Fliegen und Forschen für das Klima

Bereit, die Früchte zu ernten

17. August 2012 Im Interview: Professor Joachim Curtius

Zur Person: Joachim Curtius ist einer der drei Koordinatoren des DFG-Schwerpunktprogrammes „Atmospheric and Earth System Research with the High Altitude and Long Range Research Aircraft“. Er ist Professor für experimentelle Atmosphärenforschung am Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Professor Joachim Curtius

Professor Joachim Curtius

Warum eignet sich eine Förderung als Schwerpunktprogramm für die HALO-Initiative?

Nachdem die Idee vor zwölf Jahren geboren war, wollten wir möglichst viele Forschergruppen an Bord holen. Ein Schwerpunktprogramm wird bundesweit ausgeschrieben, so dass jeder die Chance erhält, sich zu bewerben. Das garantiert Vielfalt und Vernetzung. Außerdem bündelt es Kapazitäten und ist deswegen sowohl finanziell als auch inhaltlich effektiver als Einzelförderungen. Denn ein solches Großprojekt hat einen immensen Finanzierungsbedarf.

Kamen so Partner hinzu, mit denen sie sonst nicht gerechnet hätten?

Der Großteil der beteiligten Wissenschaftler stammt aus der Community. Einige Gruppen haben ihre Forschung mit Flugzeugen stark ausgeweitet, das sind zum Beispiel die Universitäten Bremen und Heidelberg, die vorher mehr mit Satelliten, beziehungsweise Messballons und Bodenstationen gearbeitet haben. Es sind auch ein paar hinzugekommen, die vorher keine Forschung mit Flugzeugen betrieben haben und an die wir nicht primär gedacht hatten. Für HALO ist die breite Aufstellung auf jeden Fall eine Bereicherung.

Wie funktioniert die Kooperation von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen?

Das funktioniert im Schwerpunktprogramm sehr gut. Die Universitäten profitieren von den flexiblen Haushalten der großen Forschungseinrichtungen. Denn Hochschulen müssen aufgrund der knappen Kassen oft sehr umfassende Anträge stellen, die dann wenig Aussicht auf Erfolg haben. Hier ist das Modell des Schwerpunktprogrammes hilfreich, weil viele Dinge gemeinsam finanziert werden. So müssen sich die Universitäten nicht um die Wartung des Flugzeuges oder Flugstunden bemühen.

HALO am Start

Verbessert die Einbindung der Universitäten auch die Förderung des Nachwuchses?

Ja, die Vermittlung ist definitiv besser. Die Studierenden bekommen einen einmaligen Einblick in das Forschungsfeld, das wäre sonst gar nicht möglich. Doktoranden fliegen teilweise schon als Operateure an Bord von HALO mit. Viele Absolventen bleiben nach Diplomarbeit oder Masterarbeit in dem Forschungsbereich – ob an einer Universität oder einer außeruniversitären Forschungseinrichtungen. So profitieren alle Beteiligten von dem Projekt.

Welche Standorte beschäftigen sich besonders intensiv mit HALO?

Da wären das DLR, das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und für Meteorologie in Hamburg, das Karlsruher Institut für Technologie, das Forschungszentrum Jülich und das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig zu nennen. Außerdem die Universitäten Heidelberg, Bremen, Frankfurt und Leipzig und die TU Dresden.

Welche Rolle spielt die DFG für das Projekt HALO?

Die DFG fördert rund 30 Prozent des Projektes, darunter 200 Flugstunden jährlich. Damit ist die DFG ein wichtiger Partner.

Wie steht es um die internationale Sichtbarkeit von HALO?

Ich glaube, HALO wird sich international innerhalb weniger Jahre stark positionieren und große neue Möglichkeiten für die deutsche Forschung schaffen. Wir sind international sehr gut aufgestellt.

Wie ist die Entwicklung des Projektes gelaufen?

Von Idee bis zu ersten Flügen hat es mehr als zwölf Jahre gedauert. Das war länger als gedacht, was nicht unnormal ist bei solch großen Projekten. Grund dafür war vor allem die aufwändige Umrüstung und Zertifizierung des Flugzeuges. Nun sind wir aber bereit, die Früchte zu ernten.

Was erhoffen sie sich von dem Einsatz von HALO?

Dank HALOs großer Reichweite und Nutzlast können wir zukünftig wesentlich größere Kampagnen starten und dabei auf zahlreiche Zwischenstopps, die viel Geld und Zeit kosten, verzichten. Für Missionen in Indonesien mussten wir bisher rund vier Mal zwischenlanden. Mit HALO reduziert sich das auf eine Zwischenlandung. Auch Missionen zu abgelegenen Teilen der Ozeane werden nun erstmalig möglich. Außerdem ermöglicht die Gipfelhöhe des Flugzeugs erstmalig die Analyse der tropischen Tropopausenregion, die für viele klimatische Prozesse besonders wichtig, aber noch zu wenig erforscht ist. Ziel der Kampagnen der nächsten Jahre ist ein besseres Verständnis von Erdsystemforschung und Klimawandel.

Das Gespräch führte Verena Kauzleben.

Schwerpunktprogramme der DFG

Die DFG fördert mit Schwerpunktprogrammen neuartige Themen und Arbeitsrichtungen, die eine nachhaltige Prägung der Wissenschaftslandschaft bewirken sollen. Die Projekte werden bundesweit ausgeschrieben, um fach- und ortsübergreifende Forschergruppen anzusprechen. Zudem sollen Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen kooperieren.