Internationales

Ein intellektuelles Feuerwerk

2. April 2012 Leibniz-Lecture

Noch wenige Minuten vor der Veranstaltung am 2. April 2012 gingen Anmeldungen ein, mussten Listen neu geschrieben, Zu- und Absagen verschickt, das Sicherheitspersonal informiert werden. Aber weder hatte sich die neueste Pop-Band angesagt, noch ein hochrangiger Politiker aus Deutschland! Der Star, den alle hören wollten, war Günter M. Ziegler, Professor für Mathematik an der Freien Unversität Berlin, Leibniz-Preisträger des Jahres 2001 und Communicator-Preisträger 2008.

Professor Günter M. Ziegler beim Vortrag

Das New Yorker DFG-Büro hatte den 48-jährigen Mathematiker eingeladen, den Auftakt der „Leibniz-Lecture Series 2012“ zu übernehmen, mit der die DFG exzellente deutsche Wissenschaft im Ausland präsentiert. Die strenge Auswahl für den Leibniz-Preis als dem höchstdotierten deutschen Wissenschaftspreis ist Garant für besondere Qualität. Wenn – wie im Falle von Günter Ziegler – noch die kommunikative Begabung hinzu kommt, ist ein intellektuelles Feuerwerk fast schon vorprogrammiert.

Dennoch war die Reaktion auf die Einladung zum Thema: „Das ist doch keine Kunst! Ten Images from Mathematics“ im German House in New York überwältigend. Im Gebäude mit der Adresse United Nations Plaza, Sitz der Deutschen Vertretung bei den Vereinten Nationen und des Generalkonsulats New York, unterhalten auch eine Reihe von Wissenschaftsorganisationen, darunter die DFG, ihre Büros. Das Auditorium im German House ist ein inzwischen bekannter und eingespielter Ort für Veranstaltungen und Vorträge aus der Wissenschaft, die fast immer in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) New York durchgeführt werden.

In seinem gut einstündigen Vortrag berührte Ziegler immer wieder Schnittmengen zwischen Mathematik und Kunst – beginnend mit einer Darstellung aus dem Geometrie-Buch von Albrecht Dürer. Er spannte den Bogen von einer ästhetisch „richtigen“, doch mathematisch falschen Grafik Leonardo da Vincis über den Sinn und Unsinn von mathematischen Gleichungen bis hin zu den Borromäischen Ringen – eine durchgängige Hommage an die Mathematik als Königin der Wissenschaft. Auch einen gezielten forschungspolitischen Seitenhieb platzierte der Leibniz-Preisträger am Ende seines Vortrags, als er gekonnt die These des Bremer Hirnforschers Gerhard Roth widerlegte, dass das männliche Hirn besser als das weibliche für die Mathematik geeignet sei.

Günter M. Ziegler (m.) beim MathEncounter mit Cindy Lawrence und Glen Whitney vom MoMath

Ziegler beim MathEncounter

Den zweiten öffentlichen Vortrag hielt Günter M. Ziegler im Rahmen des sogenannten MathEncounter, einer monatlichen Veranstaltung der Initiatoren des MoMath, des ersten Mathematik-Museums in den USA, das im Dezember 2012 in Manhattan eröffnet werden wird. In der Aula des Baruch College, State University of New York, hatten sich rund 350 Mathe-begeisterte Zuhörer aller Altersgruppen versammelt, um den Vortrag „Proofs from THE BOOK: Putting the Pieces Together“ zu hören. Es ging um Beweise und Belege, um die Frage, was ein mathematischer Beweis will, um die Absolutheit von Beweisen. An großen runden Tischen saßen die Zuhörer und legten selber Hand an – in der Mitte lagen Scheren für alle, an jedem Platz Arbeitsblätter zum Ausschneiden. Dominos, Pentominos sollten auf verschiedenen Varianten von Schachbrettern arrangiert werden, konkret im wahrsten Sinne des Wortes eine Passung „belegt“ werden oder eben die Erkenntnis, dass es nicht passend geht. Am Ende gab es ein Lösungsblatt zum Mitnehmen.

Die Einführung zu dieser Veranstaltung hatte James Simons übernommen, pensionierter Mathematiker und erfolgreicher  Hedge-Fonds-Manager, der die Initiative für ein Mathematik-Museum tat- und finanzkräftig unterstützt.

Präzise, scharfsinnig, unterhaltsam  - und der beste Botschafter für die Berliner Mathematik mit ihren DFG-Exzellenzprojekten - so wird Günter Ziegler seinem New Yorker Publikum in Erinnerung bleiben. Wiederholung erwünscht!

Eva-Maria Streier