Grenzenlose Vielfalt

Wo stehen wir mit den Klimazielen?

5. September 2019 Langzeitstudie zum Status quo

Welche Einschnitte würden Gesellschaft und Wirtschaft hinnehmen, um den Klimawandel aufzuhalten und die Ziele des Pariser Abkommens einzuhalten? Und welche Auswirkungen haben Klimaereignisse auf die Einstellung der Menschen, der Wirtschaft oder der Politik? Diesen Fragen geht der Hamburger Exzellenzcluster "Climate, Climatic Change and Society" nach.

Starkniederschläge, Hitze oder Hochwasser: Wie sich solche regionalen Klimaereignisse auf die Entscheidungsprozesse in der Gesellschaft auswirken, untersucht der Hamburger Exzellenzcluster „CliCCS“.

Um die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsste der Atmosphäre im großen Stil Kohlendioxid entzogen werden. Diese sogenannten negativen Emissionen müssten jedoch auch – an Land oder im Meeresuntergrund – gespeichert werden. Aber würde die Gesellschaft einen solchen Eingriff in die Natur in Kauf nehmen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen?  Welche gesellschaftlichen Voraussetzungen würden überhaupt eine Dekarbonisierung der Wirtschaft ermöglichen?

Mit solchen Fragen beschäftigt sich der 2018 bewilligte Hamburger Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change and Socitey (CliCCS)“. Dort beobachten die Forscherinnen und Forscher beispielhaft 20 Kohlendioxid-intensive Unternehmen in fünf Ländern. Sie wollen mithilfe einer Langzeitstudie klären, wann und unter welchen Umständen diese Firmen die Folgen des Klimawandels ernst nehmen, ihren Kohlendioxidausstoß verringern und ihre Strategie verändern. „Es geht im neuen Cluster nicht mehr nur darum, abzuschätzen, welche ‚Klimazukünfte‘ theoretisch möglich, sondern welche tatsächlich plausibel sind – im gegebenen Rahmen der Klimadynamik, der Gesellschaft, der Wirtschaft, der internationalen Politik und des Rechts“, sagt Clustersprecher Detlef Stammer, Direktor des Centrums für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg. Denn auch wenn feststeht, dass sich die Temperaturen global erhöhen, so ist doch die Klimavariabilität so groß, dass die Folgen regional unterschiedlich ausfallen – wie im deutschen Hitzesommer 2018. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Natur- und Sozialwissenschaften von „CliCCS“ wollen verstehen, wie sich solche Klimaereignisse auf die Entscheidungsprozesse in der Gesellschaft auswirken. Denn zwischen Klima und Gesellschaft gibt es einen gewissen Ping-Pong-Effekt. „Nicht nur das Klima ist dynamisch“, erklärt Stammer, „auch die Gesellschaft verändert sich stetig – gegebenenfalls als Reaktion auf den Klimawandel – und wirkt dann wieder auf das Klima zurück.“

Klimaforschung hat in Hamburg lange Tradition

Die Hamburger Klimaforschung blickt auf eine lange Tradition zurück: Neben der Universität gibt es seit 1975 das Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M), seit 1988 stehen die Höchstleistungsrechner des Deutschen Klimarechenzentrums hier. Beide Institutionen sind genauso am Cluster beteiligt wie die Küstenforscher vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Bereits 2007 war der Clustervorläufer „Integrated Climate System Analysis and Prediction (CliSAP)“ das erste Hamburger Projekt, das bei der Exzellenzinitiative gefördert wurde; 2012 verlängerte die DFG die Förderung.

In der aktuellen Förderperiode soll die Öffentlichkeit noch intensiver vom Stand der Klimaforschung erfahren: So wollen die etwa 230 beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Ergebnisse und Prognosen jährlich im „Hamburg Climate Futures Outlook“ veröffentlichen. „Basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen“, so Stammer, „werden wir die tatsächlichen Entwicklungen in Bezug auf die Pariser Ziele jährlich neu bewerten.“