Bedarfsgerecht – interdisziplinär – vernetzt

Von Ameisen, Elefanten und Kängurus

12. Januar 2021 Nationale Forschungsdateninfrastruktur

Es hat etwas von einem Aufbruch in eine neue Welt. Deutschland bekommt eine Nationale Forschungsdateninfrastruktur, kurz NFDI. Das millionenschwere Programm von Bund und Ländern ist zum 1. Januar 2019 gestartet. 22 Förderanträge gingen bis zur Abgabefrist der ersten Ausschreibungsrunde im Oktober 2019 bei der DFG ein. Wer in der ersten von drei Runden gefördert wird, entscheidet sich 2020.

Die DFG fördert unter anderem die virtuelle Rekonstruktion der einst berühmtesten Büchersammlung Deutschlands, der Bibliotheca Palatina, an der Universitätsbibliothek Heidelberg.

Die NFDI ist Chance und Herausforderung zugleich. Zunächst ist es eine große Chance, den wissenschaftlichen Fortschritt voranzutreiben. Nicht zuletzt durch den Einsatz digitaler Technologien fallen täglich immer mehr Daten an. Mithilfe der NFDI sollen möglichst viele Forscherinnen und Forscher aus Deutschland und aus aller Welt Zugang zu diesen Schätzen erhalten. Daher gilt es, die Daten über die neue Infrastruktur systematisch zu erschließen, nachhaltig zu sichern und möglichst fächerübergreifend zu verknüpfen.

So eine Mammutaufgabe braucht allerdings Zeit und Geld. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) hatte Ende 2018 zugesagt, den Aufbau der NFDI über zehn Jahre mit bis zu 90 Millionen Euro im Jahr zu finanzieren. Und sie hat ein deutliches Signal gesetzt, indem die NFDI klar nach wissenschaftsgeleiteten Prinzipien aufgebaut wird. Gefördert werden Konsortien, in denen Forschende mit den für sie relevanten Infrastruktureinrichtungen zusammenkommen, sich fachlich organisieren und gemeinsam erörtern, welche Daten und Dienste sie in ihren Disziplinen tatsächlich benötigen. Der Bedarf ist durchaus unterschiedlich. „Wir haben etwa Elefanten, die mit Großgeräten gigantische Mengen an eher einheitlichen Daten erzeugen. Dann gibt es die Kängurus, bei denen es um die nachhaltige Sammlung und Pflege von heterogenen Daten geht, oder die Ameisen, die kurzfristig benötigte Daten in vielen kleinen Projekten nutzen und produzieren“, betont Petra Gehring, Vorsitzende des Rats für Informationsinfrastrukturen (RfII), der die Idee für eine NFDI entwickelt hatte. Für sie ist das Programm ein Paradigmenwechsel: „Die Verantwortung für die Infrastrukturausgestaltung wird an die Forschenden übergeben. Bisher haben sich solche Ausschreibungen an Anbieter solcher Strukturen gewendet.“

Die NFDI-Konsortien stehen dabei nicht im Wettbewerb zueinander. „Sie müssen sich an wissenschaftsgeleiteten Qualitätsstandards messen lassen, um gefördert zu werden. Dazu zählt auch die Vernetzung mit den anderen Konsortien“, so Anne Lipp, Leiterin der Gruppe Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme in der DFG-Geschäftsstelle. Denn die Konsortien sollen gemeinsam auch übergreifende Dienste und Standards zum Forschungsdatenmanagement entwickeln.