Technik und Erkenntnis

Analoges digitalisieren

25. September 2019 Großgeräte der Länder

Ohne neue Technologien kein Erkenntnisgewinn. Das gilt an Hochschulen und Universitätskliniken gleichermaßen. Die DFG begutachtete und förderte 2018 deshalb wieder diverse Projekte, Infrastrukturen und Plattformen, die es ermöglichen, die Forschung – und auch die Lehre – voranzutreiben. In der Medizin, in der Physik, aber auch beim Film.

Filmdreh

Als die Bilder laufen lernten, hatten sie noch keine Stimme. Und Schwarz-Weiß waren sie auch. Dann schenkte die verbesserte Technik dem Stummfilm den Ton und machte die graue Kinoleinwand endlich bunt. Aber die Entwicklung ging bekanntlich noch weiter: Inzwischen gehören digital erzeugte Spezialeffekte und computeranimierte Bilder aus der virtuellen Welt zum internationalen Standard. Ohnehin werden Filme längst nicht mehr analog belichtet, sondern als komplexe Datenströme binär aufgezeichnet. Die Digitalisierung gehört zweifellos zu den größten Umbrüchen in der Filmbranche. Und ist verbunden mit völlig neuen Herausforderungen für das gesamte Filmgeschäft.

„Der Abschied von der analogen Produktion betraf nicht nur die gesamte Filmbranche, sondern auch uns“, betont Martin Bömer, Technischer Leiter der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Bis Anfang des Jahrtausends war auch die älteste und größte Filmhochschule Deutschlands größtenteils noch analog aufgestellt. Um auf die Digitalisierung zu reagieren, waren gewaltige Umbrüche nötig: Umbrüche, die in der traditionsreichen Institution laut ihrem Kanzler Martin Jank „in den letzten vier Jahren nur mithilfe der positiven DFG-Begutachtungen gemeistert“ werden konnten.

Im Fall von Babelsberg griff das Programm „Großgeräte der Länder“: Hier begutachtet die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Auftrag der Länder unter anderem Großgeräte, die für den Einsatz in Forschung, Ausbildung und Lehre vorgesehen sind. 2018 haben die unabhängigen Expertinnen und Experten nun das dritte Teilpaket für die Filmuni zur Einrichtung empfohlen.

Zu den seit 2014 positiv begutachteten Geräten gehörten digitale Umgebungen zur Filmton- und Bildproduktion oder zur synthetischen Filmproduktion ebenso wie „Datenbasierte High-End Bildaufnahme- und Bildproduktionsprozesse“ sowie Apparaturen zur Montage oder nicht linearen Bearbeitung von Bild und Ton. Die hochmoderne Technikausstattung ermöglicht der Babelsberger Universität jetzt auch die Produktion immersiver Medien, bei denen die Zuschauerinnen und Zuschauer in das Geschehen hineingezogen werden. Neben schon aus analogen Zeiten bekannten Technologien wie 3-D betrifft dies vor allem auch neue Felder wie Virtual oder Augmented Reality.

2018 kamen unter anderem Geräte für „Produktionsbezogene Daten- und Archivierungsstrategien“ hinzu. Denn die vormals einzige ostdeutsche Filmhochschule hütet einen einmaligen Schatz an Filmrollen in ihrem Archiv. „Als Zeugnisse der Vergangenheit befinden sich diese Filme in einem Stadium des Verfalls“, sagt Jank. „Sie können nur durch digitale Verfahren für die Zukunft erhalten werden.“ Einerseits sei die Restaurierung des Kulturfilmguts für die Forschung interessant; andererseits biete das Material die Chance, das Lehrportfolio der Hochschule im Zuge der neuen Technologien zu modernisieren und den Gegebenheiten anzupassen. So wurden in den vergangenen Jahren in Babelsberg „Filmkulturerbe“ und „Creative Technologies“ als neue Studiengänge etabliert. Oder auch „VFX (Visuelle Effekte)“, ein Studiengang, der die klassische Szenografie durch digitale Werkzeuge erweitert.

Hauptbestandteil des 2018 zur Einrichtung empfohlenen Pakets ist die Ausstattung eines neuen Lehrgebäudes. Es soll 2020 eröffnet werden. In dem dreistöckigen „Haus 6“ stehen künftig rund 3600 m2 für Forschungs- und Innovationsaktivitäten zur Verfügung. Dazu gehören auch zwei Demonstrations- und Forschungslabore zu „Expanded Cinema“, in denen dreidimensionale und multimediale Ton- und Bildformate erprobt werden können. Aber auch neue Lichttechnik und verbesserte Software zur Produktion sind Bestandteil des dritten Teilpakets. „Das große Ziel, die klassische Produktion zu digitalisieren, neue Forschungsfelder zu erschließen und die Retrodigitalisierung voranzutreiben“, ist laut Martin Jank weitestgehend erreicht. „Wir sind jetzt in der Lage, bestimmte Förderlinien zu bedienen, für die uns vorher schlichtweg die Ausstattung fehlte.“ Die durch die DFG-Begutachtung von 2018 gesicherte Zukunft der Filmhochschule wird diesen Prozess nach Ansicht des Kanzlers zu einem krönenden Abschluss bringen: „Mit dem Neubau und nach erfolgter Technikintegration sind wir in Forschung und Lehre bestens aufgestellt.“