Die Vielfalt des Lebens

Über Ursachen altersbedingter Erkrankungen

22. August 2019 Gesünder altern

Steigende Krebsraten gehören auch zu den Herausforderungen des demografischen Wandels: Immer mehr Menschen werden immer älter – bleiben dabei aber nicht unbedingt gesund. Forscherinnen und Forscher von "CECAD" suchen nach gemeinsamen Ursachen der altersassoziierten Erkrankungen.

Die Alterungsprozesse auf molekularer Ebene in der Zelle haben Forscherinnen und Forscher in den bisherigen zwei "CECAD"-Förderperioden erforscht. Nun konzentrieren sie sich auf die Interaktion zwischen Organen.

Mit dem Alter verbunden sind Krankheiten wie Diabetes, Herzinfarkt, Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Nierenversagen, Demenz – oder eben Krebs. „Indem wir den Alterungsprozess auf molekularer Ebene verstehen, können wir nachvollziehen, wie diese altersassoziierten Krankheiten entstehen und potenzielle Ansatzpunkte für Therapien finden“, erklärt Carien Niessen als Sprecherin des Kölner Exzellenzclusters „Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases (CECAD)“, dessen dritte Förderperiode 2018 bewilligt wurde.

Lange Zeit betrachteten die wissenschaftlichen Disziplinen die Krankheiten separat: Die Onkologin kümmerte sich um die Krebspatienten, der Neurologe befasste sich mit Demenzen und die Kardiologin behandelte die Herzpatienten. „CECAD“ hingegen sucht nach gemeinsamen Ursachen der altersassoziierten Erkrankungen. „Die Perspektive ist, zentrale Mechanismen der Alternsprozesse zu finden, an denen wir angreifen können“, so Niessen. Es gehe in erster Linie also nicht darum, das Altwerden an sich hinauszuzögern, sondern gesund alt zu werden.

Seit 2007 im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern erstmals von der DFG gefördert, ist in „CECAD“ der Schulterschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Medizin und Biologie gelungen – sowohl thematisch als auch räumlich: 2013 wurde das gemeinsame CECADForschungszentrum eingeweiht. Die rund 440 Beteiligten aus der Universität zu Köln, den Max-Planck-Instituten für Stoffwechselforschung und für Biologie des Alters sowie dem Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben über die Jahre einen Leuchtturm in der Alternsforschung etabliert, der inzwischen weltweit wahrgenommen wird.

„Während wir bisher die Alterungsprozesse auf molekularer Ebene in der Zelle erforscht und ein grundlegendes Verständnis gewonnen haben, wollen wir nun vermehrt die Interaktion zwischen Organen untersuchen“, erklärt Biologin Niessen die weiteren Schritte, „wie kommunizieren Leber und Gehirn oder Herz und Muskeln miteinander?“ So gelang es beispielsweise schon, in Mäusen einen direkten Zusammenhang zwischen der Nahrungsaufnahme, einem für Fettleibigkeit verantwortlichen Gen und dem Belohnungssystem im Gehirn herzustellen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei offenbar der Botenstoff Dopamin. Das „Glückshormon“ wird ausgeschüttet, wenn jemand einen Belohnungsreiz erhält. „Aber auch das Verlangen nach Nahrung oder die unmittelbare Aussicht auf eine Belohnung reichen aus, um die Ausschüttung anzukurbeln“, sagt Niessen. Sind die Belohnungssignale jedoch mit Blick auf das Gleichgewicht zwischen Energieverbrauch und Nahrungsaufnahme falsch eingestellt, kann dies zu Übergewicht führen.

Um klären zu können, ob sich Fettleibigkeit durch die Kontrolle der Dopamin-Freisetzung beeinflussen lässt, bedarf es noch weiterer Grundlagenforschung. „Die dritte Förderperiode bietet uns die große Chance, den Schritt von der Grundlagenforschung in Richtung klinischer Anwendung zu gehen“, resümiert Niessen.