Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

In memoriam Dietrich Henschler

13. März 2015 Senatskommission

Im Alter von 89 Jahren ist der Toxikologe und Pharmakologe Dietrich Henschler am 4. April 2014 gestorben. Henschler, von 1965 bis 1994 Inhaber des Lehrstuhls für Toxikologie und Pharmakologie an der Julius-Maximilians-Universität, machte Würzburg zum Zentrum einer modernen Toxikologie im deutschsprachigen Raum. An der wegweisenden DFG-Denkschrift „Toxikologie“ aus dem Jahr 1975 war er maßgeblich beteiligt; sie forderte eine Ausbildung des Nachwuchses durch zeitgemäße Forschungstätigkeiten.

Die im Institut und durch internationale Zusammenarbeit gewonnenen Erkenntnisse und Diskussionen prägten auch die Arbeit der über 30 Jahre, von 1960 bis 1992, von Dietrich Henschler geleiteten MAK-Kommission. So setzte er zunächst die Verpflichtung durch, die getroffenen Entscheidungen ausführlich schriftlich zu begründen und zu veröffentlichen. Weiterhin veranlasste er, dass die Kommission nicht nur Vorschläge für Arbeitsplatzgrenzwerte machte, sondern dem Fortschritt der wissenschaftlichen Erkenntnis folgend Lösungsansätze für toxikologische Fragestellungen erarbeitete.

Zu nennen sind die Klassifizierung krebserzeugender und erbgutverändernder Arbeitsstoffe, ihre Kennzeichnung als fruchtschädigende Stoffe, das Regelungskonzept für Kurzzeitexpositionen, Einführung von Methoden zum Biomonitoring zur Ermittlung der inneren Exposition. Die erarbeiteten Konzepte sind weitgehend von anderen Gremien im In- und Ausland übernommen worden, einschließlich der Europäischen Kommission.

Dietrich Henschler

Dietrich Henschler. Von 1965 bis 1994 Inhaber des Lehrstuhls für Toxikologie und Pharmakologie an der Julius-Maximilians-Universität.

Henschlers große Verdienste für die Toxikologie bestehen neben seinem Engagement in nationalen und internationalen Gremien darin, dass er jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeiten eröffnete, moderne Grundlagenforschung zu betreiben, Wirkungsmechanismen aufzuklären und entsprechende Methoden zu entwickeln. Dies geschah im eigenen Institut, im Rahmen der Sonderforschungsbereiche in Instituten der Bundesrepublik sowie im Würzburger SFB.

Seine Verdienste bestehen aber auch darin, dass er die Toxikologie ausschließlich als wissenschaftliches Fach vertrat und sich nicht durch fachfremde Erwägungen in seinen Entscheidungen beeinflussen ließ. Diese kompromisslose Vorbildfunktion kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden. Nicht wenig hat dies dazu beigetragen, dass er selbst, sein Institut, die MAK-Kommission und die deutsche Toxikologie weltweite Anerkennung gefunden haben.