Forschung mit und in Afrika

Hepatitis B - Die verkannte Seuche

24. November 2011 Krankheiten im Fokus

Die großen Infektionskrankheiten Aids, Tuberkulose und Malaria stehen im Mittelpunkt des Interesses. Weniger medial und öffentlich beachtete Krankheiten stehen auch weniger im Interesse der Forschenden – oft zu Unrecht. Denn auch sie können große Seuchen auslösen.

Das Hepatitis B-Virus

Eines der wichtigsten Beispiele ist Hepatitis B. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung hat sich irgendwann in ihrem Leben mit der Krankheit infiziert. Damit gehört das Hepatitis-B-Virus (HBV) zu den global am weitesten verbreiteten Erregern. Oft verläuft die Infektion milde oder bleibt unbemerkt, doch sie kann auch eine Leberentzündung mit der charakteristischen Gelbsucht oder sogar ein tödliches Leberversagen zur Folge haben.Besonders tückisch ist es, wenn sich das Virus als chronische Infektion dauerhaft im Lebergewebe einnistet, was gerade bei Neugeborenen oder Kleinkindern nicht selten passiert. Daraus können Jahrzehnte später Zirrhosen und Leberkrebs entstehen. Rund 370 Millionen Menschen weltweit – zehnmal so viele, wie es HIV-Infizierte gibt – leben derzeit nach Schätzungen mit einer chronischen HBV-Infektion. Jährlich sterben etwa 600 000 von ihnen an den Spätfolgen.

Aber auch nach einer scheinbaren Ausheilung muss die Krankheit nicht vorbei sein. Erst kürzlich fanden Forschende heraus, dass Hepatitis-B-Viren über Jahre unerkannt in den Leberzellen bleiben können. Dort vermehren sie sich sogar. Seit einigen Jahren arbeitet eine Gruppe an der Justus-Liebig-Universität mit DFG-Förderung intensiv daran, solche Hepatitis-B-Verläufe genauer zu verstehen.

Die Annahme: Das Virus vermehrt sich auf niedrigem Niveau in der Leber weiter – vom Immunsystem unter Kontrolle gehalten. Doch mit der Zeit entstehen besonders aggressive und gegen Angriffe des Immunsystems widerstandsfähigere Virusmutanten. Diese kommen zum Zuge, wenn der Körper anderweitig geschwächt wird, beispielsweise durch eine Chemotherapie oder eine HIV-Infektion. Eine reaktivierte Hepatitis mit schwersten Komplikationen bis hin zum Leberversagen ist mitunter die Folge. Hierzulande ist dieser Verlauf der Krankheit vergleichsweise selten. Dagegen hat das Phänomen in weiten Teilen Afrikas – wo zwei Drittel der weltweit mit HIV infizierten Menschen leben – enorme Brisanz.

Um die Gefahr durch solche HBV-Mutanten besser abschätzen zu können, haben die Gießener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine internationale Pilotstudie zusammen mit Forschenden in Sudan und Südafrika ins Leben gerufen. Die Studie ist Teil der Afrika-Initiative der DFG, die insgesamt 25 afrikanisch-deutsche Kooperationsprojekte in der Infektionsforschung fördert. In der Studie geht es unter anderem um verbesserte Impfstoffe, die eine gezielte Schutzwirkung gegen neu auftauchende HBV-Mutanten gewährleisten.

Doch die Impfstoffhersteller zeigen wenig Interesse an verbesserten und damit auch aufwendigeren Vakzinen. Einzig in Israel kommt ein moderner Impfstoff zum Einsatz. Diesen untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer Kooperationsstudie mit israelischen und palästinensischen Ärzten in Nordisrael und Jerusalem. Dabei vergleichen sie die Wirkung zweier Impfstoffe gegen chronische und okkulte Infektionen bei Neugeborenen, deren Mütter mit Hepatitis B infiziert sind. Wenn die Ergebnisse signifikante Unterschiede ans Licht bringen, hoffen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, den Grundstein für eine nachhaltige Bekämpfung der Seuche gefunden zu haben.