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3.1
USA
Die weitaus meisten in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gewordenen Vor-
würfe wissenschaftlicher Unredlichkeit sind in den USA erhoben (und zu einem
kleineren Teil auch bestätigt) worden. Die Verhältnisse dort sind gut zugänglich
dokumentiert (26, 39) und müssen daher hier nur kurz zusammengefasst werden.
Aufgrund der Besonderheiten der Finanzierungsstruktur der akademischen
Forschung in den USA war bei sämtlichen Fällen wissenschaftlichen Fehlver-
haltens, die seit dem Ende der 1970er-Jahre bis in die Gegenwart dort öffentlich
diskutiert worden sind, mindestens eine der beiden großen nationalen Förder-
organisationen involviert. Dies sind
die National Science Foundation (NSF), die seit 1950 mit einem Jahres­
etat von rund 4 Mrd. Dollar (Stand 2012: 7 Mrd. Dollar) Forschung vor al-
lem in den Ingenieur- und Naturwissenschaften, aber auch in den Verhal-
tenswissenschaften (einschließlich der Linguistik, der Psychologie und der
Sozial­wissenschaften) fördert, daneben Programme zur Ausbildung in den
Natur­wissenschaften betreibt. Sie ist eine selbstständige Bundesbehörde, die
keinem Ressort zugeordnet ist;
die National Institutes of Health (NIH), deren Anfänge bis ins Jahr 1888 zu-
rückgehen und die unter ihrem heutigen Namen seit 1948 bestehen (72); sie
betreiben in 13 (Stand 2013: 21) eigenen Instituten biologische und medizi-
nische Forschung, sind aber zugleich mit einem Anteil von rund 80 Prozent
Projektmitteln an ihrem Gesamtetat von fast 14 Mrd. Dollar (Stand 2012: 30
Mrd. Dollar) die größte Forschungsförderorganisation der Welt. Sie sind eine
Bundesbehörde im Geschäftsbereich des Department of Health and Human
Services (DHHS).
Die NSF (1987) und die NIH (1989) haben ähnliche, aber nicht identische Defi-
nitionen von „scientific misconduct“ und Regeln zum Umgang damit veröffent-
licht. Sie sind für alle Institutionen bindend, die Fördermittel in Anspruch neh-
men wollen. Diese müssen nachweisen, dass sie ein internes Verfahren etabliert
haben, wie mit Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens umgegangen wird.
Die Verantwortung für die Behandlung von Vorwürfen liegt damit in erster
Linie bei den Universitäten (ebenso: Forschungsinstituten, Unternehmen etc.).
Die großenteils nach einem von der Association of American Universities aus-
gearbeiteten Muster (73) entwickelten Regeln sehen typischerweise ein zwei-
stufiges Verfahren vor:
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Internationale Erfahrungen
Grundlage der Kommissionsarbeit 1997 –