Förderatlas 2015 - page 17

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1 Einleitung
20 Jahre Förderatlas
Mit dem Förderatlas 2015 legt die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) die siebte Aus-
gabe eines Berichtssystems vor, das 20 Jahre
zuvor unter dem etwas sperrigen Titel „DFG-
Bewilligungen nach Hochschulen – Bewilli-
gungsvolumen 1991 bis 1995, Anzahl koope-
rativer Projekte im Jahr 1996“ seinen Anfang
nahm. Bezogen auf die Berichtsjahre deckt
die Reihe nun 23 Jahre ab (1991 bis 2013).
In diesem Zeitraum hat das deutsche wie
das internationale Wissenschaftssystem eini-
ge Veränderungen erfahren. Für Ersteres wa-
ren vor allem zwei Entwicklungen einschnei-
dend: In den 1990er-Jahren galt es, die Her-
ausforderungen der Wiedervereinigung zu
meistern und ein im Kern völlig neu zu struk-
turierendes Forschungssystem in den damals
noch „neuen“ Bundesländern aufzubauen
und in das Gesamtsystem zu integrieren. Und
in der jüngeren Vergangenheit war es insbe-
sondere die 2005 beschlossene Exzellenzinitia-
tive des Bundes und der Länder, die wichtige
Veränderungsimpulse setzte und weiterhin
setzt.
Auch international sollen hier nur zwei
Veränderungen, in diesem Fall bezogen auf
den europäischen Forschungsraum, hervor-
gehoben werden. So hat zum einen der eu-
ropaweite Wettbewerb um Forschungsgel-
der durch den nach dem Vorbild der DFG
im Jahr 2006 in Brüssel gegründeten Euro-
päischen Forschungsrat (European Re-
search Council, ERC) eine neue Dimension
erhalten. Ein wichtiges Zeichen für den ge-
wachsenen Stellenwert international ko-
operierenden Handelns setzt aber auch der
2011 gegründete Interessenverband Science
Europe – eine neue Form der Selbstorgani-
sation, die aktuell über 50 nationale För-
dereinrichtungen und Forschungsorganisa-
tionen zusammenführt, um gemeinsame
Aktivitäten zur Stärkung des europäischen
Forschungsraums zu entwickeln und abzu-
stimmen.
In all diesen Jahren haben wissenschafts-
politische Fragen stetig an Bedeutung gewon-
nen, etwa zum Thema „Gleichstellung in der
Wissenschaft“. Gesteigerte Aufmerksamkeit
genießen auch die Zusammenarbeit auf loka-
ler und regionaler sowie auf nationaler und
internationaler Ebene, die internationale
Sichtbarkeit der Forschung, der Stellenwert
interdisziplinärer Forschung sowie gerade in
der jüngeren Zeit die Situation des wissen-
schaftlichen Nachwuchses.
In Deutschland kommt vor diesem Hinter-
grund der Exzellenzinitiative des Bundes
und der Länder eine Schlüsselrolle zu. Sie
wurde 2005 hauptsächlich mit dem Ziel ge-
gründet, ein weithin sichtbares Signal der
Leistungsfähigkeit des deutschen Forschungs-
systems zu setzen. Über 4,6 Milliarden Euro
zusätzliche Mittel wurden genutzt, um mit
den in strengem Wettbewerb ausgewählten
Graduiertenschulen (GSC) und Exzellenz-
clustern (EXC) herausragende Forschungs-
vorhaben zu fördern und die Ausbildung be-
sonders talentierter wissenschaftlicher Nach-
wuchskräfte zu intensivieren. Außerdem
leistet die dritte Förderlinie Zukunftskonzep-
te (ZUK) an ausgewählten Standorten einen
Beitrag zur weiteren Profilentwicklung von
Universitäten.
Neben dem Hauptziel der Förderung der
Exzellenzinitiative – theoretisch wie me-
thodisch höchsten Ansprüchen genügende
Forschung – spielen bei der Programment-
wicklung und ihrer konkreten Umsetzung
(sowie schlussendlich bei der Bewertung
ihres Erfolgs) auch immer wissenschaftspo-
litische Sekundärziele eine wichtige Rolle:
Gleichstellung, Nachwuchsförderung, Inter-
nationalisierung, Interdisziplinarität, Profil-
bildung und Strukturentwicklung und
schließlich die Zusammenarbeit über Ein-
richtungs-, Regionen- und Landesgrenzen
hinaus, zwischen Hochschulen und außer-
universitären Einrichtungen sowie zwi-
schen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesell-
schaft.
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