Die Vielfalt des Lebens

Durchbrüche beim Verständnis unseres Immunsystems

22. August 2019 "ImmunoSensation2" will an Erfolg des ersten Exzellenzclusters anknüpfen

Erfolge kann auch der Exzellencluster "ImmunoSensation" der Universität Bonn und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) verbuchen. Daran will das 2018 bewilligte Folgeprojekt "ImmunoSensation2 - das immunsensorische System" um die Sprecher Gunther  Hartmann, Eicke Latz und Joachim Schultze nun anknüpfen.

Forscherinnen und Forscher des Bonner Exzellenzclusters

„Ein besseres Verständnis der Funktionsweise des Immunsystems eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für neue Therapieformen“, sagt der Mediziner und Leibniz-Preisträger Gunther Hartmann, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie am Universitätsklinikum Bonn. Wir befinden uns mitten in einer unglaublich dynamischen Entwicklung mit fast täglich neuen Entdeckungen.“

Und so haben die Forscherinnen und Forscher in den vergangenen sieben Jahren bereits mehrere entscheidende Durchbrüche auf molekularer Ebene bis hin in die klinische Anwendung erzielt: Es ist ihnen gelungen, zwei völlig neuartige Wirkstoffe zu entwickeln, die derzeit in internationalen klinischen Studien zur Krebstherapie eingesetzt werden. Damit verbunden sind die Ausgründungen zweier Biotech-Start-ups aus dem Cluster. Entdeckt wurden unter anderem auch neue Liganden für Immunrezeptoren und neue Mechanismen der Informationsübertragung, die zu einem Paradigmenwechsel im Verständnis der Signalweitergabe zwischen Immunzellen und anderen somatischen Zellen geführt haben.

„Für große internationale Aufmerksamkeit sorgte zudem die Erkenntnis, dass der Molekülkomplex Inflammasom, der im Immunsystem eine bedeutende Rolle spielt, an der Entstehung vieler entzündlicher Erkrankungen, die in Verbindungen mit Volkskrankheiten wie Alzheimer oder Atherosklerose stehen, ursächlich beteiligt ist“, erläutert der Mediziner und Leibniz-Preisträger Eicke Latz, Direktor des Instituts für Angeborene Immunität am Universitätsklinikum Bonn. Darüber hinaus haben die Immunologinnen und Immunologen die Rolle der sogenannten Fresszellen neu definiert. „Die Makrophagen reagieren viel diffiziler als bisher angenommen“, erklärt Joachim Schultze, Professor für Genomics und Immunoregulation am LIMES Institut. „Unter diesem Blickwinkel lassen sich bestimmte Krankheitsbilder völlig neu betrachten.“

Die Entdeckungen und Zusammenhänge verdeutlichen, dass das Immunsystem weit mehr ist als ein reines Abwehrsystem, das Krankheitserreger bekämpft. „Wir begreifen das Immunsystem als ein Sinnesorgan, das nicht nur auf Immunzellen begrenzt ist, sondern etwa auch mit dem Nervensystem und dem Stoffwechsel vielfältig verknüpft ist“, so Hartmann. Der Cluster habe wesentlich dazu beigetragen, dass auch die internationale Fachwelt die Immunerkennung inzwischen vielfach als „immune sensing“ bezeichne.