Afrika im Fokus

Frühe Künstler

5. September 2018 Afrikanische Kultur

Projekte in den Geisteswissenschaften benötigen oft viel Zeit. Das gilt auch für das Langfristvorhaben des Archäologen Peter Breunig von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, dessen in vier Phasen gegliedertes Projekt „Development of Complex Societies in Sub-Saharan Africa: The Nigerian Nok Culture" 2017 nach neun Jahren in die letzte Runde ging. Und auch hier brachten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Erstaunliches zutage.

Ausgrabungen

Vor Beginn der Forschung nämlich wurde vermutet, dass die Nok-Kultur, die nach einem kleinen Dorf nordöstlich der Hauptstadt Abuja benannt und besonders für ihre kunstvollen, großen Terrakottafiguren mit Menschen- und Tierdarstellungen bekannt ist, von etwa 500 v. Chr. bis 200 n. Chr. existierte. Im Laufe des Projekts stellte sich aber heraus, dass die nigerianische Kultur bereits um 1500 v. Chr. entstanden ist und um die Zeitenwende ihr Ende fand. Die ersten Terrakottafiguren stammen vermutlich aus der Zeit um 900 v. Chr. Aber wozu dienten sie, zu welchem Zweck wurden sie hergestellt? Das waren die zentralen Fragen, denen sich die Forscherinnen und Forscher bisher widmeten.

Diese chronologische Einordnung der zum Teil im Rahmen des Projekts entdeckten Terrakottafiguren war Kern der ersten Projektphase. In der zweiten Phase ging es um die interne Systematisierung der 600 Fundstellen, die sich über ein Gebiet von immerhin 100 000 Quadratkilometern erstrecken. Die dritte Phase beschäftigte sich mit der sogenannten „interregional diversification". „Wenn eine kulturelle Entwicklung anderthalb Jahrtausende dauert, dann kann man sich vorstellen, dass es zu regionalen Unterschieden kommt", erläutert Breunig den Begriff. „Die Kulturentwicklung lief dementsprechend nicht überall auf die gleiche Weise ab. Dies haben wir untersucht."

Die Probleme waren vor Ort in Nigeria zahlreich. So wurde die wissenschaftliche Erforschung der auf dem illegalen internationalen Kunstmarkt heiß begehrten Terrakottafiguren immer wieder von Raubgrabungen erschwert, die deutlich wahrnehmbare Spuren an den Fundstellen hinterließen. Zum Ende der Feldforschung sahen sich die Forscherinnen und Forscher zudem mit einer stark veränderten Sicherheitslage konfrontiert, die ihre wissenschaftliche Arbeit erheblich erschwerte. „Die Feldforschung ist aber nun abgeschlossen", erklärt der Archäologe. „Wir haben die nächsten drei Jahre genug mit der Auswertung der gesammelten Daten und der Publikation der Ergebnisse zu tun."

Die gewonnenen Erkenntnisse sind offenbar wegweisend. „Die Terrakotten waren Bestandteil komplexer Bestattungsrituale, ohne Grabbeigaben gewesen zu sein", bilanziert Breunig. „Sie standen vielleicht noch eine Zeit lang bei den Gräbern, bis sie schließlich in speziellen Depots niedergelegt wurden." Außerdem haben die Forscher herausgefunden, wie die Menschen damals gelebt haben und wie sich die Landschaft um die Nok-Kultur im Laufe ihrer Existenz verwandelt hat.

Weitere Informationen