Impulse für das Digitale

Die Bandbreite der Förderung

14. August 2018 „GND4C – GND für Kulturdaten“

Was die „Bandbreite der Förderung“ im Hinblick auf die Vernetzung bedeutet, zeigt ein ambitioniertes Konsortium, das die DFG seit 2017 unter dem kryptischen Titel „GND4C – GND für Kulturdaten“ 2017 fördert. Dahinter steckt der Wunsch, im Ozean der Informationen „Normdaten“ zu schaffen, also definierte, eindeutig identifizierbare Bezugspunkte, über die Informationen konsequent vernetzt werden können.

SuLMaSS ist eine von der DFG geförderte Infrastruktur, die eine nutzerfreundliche Simulationssoftware für kardiale Elektrophysiologie testen und weiterentwickeln soll.

Schon 2012 wurde in Deutschland und in Österreich mit dem Aufbau einer Gemeinsamen Normdatendatei (GND) begonnen, zunächst vor allem mit Blick auf Bibliotheksbestände. Doch schnell hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass eindeutig referenzierbare Daten auch für weitere Kultur- und Wissenseinrichtungen wie Archive, Museen, Mediatheken und Denkmalbehörden unverzichtbar sind, um langfristig ein Rückgrat für ein maschinenlesbares semantisches Netz der Kultur und Wissenschaft entstehen zu lassen. Bei GND4C geht es um die eindeutige Identifikation von Bauwerken und Denkmälern für Denkmalbehörden, von Orten und geografischen Begriffen für Archive, von Museumsobjekten und schließlich von Künstlernamen für die museale Forschung. An dieser Herkulesaufgabe beteiligen sich über 20 Einrichtungen. Die beteiligten Fachleute sind sich sicher, dass Kooperationen auf der Basis von Normdateien dazu führen, „Wissensbestände“ spartenübergreifend anzubieten. Doch noch steht das Vorhaben am Anfang.

Software mit Lebenszyklus?

Auf die Anforderungen des digitalen Wandels reagierte die DFG 2017 auch gezielt mittels Ausschreibungen, zum Beispiel zur Nachhaltigkeit von Forschungssoftware. Anhand von mehr als 120 eingereichten Anträgen zeigte sich dabei nicht nur das große, gewachsene Interesse, sondern auch die besonderen Problemlagen, wenn bereits vorhandene Forschungssoftware einer breiteren Nutzung durch die Community zugeführt oder ihr Betrieb langfristig gewährleistet werden soll.

Anschauung gibt das in der Biomedizin angesiedelte Projekt „Nachhaltiges Lifecycle Management für Forschungssoftware – Softwareverbreitung und Infrastrukturentwicklung anhand einer Simulationssoftware für kardiale Elektrophysiologie (SuLMaSS)“, das federführend am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beheimatet ist. Bei SuLMaSS soll eine im Prototyp-Stadium befindliche Simulationssoftware für Ableitungen der Herzaktivität namens „acCELLerate“ getestet, weiterentwickelt und verbessert werden. „So werden wir die Vorteile der Software ausbauen“, erwarten die Projektverantwortlichen, „und einen Mehrwert für die wissenschaftliche Community der kardialen Elektrophysiologie generieren.“

Vernetzung im Blick

Die Vernetzung von Daten vollzieht sich oft in einem offenen, mehrstufigen Prozess. Das zeigt sich auch bei der langjährigen Erschließung handschriftlicher Quellen, etwa beim „Handschriftenportal (HSP)“, das die DFG mit 2,5 Millionen Euro für drei Jahre fördert. Ziel ist es hierbei, die „Entwicklung eines zentralen Onlineportals für Erschließungs- und Bilddaten zu Buchhandschriften“ des Mittelalters auf den Weg zu bringen. Auch in diesem Fall steht im Vordergrund, bestehende Datenbanken durch Digitalisate in ein zukunftsgerichtetes, sichtbares und vernetztes Angebot zu überführen. Neben der Entwicklung eines nationalen Portals zu Buchhandschriften, Fragmenten und anderen Überlieferungen des Mittelalters und der Neuzeit sollen die in der Handschriftendatenbank „Manuscripta Mediaevalia“ vorliegenden Dokumente zusammengeführt werden. Dabei soll als zentrales Rechercheinstrument für Handschriftenforscher und Mediävistinnen und Mediävisten in der ganzen Welt ein „Zentralkatalog für das Handschriftenerbe Deutschlands“ entstehen, der zudem um Bilder und Volltexte von 220 gedruckten Handschriftenkatalogen erweitert wird. Es geht um mehr als 141 000 Dokumente aus dem Besitz von 432 Institutionen.

