WISSENSCHAFFTKUNST

LetterArt

15. August 2016 Visuelle Poesie

Das Jahr 2007 war in Deutschland den Geisteswissenschaften gewidmet. Welches Symbol hätte dafür eine größere Aussagekraft als der Buchstabe? Er ist ein Mittler des Geistes, ein Medium, das Gedanken anderen zugänglich macht und vor allem: vielfach verbreitet.

LetterArt - Visuelle Poesie

Buchstaben sind die Welt des Giorgio Milani. Dabei ist es nicht das von ihnen gebildete Wort, das im Mittelpunkt seiner Arbeit steht, sondern das Bild von dem, was Lettern zu erzeugen vermögen. Es ist deren Ästhetik, über die schon im 18. Jahrhundert Milanis Landsmann, der berühmte Typograph Giambattista Bodoni befand: „Buchstaben haben dann Anmut, wenn sie nicht mit Unlust und Hast, auch nicht mit Mühe oder Fleiß, sondern mit Lust und Liebe geschrieben sind.“ Giorgio Milani bedient sich der Setzkästen der Vergangenheit. Hier findet der italienische Künstler den Rohstoff, aus denen er Themen der Gegenwart Gestalt gibt. Seine Fundstücke stammen aus Druckereien und Zeitungen, aus Parteibüros und von Dachböden. Für ihn sind es „Reliquien“ einer längst vergangenen Zeit, „wunderbare Formen, durch den Gebrauch mit reichen Farbnuancen versehen und von ganz unterschiedlichen Ausmaßen“. Was Milani daraus zu schaffen vermag, zeigte die Deutsche Forschungsgemeinschaft vom 22. November 2007 bis 24. Januar 2008 in der Ausstellung „LetterArt“.

Lettern, zumal gebrauchte, verkörpern Geschichte. Was in China seinen Ursprung fand und von Johannes Gutenberg in Europa etabliert wurde, nämlich der Druck mit beweglichen Lettern, hat bis vor wenigen Jahren unsere gesamte Kultur gespeichert. Dennoch sind Lettern für Giorgio Milani mehr als eine Reminiszenz an eine vergangene Druckkunst, sie sind der Rohstoff für eine andere Kunstform: „Als Künstler erwecke ich diese Zeichen durch Umformung zu neuem Leben.“

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