Forschende Fachärzte

Klinische und wissenschaftliche Exzellenz miteinander verbinden

Nachwuchsförderung

Um dem drohenden Nachwuchsmangel bei forschenden Ärztinnen und Ärzten entgegenzuwirken, hat die DFG erstmals Clinician Scientist-Programme ausgeschrieben. Sie sollen klinische und wissenschaftliche Erfordernisse in Einklang bringen und die jeweiligen Exzellenzen miteinander verbinden.

Wie lassen sich wissenschaftliche und klinische Erfordernisse stärker in Einklang bringen? Unverzichtbar ist ein klares Berufsbild, weil es jungen Medizinerinnen und Medizinern mehr Planbarkeit und Verbindlichkeit im klinischen Alltag ermöglicht. An 13 Medizinischen Fakultäten fördert die DFG bereits Clinician Scientist-Programme. Die wissenschaftliche Qualifizierung parallel zur Facharztweiterbildung gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern neue Impulse.

Weitere Informationen zu den Programmen:

Auf verlässlichen Karrierewegen zu mehr forschenden Fachärzten

Die Externer LinkSenatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung (SGKF) hat ein Konzept für ein Clinician Scientist-Programm erarbeitet, das es Ärztinnen und Ärzten in der fachärztlichen Weiterbildung ermöglichen soll, parallel zu ihren klinischen Aufgaben einer qualitativ hochwertigen wissenschaftlichen Tätigkeit nachzugehen. Die Empfehlungen wurden unter dem Titel "Etablierung eines integrierten Forschungs- und Weiterbildungsprogramms für Clinician Scientists parallel zur Facharztausbildung" (Externer LinkPDF) veröffentlicht.

Der Hintergrund: Die Frage nach der zeitlichen Vereinbarkeit einer wissenschaftlichen Tätigkeit mit der Facharztweiterbildung ist nicht neu. Aber sie kann nicht nur individuell oder klinikbezogen, sondern muss strukturell mit Blick auf die klinische Forschung beantwortet werden. Dafür ist ein klares Berufsbild erforderlich. Deshalb plädiert die Senatskommission für verbindliche Regelungen, um sichtbare, verlässliche und auch attraktive Karrierewege für Clinician Scientists zu schaffen.

Die wissenschaftlichen Fragen der Clinician Scientists ergeben sich häufig direkt aus ihrem klinischen Alltag. Somit haben die Forschungsergebnisse das Potenzial, die klinische Versorgung zu verbessern und zum medizinischen Fortschritt beizutragen. Kernelement jedes Clinician Scientist-Programms, das auf drei Jahre ausgelegt ist, ist dann ein eigenes, fokussiertes Forschungsprojekt. Dabei spielen auch klinische und wissenschaftliche Mentoren eine wichtige Rolle. Darüber hinaus wird ein begleitendes Curriculum empfohlen, um klinische und wissenschaftliche Qualifikationen zu vermitteln.

Diese Empfehlungen hat die DFG durch eine Ausschreibung umgesetzt. So wurden die Medizinischen Fakultäten aufgefordert, standortbezogene Konzepte zum Auf- oder Ausbau von Clinician Scientist-Programmen vorzulegen. Inzwischen werden 13 Programme für die erste Förderperiode mit 27 Millionen Euro gefördert. Insgesamt werden damit fast 300 Stellen für Clinician Scientists geschaffen. So sollen die Karrierewege für Clinician Scientists verbessert und der Forschung an den Universitätskliniken nachhaltige Entwicklungsimpulse gegeben werden.

Exzellenz in der Medizin fördern - drei Beispiele

Die Universitätsmedizin Essen mit der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen baut auf ihre etablierten Forschungsschwerpunkte auf. Das sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Onkologie, Transplantation und Immunologie sowie Infektiologie und Translationale Neuro- und Verhaltenswissenschaften. Unter dem Titel "Externer LinkExzellenz in der Medizin fördern: University Medicine Essen Clinician Scientist Academy (UMEA)" sollen Schwerpunktfelder zusammengeführt und durch drei translational ausgerichtete Exzellenzbereiche profiliert und sichtbar gemacht werden: "Herz-Hirn", "Onko-Immun" und "Transplant-Immun/Infekt".

Das zunächst drei Jahre lang geförderte Vorhaben verspricht Ärztinnen und Ärzten "geschützte Freiräume für Wissenschaft, frühe finanzielle Förderung für wissenschaftliche Unabhängigkeit, eine strukturierte, interdisziplinär ausgerichtete klinische Qualifikation sowie ein dezidiertes wissenschaftliches Qualifizierungs- und Mentoring-Konzept".

