Aus der DFG

Mit Augenmaß

16. Juni 2016 Veranstaltungsbericht

„Evaluationsstudien haben sich heute als selbstverständlicher Teil des Lern- und Qualitätssicherungsprozesses von Wissenschafts- und Förderorganisationen etabliert“, unterstrich DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek gleich zu Beginn der Tagung „Evaluation der Förderung von Wissenschaft und Forschung – Rückblick, Einblick, Ausblick“ am 16. Juni 2016 in Bonn.

Workshop zur „Evaluation der Förderung von Wissenschaft und Forschung“ in Bonn:  ein Blick in das konzentrierte Auditorium

Und sie setzte hinzu: „Unübersehbar ist zugleich, dass sich seit einigen Jahren auch die Anforderungen und Ansprüche an Evaluationen verändern.“ Damit war nicht weniger als der Spannungsbogen benannt, unter dem die nachfolgenden Diskussionen standen. Anliegen und Ziel der Veranstaltung war es, den über 70 geladenen Evaluationsexpertinnen und -experten Raum zum Austausch von Erfahrungen, zur Reflexion des „State of the Art“ und zur gemeinsamen Diskussion offener Herausforderungen zu bieten. Getragen wurde die Veranstaltung gemeinsam von der Alexander von Humboldt-Stiftung, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der VolkswagenStiftung.

DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Der Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Wilhelm Krull, beschrieb einführend die Entwicklungslinien. Im Rückblick verdankten sich Evaluationen und institutionelle Lernprozesse aus seiner Sicht einer „Kultur des Vertrauens“, die auch vor Fehlern nicht zurückscheue. Thomas Widmer von der Universität Zürich näherte sich unter dem Titel „Evaluation – Profession oder Disziplin“ der Evaluationspraxis im Wandel. Dabei wies er darauf hin, dass die Kapazitäten zur Verarbeitung von Evaluationsergebnissen beschränkt seien. Evaluationen sollten deshalb nur zielgerichtet und mit klarem Fokus eingesetzt werden. Nur so könnten sie als Beitrag zu einer Bewertung und nicht als Automatismus zur Steuerung von Förderhandeln dienen.

Katharina Warta, die Obfrau der österreichischen Plattform Forschungs- und Technologieevaluierung und Senior Consultant bei Technopolis, wiederum berichtete über die Anstöße der seit 20 Jahren bestehenden Plattform zur Professionalisierung und Vernetzung von Evaluationspraktikern und -auftraggebern in Österreich. Lutz Bornmann von der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft widmete sich der Frage, ob und wie der gesellschaftliche „Impact“ von Forschung zu messen sei. So stellte er alternative Metriken vor, die ihren Fokus unter anderem auf der Nennung von wissenschaftlichen Publikationen in sozialen Medien und Netzwerken haben. Das wurde im Plenum unterschiedlich bewertet – und entfachte lebhafte Diskussionen.

Eine Besonderheit des Workshops war das graphic recording durch Susanne Ferrari

Anschließend reflektierte Stefan Kuhlmann von der Universität Twente über Nutzen, Möglichkeiten und Risiken der Evaluation von Forschung und diagnostizierte eine Spannung zwischen „evidence-based research policy“ und „policy-based evidence“.

Insgesamt zeigte die Tagung, dass die Evaluation von Forschungsförderung heute ein professionell organisiertes und wissenschaftlich angebundenes Arbeitsfeld innerhalb der Förderorganisationen ist. Evaluationen mit Augenmaß können einen wichtigen Beitrag zur Selbstreflexion leisten. Mit anderen Worten: Evaluationen sind längst fester Bestandteil der „good governance“ moderner Förderorganisationen.

Blickfang der nicht alltäglichen Art: Am Ende des Workshops sind Ergebnisse und Fragen auf einem großen Wandposter zu finden