MOSAiC-Expedition

Rendezvous der Forschungsschiffe

"Polarstern" trifft auf "Maria S. Merian" und "Sonne"

Als Hilfseinrichtungen der Wissenschaft haben sich die Schiffe "Maria S. Merian" und "Sonne" im Juni auf den Weg zu einem Treffen mit der "Polarstern" gemacht - eine Hilfsaktion. Durch diese Art der Unterstützung hat die DFG einen weiteren Beitrag zum Gelingen der MOSAiC-Expedition leisten können. Wie kam es dazu?

Darauf hatten alle Beteiligten lange hingefiebert. Seeleute und Polarforschende hatten sich wochenlang vorbereitet, harte Quarantäne-Bedingungen in Kauf genommen. Und die Besatzung der "Polarstern" hatte während der akuten Pandemiephase einige Wochen länger als geplant im Polarmeer ausgeharrt, bevor sie Richtung Eiskante zu diesem Treffen aufbrechen konnte. Anfang Juni dann traf das große Forschungsschiff vor Spitzbergen auf die beiden deutschen Versorgungsschiffe "Maria S. Merian" und "Sonne". Neben einem Personalwechsel bei Schiffscrew sowie unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wurden mit einigem Aufwand drei Tage lang auf offenem Wasser wissenschaftliche Ausrüstung, Lebensmittel und Treibstoff verladen - um die "Polarstern" für die nächste Expeditionsetappe zu wappnen.

4. Juni 2020: Rendezvous der drei Schiffe

Eingefroren in ihrer Eisscholle war die "Polarstern" in den vergangenen Wochen wohl einer der wenigen Orte, an dem man sich vor dem Corona-Virus nicht fürchten musste. Die Unterbrechung der Mission war dennoch pandemiebedingt durch Grenzschließungen unumgänglich geworden, weil die ursprünglich geplanten Versorgungsfahrten durch russische, schwedische und chinesische Eisbrecher nicht durchgeführt und auch ein Personalwechsel nicht wie geplant per Flugzeug stattfinden konnte. Um ein Einschleppen von SARS-CoV-2 auf die "Polarstern" zu vermeiden, mussten sich auch die Teams der "Merian" und "Sonne", rund 100 Menschen, in Bremerhaven zwei Wochen in Quarantäne begeben, bevor sie am 18. Mai Richtung Spitzbergen aufbrechen konnten.

Die Alternativpläne, die beiden Schiffe nach Spitzbergen zu schicken, waren im April ganz kurzfristig entstanden – unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe an der Universität Hamburg und der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die zuständigen Gremien hatten der Unterstützungsmission binnen weniger Tage in einer Ad hoc-Entscheidung unbürokratisch zugestimmt. Die "Maria S. Merian" wird als sogenannte Hilfseinrichtung der Forschung mehrheitlich von der DFG (70 Prozent) und dem BMBF finanziert.

"Hilfe ist in diesen Zeiten schwer zu organisieren"

In einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem BMBF am 8. Juni 2020 betonte Professorin Antje Boetius als Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, wie wichtig es für die Forschung ist, diese Expedition fortsetzen zu können: "Während wir alle damit beschäftigt sind, mit dem Virus klarzukommen, mit dieser Krise, die sich niemand so hat denken können, geht es doch weiter darum, auf unsere Welt zu schauen, um zu verstehen, was dort alles passiert." Es sei eine wichtige Nachricht, dass auch in diesen Zeiten die Forschung ihre Aufgaben kennt: den Puls der Erde zu erkennen und den Klimawandel zu beobachten, so die Meeres- und Klimaforscherin. In diesen Zeiten sei es schwer, Hilfe zu organisieren, deshalb "war es für uns ein so fantastisches Erlebnis, dass Hilfe für unsere Expedition so flexibel und unbürokratisch möglich gemacht wurde", sagte Antje Boetius, die dem BMBF, der DFG, der Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe und allen beteiligten Seeleuten und Polarforschenden ausdrücklich dankte. "Und wir freuen uns auf die tollen Ergebnisse, die sich jetzt fortsetzen lassen."

Dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft auf diese Weise einen Beitrag zum Gelingen der MOSAiC-Expedition leisten kann, freut auch DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker: "Dadurch bewahren wir das Projekt vor einem vorzeitigen Abbruch und damit die Wissenschaft insgesamt vor dem Verlust äußerst wertvoller Daten."

Wenn alles klappt, wird die "Polarstern" mit dem vierten MOSAiC-Team ihre Scholle in einigen Tagen wieder erreichen, um die Drift bis zum geplanten Ende der Expedition im Oktober fortzusetzen und damit die für die Wissenschaft so wertvollen Forschungsdaten aus der Arktis zu sammeln.

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