondere Eigenschaften? Eine dieser Eigenschaften ist sicherlich ihre Anziehungskraft: Wie Magnete locken sie ständig weitere Menschen an. Darüber hinaus benötigen Megastädte sehr viel Energie, Wasser, Gebäude und weitere Formen von Infrastruktur. Das überfordert oft die Verwaltungen, die für die Planung und Versorgung zuständig sind. Mit dem unvermeidlichen Kontrollverlust entstehen illegale und informelle Abläufe, die die Entwicklung der Städte prägen.

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Das Schwerpunktprogramm „Megastädte: Informelle Dynamik des globalen Wandels“ entwickelt Theorien und Modelle, mit denen sich die Prozesse und Strukturen in Megastädten erklären und erfassen lassen. Die Forscherinnen und Forscher um Sprecherin Frauke Kraas an der Universität zu Köln verknüpfen dabei insbesondere natur- und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse. Vor Ort in China und Bangladesch untersuchen sie die Bedeutung informeller Aspekte der Stadtentwicklung.

Besucherinnen und Besucher der MS Wissenschaft können Ausstellungsstücke bewundern, die die Architektin Ana Marinheiro gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Schwerpunktprogramms entwickelt hat. Sie zeigen beispielsweise, womit Menschen in den Megastädten Ohaka und Guangzou ihren Lebensunterhalt verdienen oder wie es dort um die Luftqualität bestellt ist.

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Die Welt in der Stadt

Städte üben mit ihren vielfältigen Facetten eine besondere Faszination aus. Sie sind der Raum für Kultur, Politik und Wirtschaft, aber auch für verschiedene kleinere „Gemeinschaften“ innerhalb des großen Zusammenhangs „Stadt“. Jede Metropole ist aber mehr als ein eigener Mikrokosmos; vielmehr sind Städte untereinander vernetzt, beeinflussen sich gegenseitig und folgen globalen Trends.

Das Internationale Graduiertenkolleg „Die Welt in der Stadt – Metropolitanität und Globalisierung vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ erfasst die Entwicklungen der Städte und identifiziert globalgeschichtliche Perspektiven. Die Forschungen sollen zeigen, wie die Globalisierung und die Eigenschaften sowie Wirkungen von Metropolen systematisch zusammenhängen. Das Graduiertenkolleg, das an der Technischen Universität Berlin koordiniert wird und mit weiteren Universitäten in Berlin, New York und Toronto zusammenarbeitet, soll Forschungslücken in den Themenfeldern Architektur und Städtebau, Migration und Mobilität, Wissen und Kommunikation sowie Umwelt und Nachhaltigkeit schließen.

Auf der MS Wissenschaft können Besucherinnen und Besucher spielerisch die Komplexität einer Stadt untersuchen. Eine Ideenbox zeigt aus Sicht der Sozialwissenschaften, wie Migration, Informalität und Bildung in einer global vernetzten Welt zusammenhängen.

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Stadtmeisen

Die weltweit rasant wachsenden Städte verändern auch das Leben der Tiere und stellen sie vor immer größere Herausforderungen. Um zu überleben, ziehen immer mehr in die Städte und lassen sich zunehmend auf eine Koexistenz mit den Menschen ein.

In dem von der DFG unterstützten Projekt „Mikro-evolutionäre Einflüsse von Urbanisierung auf das Verhalten von Tieren“ erforscht Dr. Philip Sprau an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ob Vögel, die ein riskanteres Verhalten als ihre Artgenossen an den Tag legen, besser überleben und sich erfolgreicher fortpflanzen. An dem Projekt sind auch Bürgerinnen und Bürger aus dem Münchner Raum beteiligt, die für die Dauer des Projekts Vögel „adoptiert“ haben und deren Verhalten beobachten und dokumentieren.

Wandtafeln informieren auf dem Schiff über das Thema Stadtökologie. Eine Zeitrafferaufnahme des Nistkastens einer Kohlmeise zeigt den Brutverlauf vom Bau des Nestes bis hin zum Ausflug der Jungvögel.

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Wohnen im Wandel

Der demografische Wandel bewirkt, dass immer mehr alte Menschen in unserer Gesellschaft leben. Weil sie weniger mobil sind, schlechter sehen oder auf andere Weise eingeschränkt sind, haben sie andere Ansprüche an ihr Wohn- und Lebensumfeld als jüngere Menschen. Neue Studien zeigen, dass auf diese Bedürfnisse zugeschnittene Architektur eine wichtige Rolle spielt und zum Beispiel den Verlauf von Demenz positiv beeinflussen kann.

Die Emmy Noether-Nachwuchsgruppe „Architektur im demografischen Wandel: Anpassung der Gebäudetypologien des Sozial- und Gesundheitswesens an eine alternde Gesellschaft“ von Gesine Marquardt untersucht, welche Versorgungsformen für ältere Menschen am besten geeignet sind und wie Privathäuser, Wohnungen, Seniorenheime und Krankenhäuser gestaltet sein sollten.

Das Exponat der Gruppe zeigt typische Wohnsituationen von 1950 bis heute und entwirft auch Szenarien für die Zukunft. Es beleuchtet dabei die Frage, wie sich Architektur, Wohntypologie und Wohnkultur im Laufe der Zeit verändern. Insbesondere technische Assistenzsysteme und eine barrierefreie Bauweise sind in Zukunft der Schlüssel für gesundes und selbstbestimmtes Wohnen bis ins hohe Alter.

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Stadtklima-Architekt

Immer mehr Menschen zieht es vom Land in die Großstadt. Das stellt neue Herausforderungen an die Stadtentwicklung – mehr Wohnraum, Grünflächen, Infrastruktur und Arbeitsplätze sind nötig, und das Ganze mit Blick auch auf den Klimawandel. Was müssen Architekten beachten, wenn sie Gebäude und Stadtteile konstruieren? Wie können Städte klimafreundlich oder gar klimaneutral werden?

Der DFG-geförderte Exzellenzcluster „Integrierte Klimasystemanalyse und -vorhersage (CliSAP)“ an der Universität Hamburg befasst sich mit Fragen rund um das Thema Klimawandel. Er untersucht und analysiert den Zustand des Klimasystems und dessen Reaktionen auf natürliche und künstliche Einflüsse. Das Ziel: bessere Vorhersagen treffen und mögliche Gegenmaßnahmen finden.

Auf der MS Wissenschaft präsentieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem „Stadtklima-Architekten“ ein interaktives Spiel zum Thema. Besucherinnen und Besucher können an einem Multitouch-Tisch Städte in unterschiedlichen Teilen der Erde planen und dabei erfahren, wie sich beispielsweise Grünflächen oder Gebäude auf das Stadtklima auswirken. Die besten Ideen für eine klimafreundliche Stadt erscheinen in einer Ranking-Liste.

"Wissenschaft im Dialog"

Die DFG engagiert sich als Gründungs- und Mitgliedsorganisation seit 1999 bei der Initiative "Wissenschaft im Dialog"