Emmy Noether-Treffen 2011

„Wissenschaft, Öffentlichkeit, Politik – Wechselwirkungen und gegenseitige Herausforderungen“

23. Dezember 2014 Der Wissenschaftspolitische Abend

Der 2003 etablierte Wissenschaftspolitische Abend rückte in diesem Jahr das Thema „Wissenschaft, Öffentlichkeit, Politik – Wechselwirkungen und gegenseitige Herausforderungen“ in den Fokus.

Der Wissenschaftspolitische Abend

Mit Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Professor Klaus Töpfer, einem der beiden Vorsitzenden der Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“, und Professor Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin, standen den Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern hochkarätige Gesprächspartner zur Verfügung.

„Politik ist gut beraten, wenn sie Wissenschaft in Anspruch nimmt“, machte Cornelia Quennet-Thielen gleich zu Beginn klar. Dass dabei wissenschaftliche Faktenbezogenheit und politische Entscheidungsfindung mit Blick auf Mehrheiten und Kompromisse eine unterschiedliche Arbeitsweise bedingten, fügte Hermann Parzinger an. Klaus Töpfer plädierte für den Umbau der Gesellschaft in eine Wissensdemokratie. Er mahnte die Wissenschaft, stets alle Erkenntnisse auf den Prüfstand zu stellen. Der Wille zur Falsifizierung sei allerdings angesichts des derzeitigen Trends zur Beschleunigung immer schwerer aufrecht zu erhalten. Quennet-Thielen nannte in diesem Zusammenhang die Exzellenz-Initiative als Möglichkeit, exzellente Forschung nachhaltig zu etablieren.

Das Podium: Klaus Töpfer, Matthias Kleiner, Cornelia Quennet-Thielen, Hermann Parzinger, Patrick Honnecker (v.r.n.l.)

„Wir müssen die Menschen früher in den wissenschaftlichen Prozess einbeziehen. In einer immer transdisziplinärer arbeitenden Wissenschaft und einer Mediengesellschaft ist es Aufgabe der Politik, komplexe Zusammenhänge mehrheitsfähig zu machen“, sagte Töpfer mit Blick auf die Gesellschaft. Quennet-Thielen nannte dazu als neues Instrument des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die sogenannten Bürgerdialoge, die Austausch und Meinungsbildung der Bevölkerung unterstützen sollen. „Die Übersetzungsaufgabe muss der Wissenschaft noch bewusster werden“, sagte Parzinger auch in Anbetracht kürzer werdender Sendezeiten und Aufmerksamkeitsspannen.

Das Publikum mahnte Raum für die Erziehung zur Kritikfähigkeit an. Daran entzündete sich eine Diskussion über den Bologna-Prozess und immer straffer organisierte Studiengänge. Abschließend nahm DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner Bezug auf die 60-jährige Geschichte der DFG und deren Erfahrungen in der Politikberatung. Forscherinnen und Forscher sowie die Forschungsorganisationen sollten in Zukunft noch selbstbewusster die gesellschaftliche Rolle der Wissenschaft neben Politik und Wirtschaft betonen. „Die Wissenschaft sollte außerdem mehr Zeit einfordern“, sagte Kleiner. Dies müsse für den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess ebenso wie für die Darstellung und Wahrnehmung von Forschungsergebnissen und die Meinungsbildung auf wissensbasierter Grundlage in Öffentlichkeit und Politik gelten. "Wissenschaft ist anstrengend."