Die Vielfalt des Lebens

Individualisierte Entzündungsforschung

22. August 2019 Ganzheitlicher Ansatz bei chonisch entzündlichen Erkrankungen

Ebenfalls eine neue Bewilligung im Rahmen der Exzellenzstrategie erhielt der Kieler Exzellenzcluster zur Entzündungsforschung „Precision Medicine in Chronic Inflammation (PMI)“, dessen Vorläufer bereits in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wurde. Im Fokus: chronisch entzündliche Erkrankungen von Barriereorganen.

Stärkt forschende Ärztinnen und Ärzte und ebnet den Weg für Innovationen am Krankenbett: der Exzellenzcluster

Den Schritt von der Grundlagenforschung in Richtung klinischer Anwendung will auch der Kieler Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation (PMI)“ jetzt gehen, dessen Vorläufer bereits in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wurde und der 2018 im Rahmen der Exzellenzstrategie bewilligt wurde. „PMI ist nicht etwa eine Fortsetzung, sondern eine Neuausrichtung, die auf den Erkenntnissen der vorangegangenen Förderperioden aufbaut“, betont Clustersprecher Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Im Fokus stehen chronisch entzündliche Erkrankungen von Barriereorganen. Dazu gehören Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Hauterkrankungen wie Schuppenflechte und Neurodermitis, rheumatische Erkrankungen, Lungenerkrankungen wie Asthma sowie Erkrankungen des Gehirns wie Morbus Parkinson.

Den rund 300 beteiligten Forscherinnen und Forschern unterschiedlicher Disziplinen ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die Ursachen dieser chronisch entzündlichen Erkrankungen weitreichend aufzudecken. Sie haben einen ganzheitlichen Ansatz etabliert, bei dem nicht mehr das einzelne Organ als Ursache der Krankheiten im Mittelpunkt steht, sondern der Entzündungsprozess. „Nun ist es an der Zeit, die Erkenntnisse der ersten beiden Förderphasen mithilfe von Studien in die klinische Routine zu übertragen, damit die Patientinnen und Patienten profitieren“, sagt Schreiber. Denn die Behandlung habe zwar deutliche Fortschritte gemacht, sei aber noch lange nicht optimal. „So dauert es immer noch viel zu lang, bis nach dem Auftreten der ersten Symptome eine Diagnose gestellt wird und eine geeignete Behandlung beginnt.“

Manche Krankheitsprozesse verlaufen über Jahre hinweg. „Wir gehen davon aus, dass es eindeutige molekulare oder mikromorphologische Veränderungen gibt, die wir finden müssen, um früher und schonender eingreifen zu können“, erläutert Schreiber. Die Medizin sei „nicht in der Lage, den  Krankheitsverlauf vorherzusagen oder zu prognostizieren, ob Komplikationen oder  Krebserkrankungen zu erwarten sind“, so Schreiber weiter.

„Diese Information wäre aber für die Therapieentscheidung wichtig.“ Die Idee des neuen Clusters ist, aufbauend auf einem individuellen Krankheitsprofil Therapieoptionen sehr präzise auszuwählen, die wirksam und sicher sind. Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld und Teil des neuen Forschungskonzepts ist laut Schreiber die Analyse bedeutsamer Umwelteinflüsse: „Hier liegt möglicherweise ein wichtiger Schlüssel zur Prophylaxe.“ Um die Nachhaltigkeit der klinischen Entzündungsforschung am Standort zu erreichen, wurde ein strukturiertes Clinician Scientist-Programm in den Cluster eingebettet. „Deutschlandweit fehlen Klinische Forscherinnen und Forscher, sie sind die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung“, sagt Schreiber. Das Programm unterstützt deshalb forschende Ärztinnen und Ärzte in unterschiedlichen Ausbildungsphasen während und nach der Facharztausbildung und verschafft ihnen geschützte Zeit für die Forschung – und zwar nicht erst nach Feierabend.