Förderatlas 2015 - page 172

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5 Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Exzellenzinitiative
Fachrichtungen, eine große Beteiligung der
Geistes- und Sozialwissenschaften an den
Graduiertenschulen. Am häufigsten werden
für diesen Wissenschaftsbereich die Fachrich-
tungen Geschichtswissenschaften und Sozio-
logie genannt, und auch die Politikwissen-
schaft vereint eine größere Zahl Nennungen
auf sich. Aufseiten der Exzellenzcluster sind
diese Fachrichtungen weniger prominent
vertreten. Hier ist für die Geistes- und Sozial-
wissenschaften die Philosophie (mit insge-
samt sieben Nennungen) führend, auf Ethno-
logie und Soziologie entfallen jeweils fünf
Nennungen.
Zu den generell häufigsten Fachrichtungen
zählen in beiden Förderlinien die Biologie,
Chemie, Physik und Informatik – jeweils ein-
gedenk der Tatsache, dass hier immer auch
eine größere Zahl weiterer Fachrichtungen
zu subsummieren wäre, die in der Logik einer
hierarchisch strukturierten Fachklassifikation
als Subdisziplinen zu bezeichnen wären. Die
Übersicht gibt aber auch insofern einen Hin-
weis auf den hohen Stellenwert fachübergrei-
fenden Forschungshandelns, als sie vergleichs-
weise häufig Fachrichtungen ausweist, die in
ihrer Bezeichnung selbst klassische Diszipli-
nen zusammenführen – etwa im Falle der
Bioinformatik und der Physikalischen Che-
mie sowie der selbst schon „klassischen“ Bio-
chemie.
Der Vergleich zur Gesamtheit der von der
DFG angebotenen Koordinierten Programme
zeigt, dass diese etwas stärker durch Fachrich-
tungen der Lebenswissenschaften geprägt
sind. Sehr hoher Stellenwert kommt dort
etwa der Biochemie, aber beispielsweise auch
der Molekularbiologie oder der Zellbiologie
zu, die in den beiden Linien der Exzellenzini-
tiative nicht unter den häufigsten Fachrich-
tungen gelistet werden.
5.4 Struktureffekte
fachübergreifender
Zusammenarbeit
Die hier abschließend vorgestellten Netz-
werkanalysen bieten einen Eindruck von den
Strukturwirkungen, die aus der gemeinsa-
men Beteiligung von Fachrichtungen an Gra-
duiertenschulen und Exzellenzclustern resul-
tieren.
Die Netzwerkanalyse ist ein Verfahren, mit
dem es möglich ist, die Beziehungen zwi-
schen Entitäten zu untersuchen und mit gra-
fischen Techniken zu visualisieren. Abbildung
5-4 und Abbildung 5-5 liegen Kreuztabellen
zugrunde, die in ihren Zeilen und Spalten je-
weils 167 (GSC) beziehungsweise 180 (EXC)
Fachrichtungen auflisten. In der Zelle der
Matrix ist erfasst, in wie vielen Verbünden
zwei dergestalt in Beziehung gesetzte Fach-
richtungen gemeinsam vorkommen. Die Grö-
ße des Symbols einer Fachrichtung korres-
pondiert mit der Zahl der Beziehungen, die
diese zu anderen Fachrichtungen aufweist.
Dies lässt auf einen Blick erkennen, welche
Fachrichtungen für die Gesamtstruktur be-
sonders prägend sind. Die Stärke der Verbin-
dungslinien zwischen zwei Fachrichtungs-
symbolen („Knoten“) visualisiert die Häufig-
keit, mit der zwei Fachrichtungen jeweils ge-
meinsam an gefördeten Verbünden beteiligt
sind. Der Algorithmus, der den Abbildungen
zugrunde liegt, gruppiert Fachrichtungen mit
besonders intensiven Vernetzungen zu „Fach-
richtungs-Clustern“, weshalb auch die lokale
Anordnung von „Knoten“ in dem Diagramm
eine wichtige Information vermittelt: Je nä-
her diese zueinander angeordnet sind, desto
deutlicher handelt es sich um eine Substruk-
tur von besonders häufig interagierenden Fä-
chern
5
.
In der vergleichenden Betrachtung von
Abbildung 5-4 und Abbildung 5-5 ist zu-
nächst festzustellen, dass beide Graphen alle
an einer Förderlinie beteiligten Fachrichtun-
gen in ein gemeinsames Fächernetzwerk
einbinden. Es gibt also keine isolierten Fach-
richtungen und auch keine isolierten Fach-
richtungs-Cluster und somit auch keine „Fä-
cher-Inseln“, die nur untereinander, aber
nicht zu anderen fachlichen Umwelten in
Beziehung stehen. Weiterhin lassen beide
Netzwerke klare Substrukturen erkennen.
Rechts im Bild angesiedelt sind Fachrichtun-
gen des geistes- und sozialwissenschaftlichen
Fächerspektrums (gelb), links oben und eng
benachbart beziehungsweise mit deutlichen
Schnittmengen die Fachrichtungen aus den
Natur- und Ingenieurwissenschaften (grün
und blau) und links unten die Lebenswis-
senschaften (rot).
5
Die Visualisierungen erfolgten mit einem Verfahren,
das am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsfor-
schung in Köln von L. Krempel entwickelt wurde
(vgl. Krempel, 2011, und Krempel, 2005, sowie de
Nooy/Mrvar/Batagelj, 2011). Die hier vorgestellte
Lösung wurde durch Einsatz von Gephi und dem
1...,162,163,164,165,166,167,168,169,170,171 173,174,175,176,177,178,179,180,181,182,...199
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