Förderatlas 2015 - page 165

163
5 Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Exzellenzinitiative
In der öffentlichen Diskussion um Forschung
zählt die Frage nach deren Fachlichkeit sicher
zu den besonders häufig gestellten: Was wird
in der Chemie geforscht? Welchen Beitrag
zum Thema X leistet die Informatik? Wie viel
Geld fließt in der Medizin in die Erforschung
bestimmter Krankheiten? Solche und ähnli-
che Fragen bestimmen den Alltag der Presse-
stellen von Hochschulen und Ministerien,
von Forschungsorganisationen und For-
schungsförderern. Deren Beantwortung fällt
jedoch meist schwerer, als es die Einfachheit
der Fragen vermuten lässt.
Das vorangegangene Kapitel hat in aus-
führlicher Weise die fachlichen Profile von
Hochschulen und außeruniversitären For-
schungseinrichtungen beleuchtet. Die dort
vorgestellten Analysen sind entlang der Fach-
systematik der DFG beziehungsweise bund-
oder EU-spezifischen Fördergebiete beschrie-
ben. Dadurch konnten die fachlichen
Schwerpunktsetzungen von Einrichtungen
im Rahmen der Drittmittelförderung heraus-
gearbeitet werden.
Dieses abschließende Kapitel nähert sich
dem Thema „Fachlichkeit“ aus einer anderen
Richtung. Im Vordergrund steht nun nicht
länger die Frage,
innerhalb
welcher Fächer
Einrichtungen besonders drittmittelaktiv sind
(und so fachliche Akzente setzen). Vielmehr
wird dargestellt, wie Mittel aus der Exzellenz-
initiative genutzt werden, um die interdiszip-
linäre Zusammenarbeit
zwischen
Fächern zu
unterstützen.
Fokussiert wird die Frage auf die Förder-
linien Graduiertenschulen (GSC) und Exzel-
lenzcluster (EXC). Zu deren Auswahlkriteri-
en zählte neben der wissenschaftlichen Ex-
zellenz der Forschung und der Förderung des
wissenschaftlichen Nachwuchses die Schaf-
fung von Strukturen zur intra- und interinsti-
tutionellen Zusammenarbeit. Der Vernetzung
der Disziplinen galt dabei besonderes Augen-
merk – häufig betont auch aufseiten der Ge-
förderten, wie etwa Interviews mit Spreche-
rinnen und Sprechern der Verbünde belegen.
So leicht es fällt, den Anspruch eines frucht-
baren Austauschs über Fächergrenzen hinweg
zu formulieren, so schwierig gestaltet sich in
der Regel der Versuch, belastbare Daten zu ge-
winnen, mit denen sich feststellen lässt, wie
erfolgreich eben dies gelingt. Die in diesem Ka-
pitel vorgestellten Analysen gehen der Frage
nach der Gestalt interdisziplinärer Forschung
mit einfachen Mitteln und allein deskriptivem
Anspruch nach. Zugrunde gelegt werden hier-
für maßgeblich für Zwecke der Öffentlichkeits-
arbeit erhobene Daten, die hier erstmals für
statistische Analysen genutzt werden.
5.1 Datenbasis und Methodik
Fragen zur fachlichen Ausrichtung DFG-ge-
förderter Forschung sind auf einer vergleichs-
weise soliden Basis möglich. Die vor allem in
Kapitel 4 vorgestellten Analysen profitieren
dabei insbesondere von dem Umstand, dass
die DFG ihr Förderhandeln mithilfe einer
sehr feingliedrigen Fachsystematik erschließt
(vgl. Kapitel 4.1). Dies darf allerdings nicht
darüber hinwegtäuschen, dass Kategorisie-
rungen unter Zugriff auf solche Systematiken
nie absolut zu lesen sind. Wird in der daten-
gestützten Berichterstattung der DFG etwa
von geförderten Informatik-Projekten ge-
sprochen, handelt es sich hierbei in der Regel
um genau jene Projekte, die im Fachkolle-
gium Informatik bearbeitet wurden. Damit ist
aber keineswegs ausgeschlossen, dass auch in
anderen Fachkollegien bearbeitete Projekte
mehr oder weniger große Schnittmengen zu
diesem Fach aufweisen. Weitgehend im Da-
tendunkel findet sich auch die Antwort auf
die Frage, aus welchen Fächern die Personen
stammen, die Informatik-Projekte bei der
DFG einreichen oder diese als wissenschaft-
liche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bear-
beiten. Ebenso schwierig ist es, eine Antwort
auf die Frage zu geben, ob und in welchem
Umfang „Informatiker“ tatsächlich nur im
Rahmen von Informatik-Projekten von der
1...,155,156,157,158,159,160,161,162,163,164 166,167,168,169,170,171,172,173,174,175,...199
Powered by FlippingBook