Promovierenden-Austausch in Bonn

„Promovierende und Postdocs sind Taktgeber innovativer Forschungsansätze“

September 2022 I Förderung von Forschenden in frühen Karrierephasen

Premiere in Bonn: Erstmals haben sich auf Einladung der DFG in Graduiertenkollegs geförderte Promovierende mit Alumni und Gremienmitgliedern getroffen.

Rund 70 Promovierenden aus Graduiertenkollegs sowie einzelne Alumni, Mitglieder des Senatsausschuss für die Graduiertenkollegs, des Senats und der DFG-Geschäftsstelle trafen sich in Bonn zu einem Austausch

Wie blicken Promovierende in DFG-geförderten Graduiertenkollegs auf Karrierebedingungen und -perspektiven, sowohl inner- als auch außerhalb der Wissenschaft? Welche Auswirkungen hatte die Coronavirus-Pandemie auf ihre wissenschaftliche Arbeit? Und wie bewerten sie Graduiertenkollegs –was gefällt daran besonders gut und wo sehen sie noch Verbesserungsbedarf? Die DFG hat zum ersten Mal die Geförderten in Graduiertenkollegs, eines seit über 30 Jahren von ihr erfolgreich angebotenen Förderprogramms, eingeladen, um zu diesen und weiteren Fragen Austausch zu ermöglichen. Gleichzeitig sollte es auch Möglichkeiten zur Vernetzung untereinander sowie mit Programm-Alumni und DFG-Gremienmitgliedern geben.

Die DFG hat daher von allen Universitäten mit mindestens einem aktuell in der Förderung befindlichen Graduiertenkolleg jeweils eine Person zum Promovierenden-Austausch nach Bonn eingeladen. Ursprünglich war dieses Gesprächsformat bereits zum 30. Jubiläum des Graduiertenkolleg-Programms im Jahr 2020 geplant, bei dem die Promovierenden im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen sollten. Pandemiebedingt musste das Treffen jedoch auf den 13. September 2022 verschoben werden – der DFG war es wichtig, den ersten Austausch dieser Art nicht virtuell, sondern in Präsenz abzuhalten.

Eröffnet wurde die Veranstaltung im Uniclub Bonn von DFG-Abteilungsleiterin Ulrike Eickhoff, die neben rund 70 Promovierenden auch ausgewählte Alumni sowie Mitglieder des Senatsausschuss für die Graduiertenkollegs, des Senats und der DFG-Geschäftsstelle begrüßen konnte. Sie betonte, wie wichtig es der DFG sei, einen Vertrauensraum zu schaffen: „Gerade Promovierende und Postdocs sind Taktgeber innovativer Forschungsansätze und gehen unverzagt neue, eigene Wege. Doch genau hierfür benötigen Sie besonders geschützte Vertrauensräume, in denen es leichtfällt, ungewohnte oder gar unbequeme Fragen zu stellen, die Sicherheit bekannter Antworten zu verlassen und gemeinsam neues Wissen zu wagen.“ Ebenjenen Vertrauens- und Entfaltungsraum stelle die DFG Promovierenden gerne zur Verfügung. „Um dies tun zu können, ist es uns so wichtig, Sie mit Ihren Wünschen, Fragen und vielleicht auch Nöten besser kennenzulernen. Und weil Vertrauen immer auf Gegenseitigkeit beruht, hoffen wir umkehrt, dass auch Sie die DFG als Ihre persönliche Förderorganisation ein wenig besser kennenlernen“, so Eickhoff weiter.

Die Promovierenden tauschten sich in Kleingruppen zu Themen wie Karriereperspektiven, Folgen der Pandemie oder Wissenschaftskommunikation aus

Im Anschluss tauschten sich die Promovierenden in Kleingruppen zu insgesamt fünf Themenkomplexen aus: Neben der Frage nach Karriereperspektiven und den Folgen und Lehren der Pandemie ging es um Betreuung in der Promotion, um das weite Feld der Wissenschaftskommunikation und um Internationalisierung. Um die Inhalte der Diskussionen auf die Gesprächsbedarfe ausrichten zu können, hatten die Promovierenden im Vorfeld der Veranstaltung die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte innerhalb der Themenbereiche zu setzen. In Wrap Up-Sessions fassten sie selbst am Ende die Ergebnisse der Diskussionsrunden zusammen. Sie äußerten darin etwa den Wunsch, an den Universitäten mehr englischsprachige Veranstaltungen, mehr Zeit für internationale Forschungsaufenthalte sowie mehr Unterstützung für nicht-deutsche Promovierende zu haben. Auch gab es die Forderung nach mehr Anerkennung des Aufwands in der Kommunikation wissenschaftlicher Inhalte an die breite Bevölkerung. Mit Blick auf das Betreuungsverhältnis wurden unter anderem die Vor- und Nachteile einer Trennung von Betreuung und Benotung benannt. Das Thema „Netzwerke“ kam sowohl mit Blick auf die Karrierebedingungen inner- und außerhalb der Wissenschaft, als auch in Bezug auf das Thema Internationalisierung zur Sprache: Ein Aspekt, der sich gerade durch die Pandemie für diese Karrierephase besonders schwierig darstellte, wie im Rahmen der Diskussion zu den Folgen und Lehren der Pandemie einmal mehr deutlich wurde.

Die Veranstaltung bot insgesamt wertvolle Einblicke hinsichtlich der aktuellen Situation der Promovierenden und der Rahmenbedingungen, in der ihre Promotionen innerhalb eines Graduiertenkollegs entstehen. Armin Krawisch, Leiter der Gruppe Graduiertenkollegs und Karriereförderung in der DFG, bedankte sich in seinem Schlusswort denn auch für die beeindruckend offenen und konstruktiven Diskussionen: Die DFG-Geschäftsstelle habe auf diese Weise viele Anregungen und Hinweise zur Arbeitssituation in der Promotionsphase zusammentragen können.