Tiefseeforschung

Forschungsschiff SONNE startet zu DFG-finanzierter Expedition

Von den derzeitigen Pandemiebedingungen sind laufende und geplante Forschungsprojekte ganz unterschiedlich betroffen – auch die Meeresforschung. Zahlreiche Expeditionen mussten vorerst abgesagt werden. Die DFG-geförderte Tiefseeexpedition "IceDivA" kann nun mit dem Forschungsschiff SONNE starten.

Am 8. Januar sticht das Forschungsschiff SONNE für eine neue Expedition in See: 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen zwischen Island und den Azoren die Vielfalt der marinen Lebewesen in der Tiefsee erforschen. Ursprünglich wurde die DFG-geförderte Atlantikfahrt im Rahmen einer pandemiebedingten Sonderausschreibung für das Forschungsschiff METEOR beantragt.

Die Einschränkungen der Pandemie erschweren jedoch weiterhin die Planung und Umsetzung von Forschungsfahrten und erfordern viel Flexibilität und Improvisationstalent. In diesem Sinne haben alle beteiligten Akteure – Forschende wie auch Institute und Förderpartner – nach alternativen Lösungen gesucht, wie seegehende Meeresforschung unter den aktuellen Bedingungen fortgeführt und möglichst viele Expeditionen realisiert werden können. Auch deshalb wird die Expedition IceDivA nun auf der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten und wesentlich größeren SONNE ausgeführt, die unter normalen Bedingungen sonst im Indischen und Pazifischen Ozean eingesetzt würde. Die SONNE ist für die Tiefseeforschung bestens gerüstet: Sie zählt zu den weltweit modernsten Forschungsschiffen und bietet grundsätzlich Platz für 40 Forscherinnen und Forscher plus Besatzung. In der Vorbereitung hat sich die gesamte Crew in Quarantäne begeben und an einem "Testcamp" teilgenommen.

Verbindung und Fortführung bestehender Tiefseeprojekte

Bisher ist das Ökosystem Tiefsee wenig erforscht. IceDivA soll dazu beitragen, den Lebensraum Tiefsee zu verstehen, um ihn schließlich besser schützen zu können. Während der fünfwöchigen Forschungsreise bis zum 7. Februar werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Kartierung des Meeresbodens vom Islandbecken bis zu den Azoren mittels Hydroakustik vornehmen, sowie in bis zu 5.000 Metern Tiefe Proben entnehmen, um Lebensräume und die Verbreitung von Arten in der Tiefsee zu untersuchen. Darüber hinaus sollen so genannte ARGO Floats ausgebracht werden, die autonom ozeanographische, chemische und biologische Messungen in verschiedenen Wassertiefen durchführen.

IceDivA baut dabei auf mehrere Vorgängerprojekte auf. Insgesamt vereint und bedient die Expedition diverse Forschungsinteressen und soll die Verbindung zwischen den vorherigen Tiefseeprojekten IceAGE (Icelandic marine Animals: Genetics and Ecology) und DIVA (Latitudinal Gradients in BioDIVersity in the deep Atlantic) sowie dem EU-Projekt iAtlantic herstellen.

Die von der Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe koordinierte SONNE steht der Forschung rund 340 Tage im Jahr zur Verfügung. Zweimal im Jahr können über das Portal deutsche Forschungsschiffe wissenschaftliche Fahrtvorschläge eingereicht werden. Diese Forschungsfahrt wird unter der Leitung von "Senckenberg am Meer" (Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung) durchgeführt. Weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen von der Bundesanstalt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), vom British Antarctic Survey, GEOMAR sowie den Universitäten Hamburg und Oldenburg.