Nach der Promotion: Das Emmy Noether-Programm

Emmy Noether-Jahrestreffen 2009

6. Dezember 2009 Nachwuchsförderung

Schon Tradition sind die Emmy Noether-Jahrestreffen, zu denen im Sommer alle ehemaligen und noch Geförderten nach Potsdam eingeladen werden.

Gut gelaunt am Templiner See: Teilnehmende des Emmy Noether-Treffens 2009

Diese Treffen bieten den Leiterinnen und Leitern von Nachwuchsgruppen eine Möglichkeit, sich zu vernetzen und Erfahrungen weiterzugeben. Außerdem entsteht immer ein lebhafter Austausch zwischen den "Emmys" und Vertreter/innen der DFG-Geschäftsstelle, welcher der Weiterentwicklung des Programms zugute kommt. Der Wissenschaftspolitische Abend, auf dem hochrangige Expertinnen und Experten mit den Geförderten jeweils ein aktuelles Thema diskutieren, gehört ebenfalls zum festen Programm.

Konzentration und Dialog auf dem Emmy Noether-Treffen

Gefragte Karriereperspektiven

Grundlagenforschung im Wettbewerb, die vielschichtigen Kriterien der Bestenauswahl sowie die voranschreitende Internationalisierung der Wissenschaften und ihrer Förderung - das waren die zentralen Themen beim Emmy Noether-Treffen vom 17. bis 19. Juli 2009 in Potsdam. Auf dem inzwischen achten Treffen dieser Art diskutierten 160 Nachwuchsgruppenleiterinnen und -leiter des Emmy Noether-Programms sowie einige mit einem Starting Grant des Europäischen Forschungsrates (European Research Council, ERC) Geförderte untereinander und mit Vertretern der Deutschen Forschungsgemeinschaft und anderer Wissenschaftseinrichtungen konkrete und strategische Fragen der Nachwuchsförderung in Deutschland. Schon traditionell fand die Zusammenkunft in einem Kongresshotel am Templiner See statt.

Zur Eröffnung sprach DFG-Präsident Prof. Matthias Kleiner

Zehn Jahre Emmy Noether-Programm

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens dieses Exzellenzprogramms unterstrich DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner in seiner Eröffnungsansprache das übergreifende Anliegen der DFG, „die gesamte Karrierekette in den Blick“ zu nehmen: von der ersten Projektmitarbeit für Schülerinnen und Schüler über die Eigene Stelle, die Emmy Noether-Förderung in der Postdoc-Phase bis hin zur Professur im Heisenberg-Programm. Trotz sichtbarer Erfolge und flexibilisierter Förderangebote mangele es dem Nachwuchs in Universitäten und Forschungseinrichtungen an ausreichenden Tenure-Track-Optionen. Der DFG-Präsident forderte deshalb: „Wenn wir jungen Leuten in der Wissenschaft Türen öffnen, müssen wir sie auch für spätere Lebens- und Laufbahnpositionen offenhalten.“ Damit formulierte er eine forschungspolitische Überzeugung, mit der er nicht alleine steht.

Moderiert von Patrick Honecker diskutierten die Professorinnen Johanna Hey und Margit Osterloh

Auf der Suche nach den Besten

In den Mittelpunkt des wissenschaftspolitischen Abends rückte beim diesjährigen Treffen das Thema „Die Auswahl der Richtigen - wie wird der wissenschaftliche Nachwuchs rekrutiert?“. Als Instrument der (Aus-)Wahl verwies die Kölner Professorin für Steuerrecht Johanna Hey, Vizepräsidentin des Deutschen Hochschulverbandes, auf den Wert und Nutzen universitärer Berufungsverfahren. Diese müssten sich allerdings noch mehr an Best-Practice-Standards orientieren und sich zugleich von einem eher quantitativen zu einem qualitativen Verfahren wandeln. Anschließend forderte Professorin Margit Osterloh, Mitglied des Wissenschaftsrates, dass zentrale Auswahl- und Steuerungsmechanismen des Wissenschaftssystems, allen voran die Peer-Review-Praxis und das Ranking, „auf den Prüfstand“ gehören. Die provokante These der Inhaberin des Lehrstuhls für Organisation, Technologie- und Innovationsmanagement an der Universität Zürich lautete: Wenn „viele wissenschaftliche Blumen blühen sollen“, dann müsste Forscherinnen und Forschern „mehr Unabhängigkeit von lebenslangen Peer-Review-Wegen“ gewährt werden.

Beide Impulsstatements und die engagierten Diskussionsbeiträge aus dem Plenum machten deutlich, dass es „die“ ideale Wissenschaftlerpersönlichkeit nicht gibt. Umso wichtiger seien bei der Suche nach den besten Köpfen Begutachtungs- und Auswahlverfahren, die die jeweilige fachliche Kompetenz in Forschung und Lehre ebenso wie das persönliche (Kreativitäts-)Potenzial, nicht zuletzt die intrinsische Forschungsmotivation, identifizieren und fördern könnten.

Diskussionen auf Augenhöhe

Reiche Informationen für den Nachwuchs

Mit mehreren Workshops, die von den Geförderten organisiert wurden, trug der wissenschaftliche Nachwuchs auch in diesem Jahr zum Programm und zum fachlichen und persönlichen Erfahrungsaustausch bei. Dabei stand der Austausch über konkrete Personal-, Finanz- und Organisationsfragen und damit über das Selbst- und Nachwuchsgruppen-Management im Vordergrund.

Der Überblicksinformation dienten Vorträge, Workshops und Sprechstunden, etwa zum DFG-Programmportfolio, zu Fördermöglichkeiten des ERC oder zu neuen DFG-Aktivitäten wie Science TV. Auch über „Neues aus der DFG“ wurde ausführlich berichtet.

Angesichts einer zunehmend globalisierten Wissenschaftswelt kamen im Rahmen einer weiteren Diskussion mit Experten den internationalen Herausforderungen ein besonderer Raum und Stellenwert zu. Ein besonderes Beispiel war dabei die Begutachtung von Forschungsanträgen.

Wieder ein wichtiges Thema: die Vereinbarkeit von Familie und Forschung

Emmy Noether Lecture blickt ins Universum

In der schon traditionellen Emmy Noether Lecture referierte der ehemalige Emmy Noether-Nachwuchsgruppenleiter und heutige Professor für Astrophysik an der Universität Potsdam, Philipp Richter, über „Die Milchstraße - unsere kosmische Heimat“. Im internationalen Jahr der Astronomie 2009 unternahm Richter eine farbige Reise in unsere Galaxie, zu deren Sternen, ins interstellare Gas und zur „Dunklen Materie“. So wurde sichtbar, dass die Milchstraße „kein fertiges Produkt ist, sondern ‚under construction' steht“. Eines fernen Tages, so die Voraussicht, werden die Milchstraße und die Andromeda-Galaxie miteinander verschmelzen - Logik der „galaktischen Nachbarschaft“ im Universum und ihrer physikalischen Triebkräfte.