Förderatlas 2015 - page 42

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2 Öffentlich geförderte Forschung in Deutschland – ein Überblick
bereich sowie auf die Schaffung eines euro-
päischen Arbeitsmarkts für Forscherinnen
und Forscher. Dazu werden unter anderem
Individualstipendien für erfahrene Forscher
(Postdoktoranden) vergeben; mit den Initial
Training Networks wird der Auf- und Ausbau
der strukturierten Doktorandenausbildung in
Europa gefördert. Mit COFUND können nati-
onale Stipendienprogramme mit grenzüber-
schreitender Ausrichtung zudem eine euro-
päische Ko-Finanzierung einwerben.
Den Analysen des Förderatlas liegen insge-
samt circa 9.900 Bewilligungen von Marie-
Curie-Maßnahmen zugrunde. Sie machen,
bezogen auf die Anzahl der Verträge, über 40
Prozent aller im Berichtszeitraum geschlosse-
nen Bewilligungen aus. Dabei handelt es sich
überwiegend um Individualstipendien zur
Förderung der geografischen oder sektoralen
Mobilität von Forscherinnen und Forschern.
2.3.4 Europäischer Forschungsrat (ERC)
Als Bestandteil der EU-Forschungsrahmen-
programme ist der Europäische Forschungs-
rat (European Research Council, ERC) dezi-
diert für die Förderung der Grundlagenfor-
schung (Frontier Research) auf europäischer
Ebene zuständig. Im laufenden Forschungs-
rahmenprogramm HORIZON 2020 (2014 bis
2020) sind für den ERC insgesamt Mittel von
etwa 13 Milliarden Euro vorgesehen.
Entscheidend für die Begutachtung und
Bewilligung der Projektanträge ist allein die
wissenschaftliche Exzellenz sowohl der an-
tragstellenden Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler als auch der beabsichtigten
Forschungsvorhaben. Das Ziel der hier be-
trachteten ERC-Programmlinien (Starting,
Consolidator und Advanced Grant) besteht in
der Individualförderung herausragender For-
scherinnen und Forscher. Der ERC Starting
Grant richtet sich an jüngere Wissenschaftle-
rinnen und Wissenschaftler. Bereits in ihrer
Karriereentwicklung weiter vorangeschritte-
ne Forscherinnen und Forscher können sich
um den ERC Consolidator Grant bewerben.
Die Zielgruppe des ERC Advanced Grant sind
bereits etablierte Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler.
Antragsberechtigt beim ERC sind Forsche-
rinnen und Forscher jeder Nationalität – aller-
dings müssen ERC-Geförderte (zumindest
teilweise) an Forschungsstandorten in einem
EU-Staat oder in einem assoziierten Staat
(zum Beispiel Schweiz, Norwegen oder Israel)
tätig sein. Es ist zudem möglich, mit einem
ERC Grant auch während der laufenden För-
derung an eine andere Forschungseinrich-
tung innerhalb Europas zu wechseln.
Die Darstellung der ERC-Bewilligungen für
den Berichtszeitraum 2007 bis 2013 erfolgt
zweigeteilt:
Nach dem Herkunftsland (Nationalität)
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der Geförderten: Diese Betrachtung lässt
Rückschlüsse auf die Kapazitäten der je-
weiligen nationalen Wissenschaftssysteme
bei der Ausbildung beziehungsweise Un-
terstützung junger Forscherinnen und For-
scher zu.
Nach den Zielländern der Geförderten:
Diese Betrachtung veranschaulicht die At-
traktivität beziehungsweise Wettbewerbs-
fähigkeit der aufnehmenden Forschungs-
einrichtungen im internationalen Ver-
gleich.
Deutschland – als Ausgangsbasis von
ERC-Geförderten weiterhin führend
Im Hinblick auf das Herkunftsland der ERC
Grantees steht Deutschland mit insgesamt
654 ERC-geförderten Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern wie bereits in den vor-
herigen Berichtszeiträumen an erster Stelle
(vgl. Tabelle 2-7), ebenfalls unverändert ge-
folgt von Großbritannien (569 ERC Grantees)
und Frankreich (453 ERC Grantees). Erwäh-
nenswert ist zudem, dass im Berichtszeitraum
117 ERC-Geförderte aus den USA nach Euro-
pa gekommen sind. Dies ist auch den dezi-
dierten Informationskampagnen zu verdan-
ken, die der ERC in Nordamerika, aber auch
in anderen ausgewählten Zielregionen (Aus-
tralien, Brasilien, China, Indien, Neuseeland
oder Südafrika) durchführt.
Erneut bemerkenswert ist zudem die
hohe Anzahl von ERC Grantees aus ver-
gleichsweise kleinen, aber forschungsstar-
ken Ländern wie den Niederlanden (302
ERC Grantees) oder Israel (241 ERC Gran-
tees) – aus diesen beiden Ländern kommen
damit allein circa 13 Prozent aller ERC-Ge-
förderten.
Eine gesonderte Betrachtung nach Förder-
linien zeigt, dass Deutschlands führende Posi-
11
Der Begriff „Herkunftsland“ bezieht sich hier auf
die Nationalität der Geförderten. In den meisten
Fällen entspricht das Land, dessen Nationalität sie
angehören, dem Land, in dessen Wissenschaftssys-
tem sie ausgebildet wurden.
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