Die nachhaltige Gesellschaft

Als Detektivin unterwegs

3. Januar 2022 Klimagipfel und Kunst

Seit dem ersten Klimagipfel 1972 in Stockholm nutzen Künstlerinnen und Künstler vergleichbare politische Events, um sich mit dem Thema Umweltschutz auf unterschiedlichen Wegen auseinanderzusetzen. Die Bandbreite reicht von Skulpturen über Ausstellungen bis hin zu Workshops und Performances.

Angestrahltes Brandenburger Tor

Daran hat sich auch fast vier Jahrzehnte später nichts geändert. Während aber Klimagipfel als politisches Medienevent gut erforscht sind, gibt es kaum Untersuchungen dazu, welche Rolle Kunst mit Blick auf die internationalen Treffen von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Naturschutz, Ökonomie oder von NGOs spielt. Wer stellt überhaupt aus? Und welche Darstellungsformen nutzen die Künstlerinnen und Künstler? Wer fördert Kunstschaffende und warum?

Fragen, die die Kunsthistorikerin Linn Burchert von der Humboldt-Universität zu Berlin in ihrem seit 2020 von der DFG geförderten Vorhaben „Klimagipfelkunst. Kunst und politisches Event, 1972–2022“ beantworten will. Sie setzt sich mit der Positionierung von Kunst im urbanen Raum zu den jeweiligen Klimagipfeln auseinander. „Das ist zunächst eine ziemliche Detektivarbeit und große Herausforderung, weil es oft keine Ausstellungskataloge und überhaupt keine Archive dazu gibt“, erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunst- und Bildgeschichte. Stattdessen schreibt sie NGOs an oder versucht über Institutionen zu erfahren, was es für Kunstaktionen jeweils vor Ort gab.

Burchert interessiert, was wann von welchem Künstler realisiert worden ist – und welche Akteurinnen und Akteure hinter den Kunstaktionen stehen. Und wer sind die Sponsoren? Unternehmen, Stiftungen oder der Staat? „Das ist ein Aspekt, der in der Kunstgeschichte oft vernachlässigt wird“, erklärt die Forscherin. Dahinter steckt auch die Frage nach der Instrumentalisierung von Kunst: Welchen Einfluss nehmen die Förderinstitutionen auf die Inhalte der Kunst, die ausgestellt wird?

Linn Burcherts Vorhaben wird von der These getragen, dass Ausstellungen und künstlerische Projekte zum Thema Klimawandel im Kontext eines politischen Medienevents nicht als rein kunstinterne Entwicklungen zu betrachten sind. „Vielmehr tragen materielle und institutionelle Voraussetzungen, die die Verortung in nerhalb bestimmter kulturpolitischer Rahmen- und Förderprogramme, wesentlich zur Entstehung sowie spezifischen Ausgestaltung von Projekten bei.“ Burchert geht davon aus, dass die vorhandenen und potenziellen Infrastrukturen maßgeblich bestimmen, welche Kunst in welcher Form an die Öffentlichkeit tritt. Entstehen soll am Ende eine Monografie, die kunsthistorische Analysen mit kunstsoziologischen Fragen verbindet, sowie eine Chronik, die sämtliche Kunstereignisse aus 50 Jahren Klimagipfelkunst auflistet.

Weitere Informationen