SCIENCE ON - Talk mit Cécile Schortmann

70 Jahre Grundgesetz - Wie frei sind Kunst und Wissenschaft?

3. April 2019 Talkreihe der DFG in Kooperation mit der Bundeskunsthalle

Kunst und Wissenschaft sind frei – so steht es im Grundgesetz. Seit 1949 sind die freie künstlerische Gestaltung und die Wahrheitssuche mit wissenschaftlichen Methoden als bürgerliche Rechte verbrieft und geschützt.

Am 3. April 2019 im Forum der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn ging es beim fünften Talk in der Reihe

Dennoch scheint die Freiheit von Kunst und Wissenschaft derzeit unter Druck zu geraten: Kunstwerke werden aus Museen entfernt, literarische Werke umgeschrieben und Ergebnisse der Forschung angezweifelt.

Wie steht es also heute, im Jubiläumsjahr des Grundgesetzes, um die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit? Welche Bedeutung hat sie für uns? Wo gerät sie in Konflikte? Und warum ist es wichtig, dass wir sie schützen?

Darüber diskutierten am am 3. April unsere Gäste:

  • Rafaela Hillerbrand | Physikerin und Professorin für Wissenschaftsphilosophie, KIT Karlsruhe
  • Hanno Rauterberg | Kunstkritiker, DIE ZEIT, Hamburg
  • Peter Strohschneider | Professor für Germanistische Mediävistik, Präsident der DFG
  • Rein Wolfs | Kunsthistoriker, Intendant der Bundeskunsthalle
  • und Moderatorin Cécile Schortmann vom HR/3sat
Logo zur Kampagne Wissenschaftsfreiheit

Diese Veranstaltung findet statt im Rahmen der gemeinsamen Kampagne der Allianz der Wissenschaftsorganisationen zu 70 Jahren Grundgesetz Externer Linkwww.wissenschaftsfreiheit.de

Bericht zum Talk –Wie frei sind Kunst und Wissenschaft?

„(…) Avenidas y flores y mujeres y un admirador“ – die Schauspielerin Laura Sundermann rezitierte das Gedicht „Avenidas“ von Eugen Gomringer, während sie die Treppe in das noch dunkle Forum der Bonner Bundeskunsthalle hinabschritt. Mit diesem in die Schlagzeilen geratenen Gedicht eröffnete sie die fünfte Veranstaltung der von DFG und Bundeskunsthalle ausgerichteten Talk-Reihe „Science On“ am 3. April in Bonn. Anlässlich des 70. Geburtstags des Grundgesetzes stand in dieser Veranstaltung die Freiheit von Kunst und Wissenschaft im Mittelpunkt. Geleitet wurde die Diskussion von der 3sat-Moderatorin Cécile Schortmann.

Aufgehängt am Beispiel des Gomringer-Gedichts und an der öffentlichen Debatte, die es ausgelöst hat, diskutierten Podiumsgäste und Publikum über die Frage, wie es derzeit um die Freiheit von Kunst und Wissenschaft bestellt ist. Studierende hatten sich mit dem Gedicht an der Fassade ihrer Hochschule in Berlin unwohl gefühlt, was schließlich dazu führte, dass es übermalt wurde. „Das Interessante ist der Anspruch der Studierenden auf Hochschule als irritationsfreiem Raum“, stellte DFG-Präsident Prof. Dr. Peter Strohschneider fest. Die Beobachtung, dass sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik die Bereitschaft schwindet, unterschiedliche und auch irritierende Sichtweisen auszuhalten, unterstrichen alle Podiumsgäste und sahen Auswirkungen sowohl für die Kunst als auch für die Wissenschaft.

Die Freiheit der Wissenschaft in Deutschland sei derzeit nicht wirklich in Gefahr, betonte Prof. Dr. Rafaela Hillerbrand mit Blick auf aktuelle Entwicklungen in einigen Nachbarländern. „Ich glaube, wir sind in Deutschland weit davon entfernt, ungarische Verhältnisse zu haben“, resümierte die Physikerin und Wissenschaftsphilosophin und bezog sich damit auf Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit, wie sie etwa in Ungarn stattfinden. Aber: Auch in Deutschland stehe die Wissenschaft unter Rechtfertigungsdruck, etwa bei Debatten um Feinstaub oder Impfschäden. Dies seien Diskussionen, bei denen ökonomische Interessen, Meinungen oder Gefühle wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüberstünden.

Doch Wissenschaft genauso wie Kunst, so ein Fazit des Abends, hätten eine wichtige gesellschaftliche Funktion zu erfüllen, nämlich Neues zu schaffen, grundlegendes Wissen und neue Perspektiven zu ermöglichen. Und das sei nur möglich, wenn die Freiheit von beiden, Kunst und Wissenschaft, gewährleistet ist.

Mitschnitt der Veranstaltung