Internationales

Leibniz-Preisträger Professor Günther Hasinger in New York

18. Dezember 2012 Leibniz-Lecture

„Asteroiden sind unsere Freunde“ war die zusammenfassend gute Nachricht der Leibniz-Lecture „News from the Universe: Near-Earth Asteroids and Extrasolar Planets“ von Professor Günther Hasinger am 18. Dezember in New York, der fünften und in 2012 letzten Veranstaltung einer Reihe von Vorträgen von Leibniz-Preisträgern, mit denen Auslandsbüros der DFG die Qualität deutscher Forschung international unterstreichen.

Professor Günther Hasinger

„Asteroiden haben Wasser zur Erde gebracht und mit den Aminosäuren die Bausteine des Lebens. Sie haben, bzw. ein recht großer hat vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier ausgerottet und damit erst die Möglichkeit menschlichen Lebens auf der Erde geschaffen.“ Vor dem Hintergrund verschiedenster Weltuntergangsszenarien – ganz aktuell auch zum Ende des 400-jährigen Zyklus im Maya-Kalenders – eine sicherlich beruhigende Botschaft eines renommierten deutschen Wissenschaftlers, der seit 2011 als Leiter des Institute for Astronomy (IFA) in Hawaii mit Hilfe der Röntgenastronomie schwarze Löcher erforscht, aber eben auch für das Pan-STARRS verantwortlich ist, das Panoramic Survey Telescope & Rapid Response System. Mit dessen Hilfe wird im erdnahen Weltraum nach Himmelskörpern auf Kollisionskurs mit der Erde Ausschau gehalten, damit man im Fall der Fälle noch Zeit für einen „Rapid Response“ hätte. Die Erde sei allerdings ihrer durchaus wilden Kinderstube entwachsen, die – so die gängige Auffassung von der Planetenentstehung – vom Aufsammeln von Masse durch Kollision mit anderen Himmelskörpern von hohen Temperaturen und heftigem Vulkanismus bestimmt gewesen war. Derzeit ginge es allerdings geordneter zu, so geordnet, dass man recht gut abschätzen könne, wie häufig mit einem Einschlag eines Asteroiden der Größe zu rechnen sei, der seinerzeit den Dinosauriern keine Gelegenheit mehr für einen „Rapid Response“ gelassen hatte: Etwa alle 300 Millionen Jahre – ohne Gewähr – und somit ausreichend Gelegenheit, die zahlreichen erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems zu erforschen, auch die in der sogenannten Goldilocks Zone, einer Entfernung zum Zentralgestirn, die organisches Leben erlaubt. Ob wir allerdings jemals mit außerirdischer Intelligenz würden telefonieren können, sei angesichts der Entfernungen im Weltall eher unwahrscheinlich, denn nur 500 Lichtjahre entfernte Intelligenz – in kosmischen Maßstäben unmittelbare Nachbarschaft – ließe immerhin 1.000 Jahre auf eine Antwort warten.

Vortrag im Hayden Planetarium des American Museum of Natural History

Am Tag zuvor hatte Professor Hasinger im beinahe ausverkauften Hayden Planetarium des American Museum of Natural History zum Thema „Black Holes and the Fate of the Universe“ gesprochen, ein Thema, das er - seit 2011 als Leiter des IfA - auch weiterhin intensiv beforscht. Schwarze Löcher seien bei näherer Betrachtung trivial, sie seien zahlreich und kosmologisch aussagekräftig. Trivial, da bei bekannter Masse für jedes Objekt, also auch für jeden Menschen, der sogenannte Schwarzschild-Radius berechnet werden könne, unterhalb dessen kein Licht mehr entweichen kann. Menschen müssten dazu „nur“ auf den zehn millonsten Radius eines Protons zusammengedrückt werden, unsere Sonne auf den Radius von drei Kilometern. Eine beinahe unvorstellbare Verdichtung von Masse, vermutlich im Zentrum einer jeder jeden Galaxie und somit sehr häufig zu finden, viel älter als Galaxien und je größer, desto hungriger nach noch mehr Masse. Entstanden am Ende des Lebenszyklus von Sternen, die massereicher sind als das 30-fache unserer Sonne, bilde die „Ernährung“ Schwarzer Löcher ein Problem, auf das die Natur mehrere Antworten gefunden habe und von denen röntgenteleskopische Untersuchungen der Randgebiete die zur Zeit besten Zeugnisse liefere. So lasse sich etwa zeigen, wie kleinere Zwischenmahlzeiten in Form intergalaktischer Staubwolken in Schwarze Löcher stürzten, wie ganze Sonnen durch die Gravitation Schwarzer Löcher zerlegt und „verspeist“ würden und schließlich wie es auch zu einer „Vermählung“ zweier Galaxien und ihrer jeweiligen Schwarzen Löcher kommen könne, die man sich im wahrsten Sinne des Wortes als zerreißend vorstellen müsse. Schwarze Löcher würden kosmologisch betrachtet aber auch einen durchaus friedlichen Aspekt bieten, denn sie seien es, die lange nach dem Verschwinden der letzten Galaxien im sich ausdehnenden Universum übrig blieben.

Hasinger im Gespräch mit Schülern der Deutschen Schule in New York

Abgerundet wurde der Aufenthalt von Professor Hasinger in New York durch einen Besuch der Deutschen Schule, wo neben astronomischen Fragen auch die berechtigte Frage der Schüler im Zentrum stand: Wie wird man eigentlich zum Forscher? Die zusammenfassende Antwort des Leibniz-Preisträgers: „Folgt der Neugier und eignet euch Werkzeuge zur Befriedigung derselben an, zum Beispiel die der Wissenschaft.“