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Kollaborative Persönlichkeitsforschung

6. Oktober 2020 Neurowissenschaftlicher Ansatz

Ob jemand glücklich, depressiv oder ängstlich ist, ist im aufstrebenden Feld der  neurowissenschaftlichen Persönlichkeitsforschung von großem Interesse – man nutzt dazu das Elektroenzephalogramm (EEG), das Rückschlüsse darüber zulässt, wie das Gehirn auf bestimmte Reize reagiert.

Die Zusammenhänge von gemessenen Hirnströmen und der Persönlichkeit sind immer noch eitgehend unklar. Grund genug für das 2019 bewilligte Projekt „Ein neuer kollaborativer Ansatz für die  neurowissenschaftliche EEG-Persönlichkeitsforschung“, der Sach

Die neurowissenschaftliche Persönlichkeitsforschung setzt auf diese Technik, um Verbindungen  zwischen individuellen Unterschieden im EEG und verschiedenen Persönlichkeitseigenschaften, wie etwa Ängstlichkeit oder Extraversion, aufzudecken.

„Dass die Zusammenhänge zwischen diesen gemessenen und ausgewerteten Hirnströmen und der  Persönlichkeit trotz jahrzehntelanger Forschung noch weitgehend unklar sind, ist auch der  unbefriedigenden Replizierbarkeit geschuldet, die derzeit den Erkenntnisgewinn in vielen Bereichen der Psychologie und Neurowissenschaften behindert“, erklärt Jan Wacker von der Universität  Hamburg. Zu kleine Datensätze, zu viel Raum für Interpretation bei der Datenanalyse, so lautet  Wackers Kritik. Der Experte für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik brachte schließlich den Stein ins Rollen für das von der DFG 2019 genehmigte Projekt „Ein neuer  kollaborativer Ansatz für die neurowissenschaftliche EEG-Persönlichkeitsforschung“, für das 720  Probanden untersucht werden sollen. Neun Partneruniversitäten sind beteiligt. Im Kern geht es um eine „collaborative forking path analysis (cFPA)“, die eine stabile Basis für die zukünftige EEG-Persönlichkeitsforschung schaffen soll. „Diese für eine Einzelförderung neuartige gemeinschaftliche Unternehmung wird uns erlauben, die Replizierbarkeit diverser bekannter EEG-Persönlichkeitsassoziationen zu prüfen“, ist Wacker überzeugt.

Gemeinsam entwickeln die Forscherinnen und Forscher einen wissenschaftlichen Erhebungsplan, der möglichst viele ihrer offenen Forschungsfragen adressiert und mit dem sie in einem zweiten Schritt  ihre Daten gezielt erheben können. „Bei 720 Probanden ergibt sich ein sehr viel größerer Datensatz, mit dem wir auch kleinere Effekte nachweisen önnen“, erklärt Wacker. Und auch die Auswertung für alle vorab formulierten Hypothesen erfolgt gemeinschaftlich. „Wir sind dann in der Lage, nicht nur zu berechnen, ob die gemeinsam gewählte Auswertung ein bestimmtes Ergebnis zeigt“, betont Wacker. „Wir können auch sagen, wie viele der denkbaren Rechenpfade zu demselben Resultat gekommen wären.“

Wacker geht davon aus, dass der neue Ansatz dabei helfen wird zu entscheiden, welche der seit  Jahren untersuchten Hypothesen die weitere Beforschung lohnen – und welche auf eher wackeliger empirischer Basis stehen. Der Psychologe ist sich sicher: Sofern sich die cFPA in dieser erstmaligen Anwendung auf ein methodisch relativ anspruchsvolles Forschungsgebiet bewährt, könnte sie als Blaupause zur spürbaren Verbesserung der empirischen Forschungspraxis in verschiedenen Bereichen dienen.

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