Forschungsdaten in der Praxis

Ohne Messdaten und Laborwerte, Texte, Proben oder Objekte aus Sammlungen gibt es keine Forschungsarbeit. Doch mit der zunehmend intensiver diskutierten Nachnutzung hapert es. Mit der Ausschreibung „Forschungsdaten in der Praxis“ sollen Forscherinnen und Forscher darin unterstützt werden, die Potenziale von Forschungsdatensammlungen und entsprechenden Repositorien auszuschöpfen – und Daten gewissermaßen in den Praxistest zu schicken. Das zeigt das 2017 gestartete Projekt „Datenbasierte Spurensuche globaler Einflüsse japanischer Videospielkultur“, das von Ulrich Johannes Schneider von der Universitätsbibliothek Leipzig geleitet wird. Was sich als Gegenstand zunächst etwas exotisch anhört, hat doch globale Strahlkraft: Unter Fans auf der ganzen Welt sind japanische Videospiele wegen ihrer besonders komplexen Spielwelten und ihres Genrereichtums beliebt. Fachlich geht es laut Ulrich Johannes Schneider darum, die „komplexen globalen Wanderungsprozesse japanischer Videospiele im Kontext der globalen Spielekultur interaktiv sichtbar, analysierbar und nachvollziehbar zu machen“. Im Zentrum steht der Aufbau einer Dateninfrastruktur, die es durch semantische Verknüpfungen ermöglicht, die sehr heterogenen Datenmengen im Hinblick auf diese Fragestellungen zu analysieren.

Gefragt: Social-Media-Kanäle

Selbst auf dem klassischen Feld der wissenschaftlichen Periodika ist Digitalisierung ein Megatrend, so auch für die von der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) gemeinsam mit dem Nomos Verlag herausgegebene Onlinezeitschrift Studies in Communication/Media (SCM). Sie wurde 2014 als erstes Journal ihrer Art auf „Open Access“ umgestellt. Unter Federführung des Mainzer Kommunikationswissenschaftlers Oliver Johannes Quiring soll die Zeitschrift im 2017 eingerichteten Projekt „SCM 2020: Von der Onlinezeitschrift zur Kommunikationsplattform“ nun in einem mehrstufigen Verfahren um interaktive Elemente beziehungsweise Angebote erweitert und Themen, Beiträge und Autoren in soziale Medien eingebunden werden. Damit verbindet sich laut Quering die Hoffnung, dass sich ein „Knotenpunkt in einem digitalen Fachdiskurs entwickelt“. Absehbar ist schon jetzt, dass die Zeitschrift zur Integration von Social-Media-Kanälen eine neue Redaktions- und Content-Strategie brauchen wird.

„Mehr Social Media“ kann auch „Bloggifizierung“ bedeuten, wie das Pilotprojekt „Archivum Medii Aevi Digitale (AMAD)“ zeigt, das neue Formen in der Vermittlung und Diskussion wissenschaftlicher Ergebnisse erprobt. Mit fast 500 000 Euro gefördert, verbindet es den bereits bestehenden Wissenschaftsblog „Mittelalter – Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte“ (http://mittelalter.hypotheses.org) mit einem neuen Fachrepositorium für die Erst- und Zweitveröffentlichung mediävistischer Studien. Auch wenn der Aufbau von Open-Access-Repositorien durchaus nicht neu ist, so ist die Idee doch bemerkenswert, das informelle Medium des Blogs gezielt nicht allein für das Marketing von Inhalten, sondern auch für deren Qualitätssicherung einzusetzen. Ob ein solches Angebot die erforderliche Akzeptanz in der Fachcommunity finden wird, muss sich allerdings noch zeigen.