Für die Zukunft ausgestattet

70 Jahre nachhaltige Geräteförderung

17. Januar 2022 Geschichte der Geräteförderung

Batterien für Elektroautos und Rechenanlagen für die wissenschaftliche Arbeit: Das sind zwei wegweisende Themenbereiche, denen sich die DFG in ihrer Geschichte schon früh zugewendet hat.

Programmgesteuerte elektronische Rechenanlage (Perm) an der TH München

Bereits 1968 regte eine lebhafte Diskussion über „Elektro-Speicher-Fahrzeuge“ im damaligen Ausschuss für angewandte Forschung bei einer ganzen Reihe darin beteiligter Firmen die eigene Entwicklungsarbeit an, sodass im Jahr 1969 mit ersten Prototypen von Elektro-Speicher-Bussen für den innerstädtischen Verkehr gerechnet werden kann“, heißt es vollmundig im entsprechenden DFG-Jahresbericht. Und das erste DFG-Schwerpunktprogramm widmete sich bereits ab 1952 der Entwicklung von Rechenmaschinen: ein Vorhaben, das von der im gleichen Jahr neu gegründeten Kommission für Rechenanlagen (KfR) begleitet wurde.

Während der Aufbau einer elektromobilen Infrastruktur – wohl auch wegen der noch unzureichenden Batterietechnik – in den 1960er-Jahren offenbar doch ein wenig zu utopischgeriet, war die Hinwendung zum Computer in der 1950er-Jahren nicht nur der Anfang des wissenschaftlichen Rechnens, sondern der Beginn des digitalen Wandels in Deutschland generell.

Diese prophetische Voraussicht hatte nicht zuletzt auch damit zu tun, dass die DFG gerade im ersten Jahrzehnt nach ihrer Gründung aus der Notgemeinschaft für die Deutsche Wissenschaft heraus vor allem die Geräteförderung im Fokus hatte. Für das Berichtsjahr 1951/1952 lag der Anteil hier bei gut 50 Prozent der Gesamtbewilligungssumme. Natürlich vor allem auch notgedrungen: Ging es nach dem Zweiten Weltkrieg doch vor allem auch darum, die Grundversorgung der deutschen Universitäten mit Aparaturen aus dem Budget des Marshallplans wiederherzustellen.

Zu den ersten bewilligten großen Geräten gehörten vier Elektronenmikroskope für die Materialkunde und die Lebenswissenschaften. Sie stehen am Beginn einer langen und nachhaltigen Entwicklung, die 2017 in eine dedizierte Förderung der Elektronenmikroskopie im Forschungsgroßgeräte-Programm der DFG mündete. Im selben Jahr gab es für die Entwickler der Kryo-Elektronenmikroskopie den Chemie-Nobelpreis.

Für Forschung rechnen

Tatsächlich lässt sich auch die 70-jährige Erfolgsgeschichte einer Versorgung der deutschen Forschungslandschaft mit wissenschaftlichen Geräten und Informationstechnik durch die DFG besonders gut anhand der Geschichte der Kommission für Rechenanlagen erzählen. Bereits 1956 mussten die hier versammelten Experten (damals natürlich alles Männer) 26 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 20 Millionen D-Mark bearbeiten – bei einem Gesamtbudget der DFG von 43 Millionen D-Mark eine stattliche Summe. Mithilfe des 1965 beendeten und von der KfR betreuten Schwerpunktprogramms wurden „die ersten Rechner der Bundesrepublik mit den Mitteln der Forschungsgemeinschaft an deutschen Hochschulen gebaut“, resümiert der damalige DFG-Jahresbericht nicht ohne Stolz. „Sie gehörten zu den ersten Rechnern in Europa überhaupt.“ Und ein Jahr später heißt es dort bereits, besagten Rechenanlagen käme „für die Wissenschaft eine ähnliche Schlüsselstellung zu wie der Energieversorgung in der Industrie.“

Bereits 1971 konstatierte die KfR eine praktisch flächendeckende Versorgung der Hochschulen mit Rechenanlagen. In den 1970er-Jahren war die Kommission maßgeblich an der Einrichtung der ersten Rechenzentren beteiligt und etablierte die Informatik an deutschen Hochschulen als eigenständiges Studienfach. Auch die Datenverarbeitung in der Medizin und die Rechnerausstattung für Fachhochschulen standen schon früh im Fokus – ebenso wie das in den 1980er-Jahren verstärkt aufgegriffene Thema der künstlichen Intelligenz (KI), auf das die KfR schon 1968 am Beispiel einer „wünschbaren Zukunftsentwicklung der Computer-Diagnostik in der Medizin“ hingewiesen hatte.

2018 wurde die KfR mit dem Apparateausschuss zum Ausschuss für Wissenschaftliche Geräte und Informationstechnik (WGI) zusammengeführt: ein Reflex auf den Umstand, dass ihre Aufgabe, die gesamte deutsche Wissenschaftslandschaft mit Hochleistungsrechnern, Rechenzentren und einer IT-Infrastruktur zu versorgen, inzwischen als erfüllt angesehen werden konnte. Nun galt es, diesen Standard im Sinn des wissenschaftlichen Rechnens bestmöglich einzusetzen und hier eine leistungsfähige und ausdifferenzierte Vernetzung zu erreichen. Die neue Vision war ein national koordinierter Verbund von Hochleistungsrechenzentren, der es jedem Forschenden an jeder Hochschule in Deutschland prinzipiell ermöglichen sollte, die für die Arbeit nötige Kapazität und Rechenzeit zu erhalten.

Seitdem haben Bund und Länder mit dem Modell eines „Nationalen Hochleistungsrechnens (NHR)“ in Zeiten von Big Data und KI die Aufgabe übernommen, die fachlichen und methodischen Stärken des wissenschaftlichen Rechnens zielgerichtet und koordiniert weiterzuentwickeln. 2020 wurden Rechenzentren an Hochschulen und Instituten in Aachen, Berlin, Darmstadt, Dresden, Erlangen-Nürnberg, Göttingen, Karlsruhe und Paderborn in die gemeinsame Förderung aufgenommen. Die DFG hat diesen Prozess nicht nur über die gesamte Laufzeit mit Beratungen und Begutachtungen begleitet, sondern eigentlich seit ihrer Gründung 1951 darauf hingearbeitet. So schließt sich hier der Kreis.