Internationales

Die ersten Leibniz-Lectures in Kanada

30. Oktober 2013 Rainer Forst in Ottawa und Toronto

Auf Einladung des New Yorker Büros der DFG fanden Mitte Oktober die ersten Leibniz Lectures in Kanada statt. Rainer Forst, politischer Philosoph, Universität Frankfurt, und Leibniz-Preisträger des Jahres 2012, derzeit auf einem Forschungssemester an der New York University, sprach zu den Themen „Toleration and Democracy“ in der Hauptstadt, Ottawa, und zum Thema „Two Pictures of Justice“ in Toronto.

Rainer Forst (2.v.l.) mit deutschen und kanadischen Wissenschaftlern zu Besuch in der Residenz des deutschen Botschafters (2.v.r.) in Kanada

In der augenblicklichen politischen Situation in Kanada, vor allem vor dem Hintergrund der erbittert geführten Debatte über den Gesetzentwurf der Regierungspartei der Provinz Quebec, die den Bürgern das Tragen religiöser Symbole in der Öffentlichkeit verbieten will, stießen beide Themen auf große Resonanz.

Die Veranstaltung in Ottawa mit gut 100 überwiegend jüngeren Zuhörern fand in Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft in Kanada und der Universität Ottawa statt. Botschafter Werner Wnendt hatte bereits am Nachmittag zu einer Kaffeerunde in seiner Residenz eingeladen, in der im kleinen Kreis Themen wie Diversität, das Sprachenproblem, Toleranz und Tolerierung diskutiert wurden.

In seinem Grußwort am Abend betonte der Botschafter die Bedeutung der Stärkung der deutsch-kanadischen Zusammenarbeit gerade im Bereich von Wissenschaft und Forschung. Die stellvertretende Prorektorin Forschung der Universität Ottawa, Ruby Heap, sprach sich mit Nachdruck für eine Verstetigung der Leibniz Lectures in Kanada aus, möglichst verbunden mit einem Workshop über Förderungs- und Kooperationsmöglichkeiten der DFG.

Der Abend in Toronto - in Zusammenarbeit mit der University of Toronto und dem deutschen Generalkonsulat Toronto – wurde eingeleitet durch ein Grußwort des deutschen Generalkonsuls Walter Stechel. Die Universität von Toronto war vertreten durch Robert C. Austin vom Center for European, Russian and Eurasian Studies. Die Einführung in das Thema und die Vorstellung des Referenten übernahm an beiden Standorten die Direktorin des New Yorker DFG-Büros, Eva-Maria Streier.

In der Leibniz Lecture in Toronto ging es um die Unterscheidung von zwei grundsätzlich verschiedenen Weisen, über Gerechtigkeit nachzudenken – eine ergebnisorientiert und eine struktur- und beziehungsorientiert.

Gebanntes Publikum in Ottawa - und hier in Toronto

Die jüngsten Publikationen von Rainer Forst zu diesen Themenfeldern, „Das Recht auf Rechtfertigung“, 2. Auflage 2010, sowie die „Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse“ von 2011 sind bereits in englischer Sprache erschienen. „The Right to Justification: Elements of a Constructivist Theory of Justice“ (2012)sowie “Justification and Critique” (2013), ebenso wie das umfassende Werk über Geschichte und Gegenwart des Toleranzgedankens: Toleration in Conflict (2013).

Das DFG-Büro New York hat das Format der Leibniz-Lectures in den beiden vergangenen Jahren weiterentwickelt. Empfänger des renommierten und hochdotierten Forschungspreises der DFG treten als „Botschafter“ der Qualität deutscher Wissenschaft und Forschung im Ausland auf und stärken so die Verbindungen mit Deutschland nicht nur im eigenen Fach. Die Leibniz Lectures finden überwiegend im Deutschen Haus New York statt, aber auch im Rahmen von Fachkonferenzen wie der Jahrestagung der Neurowissenschaften. Nach dem gelungenen Auftakt in Kanada sollen nach Möglichkeit in Zukunft zwei Mal pro Jahr Leibniz Lectures auch in Kanada stattfinden.

Eva-M. Streier