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Vorwort zur ergänzten Auflage
Wissenschaft gründet auf Redlichkeit. Diese ist eines der wesentlichen Prinzipien
guter wissenschaftlicher Praxis und damit jeder wissenschaftlichen Arbeit. Nur
redliche Wissenschaft kann letztlich produktive Wissenschaft sein und zu neuem
Wissen führen. Unredlichkeit hingegen gefährdet die Wissenschaft. Sie zerstört
das Vertrauen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untereinander so-
wie das Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaft, ohne das wissenschaftli-
che Arbeit ebenfalls nicht denkbar ist.
Redlichkeit zur Richtschnur ihres Denkens und Handelns zu machen, ist die Auf-
gabe und Verpflichtung eines jeden einzelnen Wissenschaftlers und einer jeden ein-
zelnen Wissenschaftlerin. Ihre Bedeutung und Bandbreite zu erfassen und zu formu-
lieren, die Voraussetzungen für ihre Geltung und Anwendung zu sichern und dort,
wo es notwendig ist, auch Vorkehrungen gegen Verstöße zu treffen, ist die Pflicht der
Wissenschaft als Gesamtsystem und zugleich ein zentrales Element ihrer Selbstver-
waltung. Nur die Wissenschaft selbst kann, nicht zuletzt durch organisations- und
verfahrensrechtliche Regelungen, gute wissenschaftliche Praxis gewährleisten.
In diesem Sinne hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) als die zen-
trale Selbstverwaltungsorganisation für die Wissenschaft in Deutschland 1997
erstmals ihre Denkschrift „Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher
Praxis“ formuliert. Diese Empfehlungen, die auf der Arbeit einer internationa-
len Expertenkommission gründeten und nicht zuletzt eine Reaktion auf den bis
dato gravierendsten Fall von wissenschaftlichem Fehlverhalten in Deutschland
darstellten, waren als handlungsleitende Maßstäbe angelegt und haben sich als
solche bewährt; auf ihrer Grundlage wurde in allen verfassten Institutionen der
Wissenschaft ein System der Selbstkontrolle initiiert, das seitdem breiten Konsens
findet. Allgegenwärtig sind sie auch in der täglichen Forschungsförderung durch
die DFG; jeder Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin, die einen Antrag auf
Förderung bei der DFG stellen, verpflichten sich zur Einhaltung der Regeln guter
wissenschaftlicher Praxis.
Fast 16 Jahre später legt die DFG ihre Empfehlungen nunmehr in einer in ein-
zelnen Punkten ergänzten und aktualisierten Form vor. Hierfür gibt es verschie-
dene Beweggründe. Anders als zunächst vielleicht zu vermuten und mitunter
auch unterstellt, waren jedoch weder einzelne und besonders öffentlichkeitswirk-
same Fälle von wissenschaftlichem Fehlverhalten noch eine oft angenommene,
tatsächlich so jedoch nicht feststellbare signifikante Häufung wissenschaftlichen
Fehlverhaltens ausschlaggebend. Vielmehr entwickelt sich der Reflexions- und
Diskussionsprozess zu diesem Thema in der Wissenschaft und auch in den Wis-
senschaftsorganisationen weiter, sind einzelne Facetten neu hinzugekommen
oder haben neue oder andere Bedeutung gewonnen.