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Empfehlungen
Vorbemerkung
Der Anlass, der die Kommission im Jahr 1997 zusammengeführt hat, war ein
besonders schwerwiegender Fall wissenschaftlichen Fehlverhaltens (1). Er
führte zu einer breiten Diskussion in Politik, Administration und Öffentlichkeit
darüber, ob Vergleichbares häufiger vorkommt und ob die Wissenschaft in ihren
Institutionen über hinreichende Kontrollmechanismen zur Qualitätssicherung
verfügt. Wie konnte es geschehen, dass sie über so lange Zeit außer Funktion
gesetzt wurden? Fast alle betroffenen wissenschaftlichen Arbeiten erschienen
in internationalen Zeitschriften mit Gutachtersystem. Bei allen Promotionen,
Habilitationen und Berufungen wurden die gängigen Kontrollmechanismen
der Selbstergänzung der wissenschaftlichen Gemeinschaft ohne formale Fehler
in Tätigkeit gesetzt, ohne dass Unregelmäßigkeiten entdeckt wurden. Gleiches
galt für Anträge auf Fördermittel bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(
DFG) und bei anderen Förderorganisationen über lange Zeit.
Weitere Fragen schlossen sich an: Ist ein Eingreifen des Staates, sind neue Rege-
lungen erforderlich, um die staatlich finanzierte Wissenschaft und die auf ihre Er-
gebnisse angewiesene Öffentlichkeit vor missbräuchlichen Praktiken zu schützen?
Nach bestemWissen und gestützt auf alle greifbaren Erfahrungen in anderen
Ländern können diese Fragen so beantwortet werden: Wissenschaftliche Arbeit
beruht auf Grundprinzipien, die in allen Ländern und in allen wissenschaftli-
chen Disziplinen gleich sind. Allen voran steht die Ehrlichkeit gegenüber sich
selbst und anderen. Sie ist zugleich ethische Norm und Grundlage der von Dis-
ziplin zu Disziplin verschiedenen Regeln wissenschaftlicher Professionalität, das
heißt guter wissenschaftlicher Praxis. Sie den Studierenden und dem wissen-
schaftlichen Nachwuchs zu vermitteln, gehört zu den Kernaufgaben der Hoch-
schulen. Die Voraussetzungen für ihre Geltung und Anwendung in der Praxis
zu sichern, ist eine Kernaufgabe der Selbstverwaltung der Wissenschaft. Der
hohe Leistungsstand des Wissenschaftssystems macht täglich erfahrbar, dass die
Grundprinzipien guter wissenschaftlicher Praxis erfolgreich angewendet wer-
den. Gravierende Fälle wissenschaftlicher Unredlichkeit sind seltene Ereignisse.
Jeder Fall, der vorkommt, ist aber ein Fall zu viel; denn nicht nur widerspricht
Unredlichkeit – anders als der Irrtum – fundamental den Grundsätzen und dem
Wesen wissenschaftlicher Arbeit; sie ist auch für die Wissenschaft selbst eine
große Gefahr. Sie kann das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft
ebenso untergraben wie das Vertrauen der Wissenschaftlerinnen und Wissen-
schaftler untereinander zerstören, ohne das erfolgreiche wissenschaftliche Ar-
beit nicht möglich ist.