Förderatlas 2015 - page 73

71
3.6 Deutschland als polyzentrischer Forschungsraum
zept zum Einsatz. Die zuletzt gewählte Me­
thode, Kreise und kreisfreie Städte sowie
teilweise zusammengeführte Ballungszen­
tren (beispielsweise Ruhrgebiet) als Analyse­
einheit zu betrachten, wird in die Raumord­
nungsregionen (ROR) des Bundesinstituts
für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)
überführt
6
. Mit insgesamt 96 solcher Regio­
nen erfolgt die Betrachtung in diesem Förder-
atlas insgesamt großräumig (die Zahl der un­
terschiedenen Kreise und kreisfreien Städte
lag zum 31.12.2012 bei 402).
Nach eingehender Prüfung verschiedener
Konzepte wie etwa den NUTS-Regionen
7
der
Europäischen Raumbeobachtung sprach
eine Reihe von Argumenten für das ROR-
Konzept. Die Raumordnungsregionen die­
nen generell als Beobachtungs- und Analyse­
raster für die räumliche Berichterstattung.
Dabei stellen, mit Ausnahme der Stadtstaa­
ten, die Raumordnungsregionen großräu­
mige funktional abgegrenzte Raumeinheiten
dar, die im Prinzip durch ein ökonomisches
Zentrum und sein Umland beschrieben wer­
den. Sie ermöglichen die flächendeckende
Klassifizierung der Bundesrepublik und er­
lauben, auf Daten unterschiedlicher Herkunft
Bezug zu nehmen. Da sie jeweils vollständig
deckungsgleich mit den administrativen
Grenzen einer Stadt oder mehrerer Städte
und Kreise sind
8
, lassen sich ROR-Daten zu
Daten dieser Kreise/Städte im Aggregat in
Beziehung setzen. In umgekehrter Richtung
sind die Raumordnungsregionen länder­
scharf, jede dieser Regionen ist in genau ei­
nem Bundesland verortet.
Die im Förderatlas verwendeten ROR-Be­
zeichnungen entsprechen der vom BBSR ent­
wickelten Nomenklatur. Im Mittel weisen die
Raumordnungsregionen (Stand 31.12.2012)
eine Bevölkerung von rund 800.000 Perso­
nen auf; größte Region ist Berlin mit 3,3 Mil­
lionen Einwohnern, kleinste Region ist die
Altmark in Brandenburg mit 200.000 Ein­
wohnern.
6
Vgl.
beziehungsweise
.
7
Nomenclature des unités territoriales statistiques.
Siehe auch
Einen Überblick zu dieser und weiteren
Raumordnungssystematiken bietet GESIS, 2013.
8
Eine Liste sowie eine Übersicht der Stadt- und Land-
kreise mit ihrer Zuordnung zu den Raumordnungs­
regionen finden sich unte
3.6.2 Regionale Ansiedlung und Dichte
von Forschungseinrichtungen
Abbildung 3-6 zeigt die 96 Raumordnungsre­
gionen im Überblick. In Anlehnung an die in
Abbildung 3-1 ausgewiesene Standortkarte
macht sie weiterhin deutlich, in welchem
Umfang die verschiedenen Regionen durch
Forschungsinfrastrukturen geprägt sind.
Auch hier bildet die Einrichtungsdatenbank
9
der DFG die Analysegrundlage, allerdings
kommt ein anderer methodischer Ansatz
zum Tragen. Um Regionen hinsichtlich ihrer
forschungsbezogenen Standortdichte ver­
gleichbar zu machen, weist die Grafik nicht
die Zahl ihrer nach Einrichtungsart unter­
schiedenen Einrichtungen pro Ort aus, son­
dern informiert in abstrahierender Form so­
genannter „Heat Maps“ über deren regionale
Streuung. Auf diese Weise lassen sich bei­
spielsweise Aussagen zur Frage treffen, ob
Regionen eher durch lokal stark fokussierte
Einzelstandorte geprägt sind oder ob sie in der
Fläche über eine breite Streuung von For­
schungsstandorten verfügen. Festgestellt
wird so auch, an welchen Orten die Einrich­
tungen einer Region maßgeblich die For­
schungslandschaft innerhalb dieser Region
prägen beziehungsweise an welchen Orten
Verdichtungszentren Strukturen schaffen, die
auch über Regionengrenzen hinausreichen
10
.
Die Dichte von Forschungsstandorten in
den Regionen wird visualisiert, indem sämt­
liche Adressen der in der DFGEinrichtungs­
datenbank erfassten Institute an Hochschulen
und außeruniversitären Forschungseinrich­
tungen zugrunde gelegt wurden (rund 28.000
Einheiten, Januar 2015). Die
LMU Mün-
chen
beispielsweise geht so nicht, wie in Ab­
bildung 31, allein mit ihrer zentralen An­
schrift GeschwisterSchollPlatz1 in die kar­
tografische Darstellung ein, sondern mit den
Adressen aller zum Zeitpunkt der Betrach­
tung erfassten Fakultäten, Institute, Einrich­
tungen und Außenstellen; so beispielsweise
auch mit dem Lehr und Versuchsgut Ober­
schleißheim, das etwa 23 Kilometer Luftlinie
nördlich von der Zentralverwaltung angesie­
delt ist. Neben der
LMU Münche
n liegen der
Region München auch alle weiteren Hoch­
schulen sowie die in der Datenbank erfassten
9
Siehe auch das Methodenglossar im Anhang unter
dem Stichwort „DFG-Einrichtungsdatenbank“.
10
Siehe auch das Methodenglossar im Anhang unter
dem Stichwort „Regionen“.
1...,63,64,65,66,67,68,69,70,71,72 74,75,76,77,78,79,80,81,82,83,...199
Powered by FlippingBook