Daten der Natur, Natur der Daten

Was User tracken

21. September 2020 Raumbezogene Daten

Auch das Schwerpunktprogramm „VGI: Interpretation, Visualisierung und Social Computing“, das 2019
mit 15 Teilprojekten in die zweite Förderperiode gestartet ist, thematisiert Umweltveränderungen. Volunteered Geographic Information (VGI) bezeichnet das Phänomen, das Smartphones oder Laptops mit Lokalisierungsfunktion heutzutage massenweise Geodaten erzeugen, die auch die Wissenschaft nutzen kann. 

2019 ging das Schwerpunktprogramm „VGI: Interpretation, Visualisierung und Social Computing“ in die zweite Förderperiode. Ein Teilprojekt soll neue Methoden entwickeln, um die riesigen Datenmengen von Tierbeobachtungsplattformen mit der International

„Insbesondere durch die Verbreitung von sozialen Netzwerken, Web-2.0-Plattformen und  kostengünstigen Sensortechnologien hat sich in den vergangenen Jahren die Verfügbarkeit
von raumbezogenen Daten rasant entwickelt“, erklärt Sprecher Dirk Burghardt von der Technischen
Universität Dresden. Diese Daten bieten vielfältige Anwendungsmöglichkeiten sowohl für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen in den Bereichen Umwelt, Gesundheit  der Verkehr als auch für die Entwicklung kommerzieller Produkte und Dienstleistungen. Aber: Wie lässt sich aus der Datenflut
überhaupt ein Mehrwert gewinnen? Und: Welche Softwaretools werden hierfür benötigt? Hilfestellung gibt laut Burghardt das Schwerpunktprogramm: „Wir entwickeln sozusagen die Methoden, damit Anwender Ordnung in ihre Datenvielfalt bringen, um sie beispielsweise für die Verkehrsplanung,
Tierbeobachtung oder für die Landschaftsplanung auszuwerten.“

Ein Beispiel: Auf Plattformen wie Flickr laden Nutzer Fotos hoch, beschreiben sie und versehen sie mit Tags. Diese Informationen charakterisieren zugleich den Ort, der auf dem Bild zu sehen ist. „Wenn wir auswerten, wie Leute bestimmte Orte beschreiben, gewinnen wir daraus also auch Informationen darüber, wie sie ihn wahrnehmen“, erläutert Burghardt. Derart subjektive Wert- und
Bedeutungszuschreibungen lassen sich in Grafiken visualisieren, um Gemeinsamkeiten der Wahrnehmung vieler Menschen kartografisch auszuwerten. Die Ergebnisse können wiederum
Stadt- und Landschaftsplanern als zusätzliche informative Basis für Planungsentscheidungen
nutzen.

In der zweiten Förderperiode verschieben die Forscherinnen und Forscher nun ihren Schwerpunkt in Richtung Anwendung. So soll ein Teilprojekt neue Methoden entwickeln, um die riesigen Datenmengen von Tierbeobachtungsplattformen mit der International Cooperation for
Animal Research Using Space (ICARUS) zu kombinieren. Derzeit gibt es kein System, das diese massiven, heterogenen Datenquellen automatisch integriert und analysiert – und dabei gleichzeitig die notwendigen Unsicherheits- und Vertrauensaspekte berücksichtigt. Ziel ist es, mithilfe der
usergenerierten VGI und den hochgenauen Tracking-Daten aus ICARUS die Verhaltens- und Bewegungseigenschaften von Tieren zu erforschen,  am am Ende mehr zu erfahren über Tierwanderung oder Artensterben – aber auch über die Ausbreitung von Krankheiten oder den Klimawandel.