Karrierewege

19. GAIN-Jahrestreffen in San Francisco

Postdocs und Early Career Researchers aus Deutschland sowie internationale Forscherinnen und Forscher sind auf der 19. Jahrestagung und Talent Fair des German Academic International Network (GAIN) mit hochrangigen deutschen Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zusammengetroffen.

"Das Verfolgen einer akademischen Laufbahn stellt eine immense Aufgabe dar, gleich ob jenseits oder diesseits des Atlantiks“, sagte DFG-Vizepräsidentin Prof. Dr. Julika Griem am Sprecherpult

Bei dem vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und der DFG in bewährter Kooperation veranstalteten größten Treffen für deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler außerhalb Europas ging es vom 23. bis 25. August in San Francisco – die Tagung findet im Wechsel je einmal an Ost- und Westküste der USA statt – um Innovationen und Jobs am Wissenschaftsstandort Deutschland.

DFG-Vizepräsidentin Professorin Dr. Julika Griem lobte in ihrer Begrüßung die jährlichen GAIN-Treffen, die in ihrer Kontinuität Ausdruck seien nicht nur der Weltoffenheit der Wissenschaften, sondern ebenso der besonderen Wertschätzung gegenüber Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in frühen Karrierestufen. In Richtung der anwesenden Postdocs und Early Career Researchers sagte sie: „Forscherinnen und Forscher zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere haben in der Regel einen ausgeprägten Sinn dafür, wie gewinnbringend es immer wieder sein kann, zu neuen Ufern aufzubrechen und bekannte Horizonte zu erweitern. Häufig sind gerade sie die Taktgeber innovativer Forschungsansätze und gehen unverzagt neue, eigene Wege“, so Griem.

Exzellenzstrategie als Schwerpunktthema

Ein inhaltlicher Schwerpunkt der diesjährigen GAIN-Tagung lag auf der Exzellenzstrategie und den damit verbundenen neuen Karrieremöglichkeiten im deutschen Wissenschaftssystem. Dazu fand ein Workshop statt, der bei vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern reges Interesse weckte. Nach einer Begrüßung durch Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatsekretär im BMBF, stellte Dr. Ulrike Eickhoff, DFG-Abteilungsleiterin für Programm- und Infrastrukturförderung, die Eckpunkte der Exzellenzstrategie – 533 Millionen Euro pro Jahr in zwei Förderlinien für 57 Exzellenzcluster und elf Exzellenzuniversitäten – vor und verwies zum einen auf die Kontinuität zur vorangegangenen Exzellenzinitiative, zum anderen auf den Unterschied zum Vorgängerprogramm: Die Exzellenzstrategie habe eine unbegrenzte Laufzeit.

Im Mittelpunkt ihres Vortrags standen vor allem die Karriereperspektiven, die sich für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler innerhalb der Exzellenzcluster bieten. Ein strategisches Element der Cluster, so Eickhoff, sei die Möglichkeit zur Verwendung der Mittel zur Rekrutierung neuer (Junior-)Professorinnen und Professoren sowie Nachwuchsgruppenleitungen. Zudem verfügten die Cluster über schnell verfügbares Risikokapital für innovative, oftmals unkonventionelle, an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen und Fächern entstandene Forschungsideen. „Auch die interne Vernetzung innerhalb des Clusters und dessen kurze Wege sind ein wichtiger Katalysator für eigene Forschungsprojekte“, sagte Eickhoff. Im Anschluss stellten sich Vertreterinnen und Vertreter von zehn Exzellenzclustern den Fragen der Anwesenden, darunter nicht nur Uni-Präsidentinnen und -Präsidenten, sondern auch eine Cluster-Sprecherin sowie leitendes Management-Personal.

Am zweiten Veranstaltungstag wurde die Tagung – wie es seit einigen Jahren gängige Praxis ist – auch für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geöffnet, die sich für einen Forschungsaufenthalt in Deutschland interessieren. Auch 2019 machten viele „Internationals“ von diesem Angebot Gebrauch, nutzten das englischsprachige Workshop-Angebot und ließen sich an den Ständen beraten.

Science Slam

Bei der diesjährigen GAIN-Tagung standen zum ersten Mal sieben junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen eines Science Slams auf der Bühne. Sie brachten den Zuhörerinnen und Zuhörern ihre Forschung in unterhaltsamer Weise näher und zeigten nebenbei, warum öffentliche Fördergelder sinnvolle Investitionen in die Zukunft sind.

Mit Dr. Aline Gottlieb gewann eine Wissenschaftlerin, die zurzeit DFG-gefördert an der John Hopkins University in Baltimore forscht. Sie skizzierte in ihrem Slam nachvollziehbar die Relevanz ihrer Arbeit und ermöglichte dem Publikum einen persönlichen Zugang zur Problematik. Jeder im Publikum identifizierte sich mit „Herbert“, einer von Gottlieb vorgestellten Kunstfigur, die isst, was sie mag, in Maßen Alkohol trinkt und sich zu wenig bewegt. Deswegen leidet „Herbert“ an einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD). Die Forschung dahinter: Derzeit gibt es weder effektive, kostengünstige Methoden der rechtzeitigen Erkennung von NAFLD, noch eine medikamentöse Therapie für dieses komplexe Erkrankungsbild. An beidem arbeitet Gottlieb derzeit in Baltimore – nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wird sie ihre Forschung an der Ruhr-Universität in Bochum fortsetzen.

Auch die übrigen Science Slams zeigten dem Publikum, dass sich Forschungsprojekte durchaus allgemeinverständlich und unterhaltsam darstellen lassen. In Zeiten knapper werdender öffentlicher Ressourcen und entsprechend schärferer Verteilungskämpfe könnte sich das auszahlen, wie es auch die auf der GAIN-Tagung anwesende Delegation des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung als ein Ergebnis des Science Slams bemerkt haben dürfte. Nicht zuletzt dadurch wurde die Veranstaltung zu einem gerade in den USA immer wieder gerne beschworenen „Win-Win-Win“.