Förderatlas 2015 - page 170

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5 Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Exzellenzinitiative
punkt auf sehr breiter Abdeckung von Fach-
gebieten
FR
liegt. Aus dem Rahmen fallen die
Geistes- und Sozialwissenschaften mit einem
vergleichsweise hohen Anteil an Schulen, die
sich auf Fachrichtungen genau eines Fachge-
biets
FR
konzentrieren (26 Prozent) und dem-
entsprechend einen deutlich unterdurch-
schnittlichen Anteil an Verbünden mit einer
Abdeckung von vier und mehr Fachgebieten
FR
(21 Prozent) aufweisen. Zurückzuführen ist
dies unter anderem auf Unterschiede in der
disziplinären Vielfalt der zugrunde gelegten
Fachgebiete (vgl. Tabelle 4-1 sowie Kapitel
5.3).
Ein Vergleich mit der Verteilung aufseiten
der Exzellenzcluster ergibt eine auffallend
hohe Übereinstimmung (vgl. Abbildung 5-3).
Tendenziell haben dort sehr breit aufgestellte
Verbünde mit einer Abdeckung von vier und
mehr Fachgebieten
FR
noch ein etwas höheres
Gewicht als bei den Graduiertenschulen (57
gegenüber 49 Prozent). In beiden Förderlinien
ergibt sich der sehr ähnliche Befund eines be-
sonders hohen Stellenwerts breiter fachlicher
Abdeckung in den Ingenieurwissenschaften;
auf der anderen Seite zeigt sich eine stärkere
Konzentration auf ein oder zwei Fachgebiete
FR
in den Geistes- und Sozialwissenschaften.
5.3 Die häufigsten
Fachrichtungen
Die eben vorgestellten Analysen haben einen
ersten Eindruck des hohen Stellenwerts fach-
übergreifender Zusammenarbeit in den bei-
den hier betrachteten Förderlinien der Exzel-
lenzinitiative vermittelt. Die gewählte Me-
thode der einfachen Auszählung abgedeckter
Fachgebiete lässt allerdings außer Betracht,
dass der sehr unterschiedliche Zuschnitt der
einzelnen Fachgebiete zu ebenso unterschied-
lichen Voraussetzungen fachübergreifender
Vernetzung führt. So sind kleine Fachgebiete
wie Geowissenschaften oder Mathematik
weit eher Kandidaten für diese Fachgebiets-
grenzen übergreifende Kooperationen als bei-
spielsweise Medizin oder Geisteswissenschaf-
ten. Gerade mit Bezug auf Letztere lässt sich
zudem die Frage stellen, ob etwa die Zusam-
menarbeit eines Germanisten mit einer Ar-
chäologin – mithin innerhalb eines Fachge-
biets – nicht ähnliche oder gar größere fach-
liche Distanzen überwindet als die Zusam-
menarbeit einer Lebensmittelchemikerin
(Fachgebiet Chemie) mit einem Pflanzenwis-
senschaftler (Fachgebiet Biologie).
Um der Frage auf den Grund zu gehen,
welche Fächer denn nun im Detail das For-
schungsgeschehen in Graduiertenschulen
und Exzellenzclustern prägen und darüber
hinaus besonders affin für fachübergreifen-
de Zusammenarbeit sind, werden im Fol-
genden die von Sprecherinnen und Spre-
chern genannten Fachrichtungen genauer
betrachtet.
Die Erhebung der Fachrichtungen hat für
insgesamt 1.244 Verbünde die beachtliche
Zahl von 2.194 verschiedenen Fachrichtun-
gen mit einer Gesamthäufigkeit von 8.713
Nennungen ergeben. Dies entspricht einer
Häufigkeit von durchschnittlich 3,8 Nennun-
gen je Fachrichtung. Die große Zahl ist maß-
geblich dem Umstand der freien Formulie-
rung geschuldet, die im Ergebnis sowohl ver-
schiedene Schreibweisen zulässt (Geographie,
Geografie) wie Plural/Singular-Variationen
(Erziehungswissenschaft, Erziehungswissen-
schaften) sowie weitgehend synonyme Be-
griffe (Materialforschung, Materialwissen-
schaft). Für die folgenden Analysen wurden
die Originalbezeichnungen daher weitgehend
standardisiert.
Mit dem Ziel einer hinreichend differenzier-
ten Datenbasis war es dabei explizit nicht be-
absichtigt, Hierarchiebeziehungen zwischen
Fächern und Teilfächern aufzulösen. So wurde
immer dann, wenn eine Fachrichtung hinrei-
chend oft genannt war (Richtwert: 5 Nennun-
gen), die entsprechende Fachrichtung beibe-
halten. Der Vorteil einer möglichst auch Teil-
facetten fachlicher Interaktion sichtbar ma-
chenden Betrachtung geht dabei mit dem
Nachteil einher, dass das Gewicht einzelner
„Fach-Familien“ nicht einheitlich gefasst wird.
Illustrieren lässt sich das an den Beispielen
Soziologie und Geschichtswissenschaften.
Während für die erstgenannte Fachrichtung
über alle Förderlinien hinweg 17 „Bindestrich-
Soziologien“ (Industrie-S., Bildungs-S., Ar-
beits-S. usw.) mit jeweils ein bis vier Nennun-
gen gefunden und zu einer gemeinsamen
Fachrichtung Soziologie zusammengefasst
wurden, blieben neben der übergreifenden
Bezeichnung Geschichtswissenschaften (85
Nennungen) wenigstens acht ebenfalls dem
historischen Fächerspektrum zuzuordnende
Fachrichtungen mit fünf und mehr Nennun-
gen erhalten (beispielsweise Medizingeschich-
te, Ur- und Frühgeschichte oder Rechtsge-
schichte).
Im Endergebnis resultieren aus der Stan-
dardisierung über alle Förderlinien hinweg
genau 402 unterschiedliche Fachrichtungen.
1...,160,161,162,163,164,165,166,167,168,169 171,172,173,174,175,176,177,178,179,180,...199
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