Förderatlas 2015 - page 176

174
5 Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Exzellenzinitiative
sophie positioniert sich klar als Fachrichtung
mit den meisten Innen- und Außenbezie-
hungen (zu 36 anderen Fachrichtungen, da-
von sechs aus dem nicht geistes- und
sozialwissenschaftlichen Spektrum). Wäh-
rend die Psychologie wie im Falle der Gradu-
iertenschulen vornehmlich als Brückenfach
zur Neurowissenschaft und damit in den
lebenswissenschaftlichen Cluster fungiert,
positionieren sich die Wirtschaftswissen-
schaften und die Soziologie deutlicher als bei
den Graduiertenschulen als Brücke zum le-
benswissenschaftlichen sowie insbesondere
geowissenschaftlichen Fächerspektrum, das
auch hier eine klarer erkennbare Substruktur
ausbildet.
Im lebenswissenschaftlichen Fächerspekt-
rum bilden die beiden allgemein gefassten
Fachrichtungen Biologie und Medizin die
Brücke in den natur- und ingenieurwissen-
schaftlichen Fächer-Cluster. Dominiert wird
die Substruktur von der Biochemie, die auch
für die lebenswissenschaftlich geprägten Gra-
duiertenschulen eine wichtige Rolle spielt.
Strukturiert wird der lebenswissenschaftliche
Cluster von links kommend durch Fachrich-
tungen der Inneren Medizin (unter anderem
Chirurgie, Anatomie, Kardiologie), unten
durch Fachrichtungen der Molekularbiologie
(Strukturbiologie, Genetik) und rechts durch
einen wiederum kleinen Botanik-Block
(Pflanzenphysiologie,
Pflanzenwissenschaf-
ten).
Mit Abstand dominant für die Gesamt-
struktur ist im Falle der Exzellenzcluster die
Physik. Mit insgesamt genau 85 direkten Ver-
bindungen zu anderen Fachrichtungen bildet
sie weit vor der Chemie (55) und der eben-
falls dem Physik-Spektrum zugehörigen Bio-
physik (32) das Zentrum des Fächernetz-
werks. Dabei ist auch hier der hohe Grad der
Ausdifferenzierung des entsprechenden Fä-
cherspektrums zu beachten, die starke Positi-
onen auch der Quantenphysik und der Physi-
kalischen Chemie zuweist und auch die
Strukturwirkung weiterer kleiner Physik-Fä-
cher zeigt.
5.5 Fazit
Mit der Einrichtung der Exzellenzinitiative
waren hinsichtlich der Disziplinen im Wesent-
lichen zwei Zielsetzungen verbunden: Das
Förderinstrument sollte a) für alle Fachrich-
tungen offen sein und b) sollte es in besonde-
rer Weise den fachübergreifenden Austausch
fördern. Die in diesem abschließenden Kapitel
des Förderatlas vorgestellten Analysen weisen
darauf hin, dass beide Ziele erreicht wurden:
Das involvierte Fächerspektrum ist weit, es
deckt alle Wissenschaftsbereiche und eine gro-
ße Zahl an Fachgebieten ab. Die von der DFG
geförderte Zusammenarbeit erfolgt nicht auf
„disziplinären Inseln“, sondern ist – dies haben
vor allem die Netzwerkanalysen gezeigt – von
vielfältigen und unterschiedliche Akzente
setzenden Interaktionen von Wissenschaftle-
rinnen und Wissenschaftlern aus verschie-
densten fachlichen Kontexten geprägt. Dabei
kooperieren Vertreter verschiedener Fach-
richtungen nicht zufällig, sondern im Rah-
men clusterförmig geprägter fachlicher Sub-
strukturen mit klar definierten Zentren und
offenen Austauschbereichen zu jeweils ande-
ren Substrukturen. Neben einer starken Ver-
netzung zwischen Fachrichtungen innerhalb
der Wissenschaftsbereiche gibt es sowohl bei
den Graduiertenschulen als auch bei den Ex-
zellenzclustern eine Vielzahl von Fachrich-
tungen, die über die Wissenschaftsbereiche
hinaus interdisziplinäre Beziehungen aufbau-
en und somit als Brückenfächer zwischen den
großen Fachkulturen fungieren.
Graduiertenschulen und Exzellenzcluster
sind durch ein in der Regel breit streuendes
Spektrum an Fachbeteiligungen, meist über
mehrere Fachgebiete hinweg, geprägt. Beide
Förderlinien setzen je eigene Akzente, verfü-
gen aber über eine vergleichbare strukturier-
te Ordnung. Dezentrale und dabei selbst or-
ganisierte Interdisziplinarität folgt so zwar
Regeln, die fachübergreifender Zusammenar-
beit einen Rahmen gibt. Dieser Rahmen ist
aber nicht starr und lässt Raum auch für un-
konventionelle Kooperationen.
1...,166,167,168,169,170,171,172,173,174,175 177,178,179,180,181,182,183,184,185,186,...199
Powered by FlippingBook