Afrika im Fokus

Wie man Aktivist wird

5. September 2018 Südafrika und Myanmar

Mit einem ganz anderen gesellschaftlichen Aspekt befassen sich Judith Beyer und Thomas G. Kirsch von der Universität Konstanz. In vier Fallstudien untersucht ihr 2017 bewilligtes DFG-Projekt „Wie man Aktivist wird. Eine Untersuchung zum Zusammenhang von Infrastruktur und Politik in Südafrika und Myanmar aus der Perspektive von Aktivisten" mit ethnografischer Forschungsmethodik die soziokulturellen Dynamiken in Südafrika und Myanmar: zwei Länder, die sich im Umbruch befinden.

Proteste gegen die Erhöhung der Strompreise in Yangon

Wir verstehen Aktivismus als eine experimentelle Form des Politischen, die quer zu etablierten Formen steht und in die eine strukturelle Unruhe eingebaut ist", erläutert Kirsch. „Dabei gibt es sowohl fortschrittlichen als auch reaktionären Aktivismus." Welche persönlichen, religiösen, politischen Komponenten beeinflussen dabei den biografischen Weg? „Wir wollen verstehen, wie Leute zu Aktivisten werden und wie sie selbst Aktivisten sehen", erklärt Beyer. „Denn man ist nicht Aktivist, man wird zum Aktivisten. Aktivisten haben Positionen in der Gesellschaft, die politisch heikel oder sozial umstritten sein können. Daher ist die Frage so wichtig."

Eine der Fallstudien von Beyer und Kirsch beschäftigt sich mit dem Soweto Electricity Crisis Committee (SECC) in Südafrika, das seit dem Ende der Apartheid versucht, die Armen mit Strom zu versorgen. Mit dem African National Congress (ANC) kam 1994 zwar eine Anti-Apartheid-Regierung an die Macht; gleichzeitig begann aber auch die Privatisierung der Elektrizitätsversorgung, die damit für viele unbezahlbar wurde. Bis heute setzen sich das SECC und andere aktivistische Gruppierungen für den Anschluss der sozial Schwachen an das Stromnetz ein – und damit für deren Partizipation an der Gesellschaft.

In Südafrika gibt es ein starkes Bewusstsein für die Bedeutung des Aktivismus, die gesellschaftliche Akzeptanz ist groß. In Myanmar ist die Situation eine andere: Aktivismus ist dort aufgrund der Geschichte des Landes, das der Forschung aus dem Westen erst seit 2008 offensteht, ein neues Phänomen.

Fünfzig Jahre lang war das Land eine Militärdiktatur, nun gibt es ein parlamentarisches System. Myanmar eignet sich daher besonders, um den Werdegang von Aktivistinnen und Aktivisten zu erforschen. Wie relevant das Thema gesellschaftspolitisch generell ist, zeigt sich an der Universität Konstanz: In der dortigen Ethnologie fördert die DFG neben dem Projekt von Beyer und Kirsch noch sechs weitere Aktivismus-Projekte.

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