Forschungsfahrt mit der "Sonne"

Heimkehr von einer abenteuerlichen Winter-Expedition

19. Februar 2021

Trotz der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen konnte die DFG-geförderte Tiefseeexpedition "IceDivA" mit dem Forschungsschiff "Sonne" im Januar starten. Nach gut vier Wochen sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit dem 7. Februar zurück – mit ganz besonderen Eindrücken und vielversprechenden Proben, wie Fahrtleiterin Dr. Saskia Brix berichtet.

Fahrtleiterin Dr. Saskia Brix. Im Hintergrund: Forschungsschiff "Sonne"

Diese Expedition war eine der wenigen Forschungsfahrten, die in diesem Winter möglich waren. Die ursprünglich mit der "Meteor" geplante Fahrt zwischen Island und den Azoren wurde kurzfristig auf die wesentlich größere "Sonne" umdisponiert, um den 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und der Crew unter den Pandemiebedingungen ausreichend Platz zu bieten. "Unsere Expedition war der flexiblen Planung von DFG, BMBF, Gutachterpanel Deutsche Forschungsschiffe, dem Projektträger Jülich, der Leitstelle sowie der Reederei Briese geschuldet – und wir sind dankbar für diese Flexibilität", sagt Dr. Saskia Brix vom Fahrtleitungsteam zusammen mit Dr. James Taylor Senckenberg am Meer.

Alle Mitreisenden hatten sich mit Quarantäne und Tests gesundheitlich auf die Fahrt vorbereitet – was ihnen nach 10 Tagen auf dem Schiff ungewohnte Freiheiten zurückgab, so Saskia Brix: "Auf dem Schiff auf dem Ozean in einer 'coronafreien Blase' unterwegs zu sein und nach der Quarantänezeit ein normales Sozialleben wieder zu erleben, haben alle als Balsam für die Seele empfunden." Umso schwieriger sei es, sich nun nach der Rückkehr wieder an "AHA" und die Lockdown-Bedingungen zu gewöhnen, die insbesondere an den Universitäten und Einschränkungen in der Labornutzung zu spüren seien.

Eine "kreative, spontane und multiflexibele" Route

Besonders seien an dieser Reise auch die Wetterbedingungen gewesen, berichtet Saskia Brix, die sechs Monate zuvor noch im Sommer mit der "Sonne" auf Forschungsfahrt unterwegs war: "Eine Winterreise im Atlantik ist für uns ungewöhnlich. Dieses 'Wetterschach' mit Kapitän Lutz Mallon hat Eindruck hinterlassen." Dabei habe auch der Deutsche Wetterdienst permanent geholfen und ihnen den Weg aufgezeigt. "Wir mussten immer wieder von der beantragten Planung abweichen und wetterbedingt Stationen weiter nach Süden verlegen, um arbeiten zu können. 'Kreativ, spontan und multiflexibel' wurde zum IceDivA-Motto."

Bei der Expedition mit dem langen Namen "Icelandic marine Animals meets Diversity along latitudinal gradients in the deep sea of the Atlantic Ocean" (kurz: IceDivA) haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Ökosystem Tiefsee weiter erforscht. Der Plan war die Kartierung des Meeresbodens mittels Hydroakustik sowie in bis zu 5.000 Metern Tiefe Proben zu entnehmen. Das hat trotz aller Schwierigkeiten geklappt, sagt Dr. Brix: "Die Proben sind ein echter Glücksfall. Wir sind sehr froh darüber, so viele Proben nach Hause bringen zu können." Bereits an Bord seien erste Analysen vorgenommen worden. "Ungewöhnlich für die Tiefsee ist auch der Fund von bestimmten Arten an allen vier tiefen Stationen in größeren Individuenzahlen." Auch neue Arten habe man bereits identifizieren können.

Vielversprechende Proben für mehrere Forschungsprojekte

Die gesammelten Proben werden in den kommenden 24 Monaten an den beteiligten Instituten sortiert – und erste Ergebnisse im Zusammenhang mit Masterarbeiten von Studierenden der Universitäten Oldenburg und Hamburg noch im kommenden Halbjahr entstehen. Dazu gehören die Themen eDNA in der Wassersäule, Plankton sowie die Auswertung der OFOS Bildaufnahmen (sog. Transekte) und die Analyse der Macrofauna. Ergänzende Proben für die Gruppe GEOMAR sollen eine gemeinsame Auswertung zu Plastik in der Tiefsee und der Fauna ermöglichen.

Für Dr. Saskia Brix und alle anderen endete mit der Ankunft in Emden am 7. Februar das Abenteuer Expedition. Und zwar direkt im Abenteuer Probentransport und Heimreise an Land: Sie landeten mitten im deutschen Schneesturm! Dennoch sind alle Beteiligten nebst Proben gut angekommen. Ein "Nachklang" oder auch "Nachschaukeln" sei aber auch eine Woche danach noch zu spüren gewesen.

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Weitere Informationen

IceDivA baut auf mehreren Vorgängerprojekten auf. Insgesamt vereint und bedient die Expedition diverse Forschungsinteressen und soll die Verbindung zwischen den vorherigen Tiefseeprojekten IceAGE (Icelandic marine Animals: Genetics and Ecology) und DIVA (Latitudinal Gradients in BioDIVersity in the deep Atlantic) sowie dem EU-Projekt iAtlantic herstellen.