Grenzenlose Vielfalt

Mathematik für die Gesellschaft

5. September 2019 Basis für Innovationen im 21. Jahrhundert

Ob Klimamodellierung, Batterieforschung, chemische Reaktionen oder die digitalisierte Welt - ohne Mathematik wäre all das nicht denk- und erforschbar. Sie ist im 21. Jahrhundert einer der wesentlichsten Wissenschaftsbereiche. Ihre jüngste Ausprägung ist keine zehn Jahre alt und Basis für die meisten innovativen Entwicklungen.

Die Mathematik bildet im 21. Jahrhundert einen der zentralen Bereiche in der Wissenschaft. Das Bonner Hausdorff Center for Mathematics (HCM) stellt sich gezielt den Herausforderungen und sucht die wissenschaftliche Nähe zu den Nachbarwissenschaften u

„Ob im MP3-Player, iPhone, im Routenplaner, in der Medizintechnik oder in Big Data – da steckt überall Mathematik drin, die teilweise noch keine zehn Jahre alt ist“, erklärt der Bonner Mathematiker Theo Sturm. Taktgeber für diese innovativen Entwicklungen ist die universitäre Grundlagenforschung – und damit auch das Bonner Hausdorff Center for Mathematics (HCM) als mathematischer Exzellenzcluster, dessen Sprecher Sturm ist. 2018 wurde das HCM als neuer Cluster bewilligt.

„Die vergangenen Jahre haben zweifelsohne dazu beigetragen, dass die Bonner Mathematik ihre internationale Sichtbarkeit weiter ausgebaut hat“, sagt Sturm. International herausragende Mathematikerinnen und Mathematiker entschieden sich für den Forschungs- und Lehrbetrieb an der dortigen Universität, führende deutsche Vertreterinnen und Vertreter kehrten aus dem Ausland nach Bonn zurück. „Und der Cluster hilft, dass die weltweit umworbenen besten Köpfe nicht abwandern“, sagt Sturm. Erst im vergangenen Jahr hat Peter Scholze vom HCM mit der Fields-Medaille den „Nobelpreis für Mathematik“ erhalten. Der Ausnahme-Mathematiker hat an der Universität Bonn studiert und promoviert, wurde dort jüngster Professor Deutschlands und leitet heute zusätzlich als einer der Direktoren das Bonner Max-Planck-Institut für Mathematik.

Grundlagenforschung widmet sich anderen Wissenschaften

Aufbauend auf seinem starken Fokus in der Grundlagenforschung hat sich das HCM von Anfang an gezielt den Herausforderungen der Nachbarwissenschaften und der Gesellschaft gestellt. So existieren seit Jahren Kooperationen mit der Physik und der Volkswirtschaftslehre; aber auch die Lebenswissenschaften rücken zunehmend in den Fokus der Bonner Mathematik – beispielsweise im DFG-geförderten Bonner Interner LinkExzellenzcluster „ImmunoSensation“ . In Zusammenarbeit mit ihm schafft das HCM drei neue Professuren für eine „Mathematik der Lebenswissenschaften“ – Interdisziplinarität über die Exzellenzcluster hinweg. Die zweite Stoßrichtung sind die Materialwissenschaften. „Da bieten wir starke Mathematik für intelligente Materialien“, erläutert Sturm.

In den nächsten Jahren will der Exzellenzcluster sowohl zu großen, wichtigen Problemen der  Mathematik als auch zu mathematisch zugänglichen Herausforderungen der Gesellschaft Wesentliches beitragen. Natürlich könne man nicht die komplette Mathematik abdecken, resümiert Sturm. „Aber wir wollen unsere Energie so bündeln, dass wir bei allen wichtigen Fragen zur Forschung entscheidend mitwirken.“

Fortbildungskonzepte für Postdocs

Und auch die Nachwuchsarbeit soll weiter ausgebaut werden. Die Hausdorff School des HCM bietet laut Sturm innovative Fortbildungskonzepte für Postdocs an: „Eine Form der Weiterbildung, die bislang sehr stiefmütterlich behandelt wurde und für die wir großen Bedarf sehen.“ Künftig werden bis zu zehn Mal jährlich wissenschaftliche Kompaktprogramme in Form von Sommer- oder Winterschulen organisiert. Soft-Skill-Seminare wie Präsentationstechniken oder Interviewtrainings und ein Mentorenprogramm zur akademischen Lehre erweitern das Angebot. „Wir bieten den Postdoktorandinnen und -doktoranden an, Vorlesungen zu halten, die von einer erfahrenen Kollegin oder einem erfahrenen Kollegen konzeptionell begleitet werden. Eine Maßnahme, um von der Vorstellung wegzukommen, dass Lehrende alles können müssen, ohne es vorher geübt zu haben“, erklärt der Mathematiker mit einem Augenzwinkern.