Karrierewege

Virtual GAIN

Wegen der Coronavirus-Pandemie trafen Postdocs und Early Career Researchers bei der 20. Jahrestagung des German Academic International Network (GAIN) am 28. bis 29. August erstmals virtuell auf internationale Forschende sowie auf Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in Deutschland.

Eingangsbild von GAIN20

Die jährlich in den USA stattfindende GAIN-Jahrestagung ist außerhalb Europas die größte Netzwerkveranstaltung für Wissenschaftskarrieren in Deutschland. Angesichts der Coronavirus-Pandemie stellte das die ausrichtenden Organisationen der diesjährigen GAIN-Jahrestagung vor keine geringe Herausforderung. Die DFG, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) erprobten daher Neues: GAIN fand erstmals virtuell statt, so dass zusätzlich zu den in Nordamerika tätigen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern auch weltweit Forschende eingeladen werden konnten.
Das neue Format führte mit rund 900 Personen zu einer hohen Teilnehmerzahl und offenbarte ein großes Interesse an dem Netzwerktreffen unter Postdocs auch außerhalb Nordamerikas. Den Teilnehmenden standen viele hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in Deutschland für Gespräche zur Verfügung. Dieses Angebot wurde rege in Anspruch genommen, da die Early Career Researcher aktuell wegen der vielfältigen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf ihre Arbeit und ihre Karriere großen Informations- und Beratungsbedarf hatten.

In ihrem Grußwort unterstrich die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, dass es ein Anliegen der Politik sei, die Karrierewege für herausragende Nachwuchswissen-schaftlerinnen und -wissenschaftler in Deutschland noch attraktiver und planbarer zu machen. Zu diesem Zweck investiere der Bund im Tenure-Track-Programm bis 2032 eine Milliarde Euro für tausend neue Professuren, während die Länder gleichzeitig tausend zusätzliche unbefristete Stellen einrichteten. Karliczek ermunterte die Teilnehmenden ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre Netzwerke nach Deutschland zurückzubringen, wo sie neben vielen Arbeitgebern „eine der Welt zugewandte Wissenschaft und Forschung“ erwarte. „Lassen sie sich von Corona nicht unterkriegen, wir brauchen sie jetzt mehr denn je“, sagte die Ministerin.

Die GAIN-Treffen seien in ihrer Kontinuität „Ausdruck der Weltoffenheit der Wissenschaften“, sagte die DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker in ihrer Begrüßung. Die Bereitschaft zur Weltoffenheit gebe es in der Wissenschaft seit jeher in großem Maße. Allerdings seien hierfür Rahmenbedingungen erforderlich, denn leicht könnten neueste Forschungsergebnisse die Konkurrenz von Ländern und Gesellschaften auch verschärfen, wie es beim Ringen um die Sicherung zukünftiger Impfstoffdosen und Medikamente deutlich werde. Innerhalb der Wissenschaft solle deshalb „Kooperation jederzeit Vorrang haben können vor Konkurrenz“. Forschende müssten zudem auf den Rückhalt ihrer Gesellschaften und politischen Systeme vertrauen können.

„So stellt sich die Frage, wie man die Wissenschaften vor jenem Druck schützen kann, der in der Forschung auf schnellste Ergebnisse dringt und medial auf Aussagen, die leicht instrumentalisierbar sind“, sagte die DFG-Präsidentin. Diese Frage stelle sich gerade auch für die Arbeit von Forscherinnen und Forschern in frühen Karrierestufen. In Zeiten gestiegener gesellschaftlicher Erwartungen gälten zudem die Standards guter wissenschaftlicher Praxis sowie die Kultur einer bedachtsamen Präsentation von Ergebnissen umso mehr. „Relevante Forschung ist sorgfältige Forschung und sie braucht ihre eigene Zeit“, sagte Becker.

DAAD-Präsident Professor Dr. Joybrato Mukherjee, verwies darauf, dass „etablierte Netzwerke von Forscherinnen und Forschern schwierige Phasen am besten überstehen und eine besondere Resilienz beweisen“. GAIN biete den Teilnehmenden daher in Zeiten eingeschränkter Mobilität die Chance, ihre eigenen Netzwerke aufzubauen oder zu vertiefen. Professor Dr. Hans-Christian Pape, Präsident der AvH ermunterte die Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler „selbstbewusst und optimistisch“ zu sein, da sie mit ihrer Wissenschaft „systemrelevant“ seien. „Sie tragen dazu bei, die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen, Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln. Sie tragen dazu bei, die gesellschaftlichen Aspekte der Krise zu erforschen“, sagte Pape. Forschungsorganisationen und Förderer hätten ihrerseits mit hoher Flexibilität auf die Lage reagiert, jetzt arbeite man daran, diese Flexibilität zu verstetigen und in die eigenen Programme zu integrieren.

Virtual GAIN fand an beiden Tagen mit je einem vierstündigen Programm statt, wobei die einzelnen Formate an die der vorangegangenen Jahrestagungen anknüpften. So präsentierte sich die DFG als eine von 60 Institutionen mit einem virtuellen Stand im Rahmen der „Talent fair“, auf der Forschungszentren, Hochschulen, Unternehmen und Verbände die Teilnehmenden mit Informationen und Angeboten für ihren nächsten Karriereschritt in Deutschland beraten. Durch Vorträge in Form von Webcasts im „Auditorium“ und in Workshops konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zudem neue Impulse für Ihre Karriereplanung sammeln. Die DFG informierte in diesem Rahmen über die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und dadurch entstandene neue Karriereperspektiven in Deutschland sowie – gemeinsam mit dem BMBF und der AvH – über Karrierechancen in Verbünden im Rahmen der Exzellenzstrategie und der Förderinitiative „Künstliche Intelligenz“.

In einem weiteren Workshop zeigte die DFG Strategien und Handlungsoptionen für Forschungsförderer und Wissenschaftseinrichtungen zur Unterstützung von Vielfältigkeit und Chancengleichheit in der Wissenschaft auf. Zum Netzwerken und für den informellen Austausch standen den Teilnehmenden eine virtuelle Coffee Lounge und ein Schwarzes Brett zur Verfügung. Nicht zuletzt präsentierten sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre aktuellen Forschungsergebnisse in einem virtuellen Science Slam. Das Publikum kürte Martin Skrodzki, Postdoktorand am Forschungsinstitut RIKEN in Japan, zum Sieger. Für seinen Vortrag über die Herausforderungen bei der Erforschung der Bedingungen, unter denen Automobile autonom fahren können – ob sie beispielsweise sich bewegende Objekte erkennen – erhielt der Mathematiker und Informatiker ein Preisgeld von 3000 Dollar.

Virtual GAIN wird im Nachgang der Tagung evaluiert. Aufgrund der Ergebnisse wollen die ausrichtenden Organisationen Rückschlüsse ziehen, ob und welche Elemente des virtuellen Formats sich in künftigen Jahrestagungen gewinnbringend einbinden lassen.

Insgesamt waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin einig, dass die Coronavirus-Pandemie neben allen Unwägbarkeiten, Einschränkungen und Hürden für die internationale Wissenschaft auch Chancen in Form neuer Fragestellungen, Erkenntnisse und neu eingeübter Praktiken mit sich bringe. Dennoch hofften viele darauf, sich bei der GAIN-Jahrestagung 2021 auch wieder persönlich sehen und austauschen zu können.