Auf diesem Wege soll innovativer medizinischer Forschung in Verbindung mit strukturierter klinischer Ausbildung ein neuer Stellenwert gegeben werden. „Erklärtes Ziel ist es, mit der UMEA die klinische und wissenschaftliche Exzellenz unserer Medizinischen Fakultät in ihrer Gesamtheit  weiterzuentwickeln“, unterstreicht die Essener Endokrinologin und Programmsprecherin Prof. Dr. Dagmar Führer-Sakel, „in der Verantwortung, dass die künftige akademische Medizin in Deutschland durch den wissenschaftlichen Nachwuchs von heute bestimmt wird.“

Zukunft für eine datengestützte Medizin

Die DFG fördert das von der Berliner Universitätsmedizin und dem Berlin Institute of Health (BIH) getragene Programm "Externer LinkCharité Digital Scientists für eine datengesteuerte Medizin der Zukunft". Das zunächst drei Jahre lang und mit über 3 Millionen Euro unterstützte Vorhaben fußt auf dem 2011 ins Leben gerufenen „Clinician Scientist Pilot Programme“ in Berlin. Es gilt unter Fachleuten als „Best-practise-Modell“ für die Verbindung einer strukturierten Facharztausbildung mit klinischer und grundlagenorientierter medizinischer Forschung.Angesichts des rasanten digitalen und technologischen Wandels werden Medizinerinnen und Mediziner mit Forschungsprojekten unterstützt, die komplexe computergestützte Methoden und Ansätze einsetzen wie zum Beispiel Big Data Management, Verfahren der Bioinformatik, der quantitativen Bildanalyse oder auch der künstlichen Intelligenz. Längerfristig geht es nicht nur darum, Erfahrungswerte zu sammeln, sondern Standards für zeitgemäße Karrierewege eines „Digital Clinician Scientist“ zu gewinnen.

Damit sollen forschungsorientierte Kliniker auf neue technologische Anforderungen und Herausforderungen vorbereitet werden. „Die Digital Clinician Scientists werden in diversen klinischen Disziplinen zu neuen zukunftsweisenden Technologien forschen“, unterstreicht Prof. Dr. Duska Dragun von der Charité, „das reicht von digitalisierten Bildgebungsverfahren über personalisierte Therapien für Krebsbehandlungen bis hin zur virtuellen Chirurgie – also beispielsweise dem Einsatz von Robotern bei Operationen.“ Die Nephrologin und Intensivmedizinerin ist Sprecherin des neuen Programms.

Fokus: Evolutionäre Medizin

Die Evolutionsbiologie wird zunehmend als Grundlagenwissenschaft für die Medizin gesehen. An dieser Schnittstelle setzt das Programm "Externer LinkClinician Scientists in Evolutionary Medicine" (CSEM) an der Medizinischen Fakultät der Universität Kiel thematisch an und verspricht neue Wege für  forschungsorientierte Medizinerinnen und Mediziner während der Facharztausbildung.

Das CSEM-Programm bietet über Tandems von klinischen und naturwissenschaftlichen Mentoren jeweils ein Schwerpunktthema der Evolutionären Medizin für „Trainees“ an. Das Themenspektrum  reicht nach eigenen Angaben von den Wechselwirkungen zwischen Wirt-Mikroorganismus über die Ökologie und Evolution beim Darmmikrobiom bis zur Evolution von Antibiotika- und Therapieresistenz. Das Themenspektrum verbindet die Anwendung von evolutionsbiologischen Prinzipien auf Fragen von Gesundheit und Krankheit.

Über diesen fachlichen Blickwinkel hinaus ist es das übergreifende Ziel, „jungen Ärztinnen und Ärzten ein fundiertes, attraktives Ausbildungsprogramm anzubieten, sie für die Dauer ihrer Facharztausbildung einzustellen und ihnen die dringend benötigte Erfahrung und Kompetenz für eine Karriere in der klinischen Forschung zu vermitteln“. Einem „CSEM-Trainee“ wird für die Dauer des Programms eine vertraglich garantierte Forschungszeit von 50 Prozent der Arbeitszeit eingeräumt. Prof. Dr. John F. Baines, Professor für evolutionäre Genomik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Sprecher des Programms erwartet: „Nach Abschluss des Programms haben die teilnehmenden die notwendigen Fähigkeiten für eine universitäre Führungsfunktion erworben, die sich durch vielfältige Aufgaben in Forschung, Lehre und Krankenversorgung auszeichnet."

Magazin

Das ungekürzte ausführliche Interview können Sie in der Ausgabe des Magazins "forschung" 4/2019 lesen. Interner LinkZum Magazin