Afrika im Fokus

Ajami in Mali

5. September 2018 Afrikanische Sprachen

Die Kultur der Bozo hat eine lange Tradition. Überwiegend muslimisch geprägt, bewahrte sie eine Vielzahl ethnisch-religiöser und esoterischer Überlieferungen. „Bisher ging die Forschung davon aus, dass die Sprache der Bozo nicht verschriftlicht wurde", erläutert Dmitry Bondarev von der Universität Hamburg. „Wir haben aber bereits jetzt zahlreiche Texte der Bozo gefunden, die das widerlegen." In diesen Sprüchen geht es vor allem darum, sich vor Bösem – etwa gefährlichen Tieren wie Nilpferden – zu schützen.

Ein Manuskript aus der Mamma Haidara Bibliothek in Timbuktu (heute in Bamako lagernd).

Bondarev leitet das Projekt „Afrikanische Stimmen in islamischen Manuskripten aus Mali: Erschließung und Erforschung afrikanischer Sprachen in arabischer Schrift", das 2017 als DFG-Langfristvorhaben bewilligt wurde. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, die vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammenden Texte der Bozo, aber auch der Songhai, Fulfulde und vieler anderer Ethnien Malis zu katalogisieren. Kooperationspartner des Projekts kommen aus Frankreich, Mali, der Russischen Föderation, Südafrika und den USA. Außerdem ist die Universität Bamako mit vier Forschern an dem Projekt beteiligt.

Die in arabischer Schrift geschriebenen Texte der „Ajami" genannten afri­kanischen Sprachen wurden in der Afrikanistik bisher weitgehend vernachlässigt. „So ist nur unzureichend untersucht worden, welche Rolle die regionalen Sprachen in den islamischen Manuskripten spielten, die in den vielsprachigen und multiethnischen Gemeinschaften in Westafrika angefertigt wurden", erklärt Bondarev. Neben der Erforschung esoterischer Texte liegt sein Hauptziel darin, mehr über die Verteilung der islamischen Manuskripte in Mali zu lernen. Es geht um bilinguale Texte und solche, deren Verfasser sich einzelner Termini aus lokalen Sprachen bedienen. Von ihnen sind, wie Bondarev vermutet, in der Senegal-Mali-Region noch viele in bisher unerschlossenen Manuskripten verborgen.

Das Forschungsvorhaben ist das erste Projekt mit diesem Fokus und muss, seinem Gegenstand entsprechend, auch die Theorien zahlreicher anderer Fächer einbeziehen, die sich mit dem Islam und seiner Geschichte, der Sozialanthro­pologie und den Sprachen Afrikas befassen. Bei ihrer Arbeit stoßen die Forscher immer wieder auf Probleme. Sie sind in Mali mit einer schwierigen sicherheitspolitischen Lage konfrontiert, aber auch der Zugang zu den Manuskripten ist nicht einfach. Ein Großteil des untersuchten Korpus wurde 2012 aus der von Islamisten verwüste­ten Stadt Timbuktu nach Bamako gebracht und vor Ort nicht immer ideal konserviert oder organisiert gelagert, sodass das Material nicht leicht aufzufinden ist. Eine weitere logistische Schwierigkeit besteht darin, dass die geografischen Hauptstandorte des Vorhabens, Bama­ko und Hamburg, weit auseinanderliegen.

Trotzdem nimmt Dmitry Bondarev die Herausforderungen gern an. „Die Förderung ist eine große Chance für die Erforschung der Sprachen im subsaharischen Afrika", wie der Forscher sagt. Und: „Die Ergebnisse werden auch für die islamische Geistesgeschichte, die Soziolinguistik und die vergleichende Manuskriptwissenschaft von Be­deutung sein."

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